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Post aus Neapel
Riviva L'Unita!
Von Gabriella Vitiello
05.02.2001. Am 28. Juli 2000 musste die Unita, die Zeitung der Kommunistischen Partei Italiens, wegen Geldmangel eingestellt werden. Als nationale, "schöne rote Zeitung", "liberal und radikal" soll sie nun auferstehen.
Bald könnte die Unita, das ehemalige Parteiorgan des früheren Partito Comunista Italiano (PCI), wieder am Kiosk sein: als rote Zeitung auf Raten.
"Sie haben sie für drei Monate gemietet, als wäre sie ein möbliertes Zimmer", kommentierte il manifesto mit dem Spruch des Tages die neusten Entwicklungen in dem bewegten Auf und Ab der Unita, deren letzte Ausgabe am 28. Juli 2000 erschienen war. Mit einer weißen Titelseite und dem Artikel des damaligen Redaktionsleiters der Unita, Giuseppe Caldarola, der das Ende des hochverschuldeten und heruntergewirtschafteten Blattes bekannt gab: "wegen Papiermangels". Einen knappen Monat später, am 23. August, stellten die Liquidatoren auch der Online-Redaktion der Unita den Strom und das Telefon ab, und damit war es auch um die Internet-Ausgabe und um das mittlerweile gegründete Solidaritäts- und Aktionsforum der Tageszeitung geschehen.
Unter dem Vorsitz des Verlegers Alessandro Dalai wollen die Gesellschafter der Nuova Iniziativa Editoriale den Neustart wagen und der Unita wieder einen sicheren Platz in der italienischen Presselandschaft verschaffen, was in den vergangenen zehn Jahren weder Privatisierung noch Solidaraktionen gelungen war. Zuvor muss die zukünftige Besitzerinitiative allerdings ihre finanzielle und verlegerische Glaubwürdigkeit beweisen. Denn abgeschlossen wurde bislang nur ein Mietvertrag für drei Monate, berichtet il manifesto, die kommunistische Tageszeitung links von La Repubblica. Bleibt der Keller während dieser Frist leichenfrei, d.h., kommt es zu keiner Neuverschuldung der Unita, können Dalai&Co die Zeitung erwerben. Dieses genau überlegte Vorgehen - so einvernehmlich Liquidatoren und neue Gesellschafter - verkürze das ganze Verfahren und L'Unita könnte noch pünktlich zum beginnenden Wahlkampf wieder am Kiosk sein. Verständlich, dass die Redaktionsmitglieder und die Drucker zwar zuversichtlich, aber nicht gerade euphorisch sind angesichts solch provisorischer Lösungen, die weder Schutz vor dem endgültigen Untergang garantieren, noch ausstehende Raten- und Rentenzahlungen der Liquidatoren einfordern. Damit die neue Unita tatsächlich spätestens am 15. März, wie derzeit geplant, eine neue Leserschaft finden kann, soll diese Woche die Arbeit der 40-köpfigen Redaktion beginnen, unter der Leitung von Furio Colombo. Der bekannte New York-Korrespondent könnte zur Neuausgabe auch beisteuern, woran es der Unita vielleicht immer mangelte, ein wenig Glamour.
Das Ziel sind 28 Seiten in einer Auflage von 50.000. "Eine Tageszeitung, die mit all denen in Dialog treten will, die sich links einordnen, aber das Gefühl haben, dass es bestimmte Leerstellen gibt. Eine Zeitung, die informieren, aber auch aufrütteln will, vor allem diejenigen Linken, die sich resigniert dafür entschieden haben, nicht zu wählen. Der Unterschied zu Repubblica? Liegt im geringen Umfang, folglich wird L'Unita nicht die gleiche Informationspflicht haben, sondern eine bewegliche Struktur mit der Aufgabe, die Linke, die sich in einer kritischen Situation befindet, zu unterstützen und zu repräsentieren.", sagte Dalai dem manifesto. Also aktive Wahlhilfe für das Mitte-Links Bündnis mit dem Kandidaten Francesco Rutelli? Der ehemalige römische Bürgermeister ist Mitglied der DS (Democratici di Sinistra), der größten Partei, die 1991 nach Identitätskrise und Spaltungsprozess von der kommunistischen Partei (PCI) übrig geblieben war.
Die neue Unita will der Linken aus der Krise helfen, obwohl die alte Unita doch selbst an dieser politischen Krise zu Grunde gegangen ist, hinzu kamen noch die journalistische, die wirtschaftliche und sonstige kleinere Krisen, erklären Alberto Leiss und Letizia Paolozzi in ihrem soeben bei Editori Riuniti erschienen Buch "Il giornale in rosso" - während sich Gianfranco Pasquino in "Critica della Sinistra italiana" gleich mit der vielzitierten Krise der Linken beschäftigt. Leiss und Paolozzi, zwei langjährige Mitarbeiter der alten Unita, interpretieren die Geschichte des ehemaligen Parteiorgans als ein Prisma, in dem sich das politische Schicksal der italienischen Linken, die Veränderungen der linken Bevölkerung, der Leserschaft und die revolutionäre Umwandlung der Medien brechen. Wo Sprache und Kultur in die Krise geraten, kann das Medium Zeitung nicht unbeschadet bleiben. Mit tragischer Komik manifestierte sich diese Krise in der Verkaufsstrategie der Unita von 1995/96: Kinofilme als Videobeilage der Zeitung sollten die Verkaufszahlen steigern. Das Kulturprodukt L'Unita wurde zum Konsumprodukt, die Zeitung zur Beilage der Videokassette.
Mit Dalai und Furio Colombo soll jetzt alles besser werden. Eine nationale, "schöne rote Zeitung", "liberal und radikal" will Dalai herausgeben - selbstverständlich auch online - für eine erweiterte Linke und eine junge Leserschaft, ohne die Leser der alten Unita aus den Augen zu verlieren. Daraus ist allerdings noch nicht zu ersehen, wo genau Dalai und Colombo die Unita in der Presselandschaft positionieren wollen? Zwischen Repubblica - die spätestens in den 80er Jahren das geworden ist, was die Unita immer sein wollte, die Zeitung einer breiten Linken - und dem manifesto? Oder noch weiter links von der intellektuell-kommunistischen Tageszeitung, die 18 übersichtliche Seiten für 2000 Lire bietet. Kritische Stimmen lästern, das einzig Rote an der neuen Zeitung werde das Apostroph zwischen dem L und dem U von L'Unita sein. Unbeeindruckt davon setzen Dalai und Colombo bei ihren 28 Seiten auf Vertiefung bestimmter Themen (Vorschläge zu Form und Inhalt des Unita-Remakes werden noch entgegengenommen). Regelmäßig sollen achtseitige Specials zu Themen wie Wirtschaft, Arbeit, New Economy oder Gesundheit und Forschung, Schule, Wissen und Kulturen (im Plural) erscheinen. Bei aller Positions- und Identitätssuche, an einem wollen die neuen Zeitungsmacher festhalten: dem Bezug zu Antonio Gramsci. Der Mitbegründer der Kommunistischen Partei Italiens (PCI), die vor 80 Jahren nach der Abspaltung der PCI von den Sozialisten (PSI) entstanden war, rief drei Jahre später, im Februar 1924, das Ursprungsprojekt der L'Unita ins Leben. Ein Grund zum Doppelglückwunsch, an die Linke Italiens und an das neue alte Blatt: Riviva L'Unita!
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