Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 02.09.2010, 14.19 Uhr

  • Mailen
  • Drucken
  • Merkzettel

Vorgeblättert

Walter Abish: Alphabetisches Afrika, Teil 1

10.04.2002. Einmal im Monat wird "Vorgeblättert". Im Juni lesen Sie einen Auszug aus Walter Abishs Sprach-Kunstwerk ''Alphabetisches Afrika''. Der Perlentaucher bringt außerdem Infos zu Autor und Buch.

Zum zweiten Mal präsentiert der Perlentaucher unter der Rubrik Vorgeblättert einen Auszug aus einer interessanten Neuerscheinung. Nachdem es zum Auftakt der Rubrik einen Auszug von Michael Maars Buch Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte zu lesen gab, blättern wir in diesem Monat, mit freundlicher Unterstützung des Verlegers Urs Engeler, vor. In dessen Verlag erscheint im August Walter Abishs "Alphabetisches Afrika" in einer Übersetzung von Jürg Laederach: ein Sprach-Kunstwerk aus dem Jahr 1974, in dem Abish den Schwarzen Kontinent in 52 Kapiteln nach einer eigens auferlegten alphabetischen Regel durchmisst. Außerdem finden Sie hier Informationen zum Autor, hier zum Buch.


Auszug aus Walter Abishs "Alphabetisches Afrika"

E

Erledigen, ach bereits erledigt. Auf die aleatorische Art begegnet Alva einem äthiopischen Elektriker, der Aloestauden durchträgt, Alva aber entscheidet, die Arbeit des Elektrikers erfordere eine enorme, ebenso energetische Durchsetzungskraft an beiden Ellenbogen. Der äthiopische Elektriker brüllt, Eher abstreifen!, als Alva, den ausgestreckten äthiopischen Degen ausweichend, entflieht, bestimmte ästhetische architekturale Details auslassend. Englische Bitten ausstoßend, donnert der Elektriker an eine eingerastete Aufzugtür, erscheint beinah defätistisch, der Elektriker betrachtet alle angulären Aufbauten, alle Einlässe, alle Aufgänge, auch deduziert er daraus elegant den darauffolgenden Anfang, dazu das erneuerte Ende. Als er bei einer Erdgeschoss-Cafeteria Alvas Ellenbogen begegnet, entdeckt er Alva bisschen davon entfernt, doch abermals ändert Alva den Dress, auch das Aussehen, entkommt, als dorisches Eckfries aufgetakelt. Endlich endet die Autojagd beim Airport. Alva beim Entkommen, delikate Escargots begleitet durch Creme Chantilly einstopfend, ah douceur, aber beim Abheben beginnen alle acht Antriebe auszufallen, bringen böse Beweise bei. Aaah, Brüderchen du, blutiger belastender Bruder. Als ein erneuter Augusttag endet, dengelt ein erregter Elektriker Dessertteller an einen Eincheck- Counter, bescheuertes Ekel, erweckt aller Aufmerksamkeit, demonstriert effeminierte englische Degeneration dadurch, dass er billigem Benehmen anheimfällt. Als die blockierenden Antriebe den Ausfall erweitern, darf die emporgeflogene Alva die bisherige Düsen-Erfahrung als eine Art allgemeiner Beruhigung einsetzen, ersetzt alle Antriebe, brüllt dazu enthusiastisch: Eritrea existiert, Eritrea existiert.

Erledigt.

Acht Antriebe energetisieren das äthiopische Berlin beträchtlich, bitteschön, auch der Erbkaiser demonstriert bei der Examination eines allegorischen Abschnittes Alvas Eingeweihtheit bezüglich bestimmter atmosphärischer Begegnungen, danach engagiert er die Dienste des Elektrikers. Eilig erdacht, bald ausgeführt. Alvas Abflug begann, danach amüsiert der Elektriker Edna beim Dropsy's. Die englische Edna, eine Delikatesse, beneidet Alva emsig, bisschen erregte Annäherung an alle anders angekleideten Boten. Eiligst ausführen!, berät der Elektriker den äthiopischen Erbkaiser. Danach appelliert der Erbkaiser aus Anstand an Edna, auch an Alva, alle durch "Dearest Damsel" angesprochen. Er ärgert Edna alias Alva, auch befolgt er des Elektrikers Exempel, amüsiert dieselben ebenfalls beim Dropsy's, beäugt Ednas etwas ellipsoide Demarkationen. Aaach, erkannt, basta, alle acht akustisch destruktiven Düsenantriebe energetisieren das Empire. Aber das Empire bricht ein. Erleuchtet dringt der Erbkaiser bei Edna ein, denkt, Edna amte durchaus auch als Alva, als Edna, bisschen devot, bisschen erlogen, bestätigt, das emeritierte England dürfe bei acht aufeinanderfolgenden enormen, dazu entschieden ansteckenden Climaxes einen Erguss erden. Dabei bestätigt Edna den Edna allein angehörenden Anteil an Edna. Der enttäuscht aufgeklärte Erbkaiser birgt die absinkende Erektion. Edna? Ach Dearest Damsel. Die brave Damsel befingert dreist des Erbkaisers Befestigung, aber der Erbkaiser, eindringlich beschämt, entert ebensowenig, blinzelt etwas berechnend, er blinzelt, blinzelt, aber durchs Blinzeln bestätigt der Erbkaiser auf aleatorische Art einen durchtriebenen Code, den der Bombardierungs-Berater entwarf. Als der Erbkaiser Ednas abermalige Einmessung beabsichtigt, bombardiert der bedauerliche Einsatz einer Bomber-Einheit das äthiopische Berlin, eliminiert alles am Boden. Das Dünen-Centrum altert als Antiquität, datiert durch die Anfangsbuchstaben A.D. Danach ehelicht der begierige Elektriker die abgelegte Edna, beküsst Edna, beliegt Edna, bekämpft Edna, approximiert Ednas Befähigungen, entweder acht Buben, achtzehn Buben, achtzig Buben, erledigt, erledigt. 

Eritrea ausradieren, Eritrea ausradieren.

Bald beschlossen, eilig ausgeführt …

Alex, ebenso Allen bestreiten Antibes, bestreiten alles.


Teil 2

Mailen | Drucken | Merkzettel |

Archiv: Vorgeblättert

Hannah Arendt, Gershom Scholem: Der Briefwechsel

30.08.2010. Von 1939 bis 1964 führten Hannah Arendt und Gershom Scholem einen intensiven Briefwechsel, in dem sie sich über jüdische Geschichte und jüdisches Selbstverständnis auseinandersetzten. Lesen Sie hier Auszüge aus der Korrespondenz, in denen es um Walter Benjamins Tod und Hannah Arendts Bericht "Eichmann in Jerusalem" geht. Mehr lesen

Elisabeth Badinter: Der Konflikt

23.08.2010. Frauen sollten wieder zurück zu Heim und Herd. Diesmal nicht, um den Mann zu umsorgen, sondern das Kind. Unter dem Banner der Natürlichkeit werden die Ansprüche an die gute Mutter so in die Höhe geschraubt, dass Frauen ihre Freiheiten wieder zu verlieren drohen, fürchtet Elisabeth Badinter. Lesen Sie hier einen Auszug aus ihrem neuen Buch "Der Konflikt".
Mehr lesen

Maria Sonia Cristoff: Patagonische Gespenster

19.08.2010. Die argentinische Journalistin Maria Sonia Cristoff bereist  Patagonien und berichtet von den Menschen, die es dorthin verschlagen hat, in diese gottverlassenen Landschaften am anderen Ende der Welt. Lesen Sie hier einen Auszug aus: "Patagonische Gespenster". Mehr lesen

Ngugi wa Thiong'o: Träume in Zeiten des Krieges

16.08.2010. "Ich hatte keine Farm in Afrika" könnte der erste Satz von Ngugi wa Thiong'os Buch lauten. Der kenianische Schriftsteller erzählt von seiner Kindheit in einer Bauernfamilie mit dreiundzwanzig Geschwistern, den Befreiungskämpfen der Mau-Mau und vom großen Glück, die Schule besuchen zu dürfen. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Träume in Zeiten des Krieges". Mehr lesen

Zora del Buono: Big Sue

12.08.2010. Zora del Buono erzählt in ihrem Roman "Big Sue" von der Suche eines Mannes nach seinen Wurzeln. Dabei trifft er unter anderem auf eine neugierige Journalistin, Geister in einer Villa, Alligatoren in den Sümpfen Georgias und gutgehütete Geheimnisse. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Big Sue". Mehr lesen

Cesarina Vighy: Mein letzter Sommer

09.08.2010. In ihrem Romandebüt erzählt die über 70-jährige Italienerin Cesarina Vighy von ihrem Leben in Venedig und Rom und zieht Bilanz angesichts einer unheilbaren Krankheit und von Fragen, die nie beantwortet werden. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Mein letzter Sommer". Mehr lesen

Regie: Ruth Berghaus. Geschichten aus der Produktion

05.08.2010. Irene Bazinger hat einen Band mit Erinnerungen an die große Regisseurin Ruth Berghaus zusammengestellt. In unseren Leseproben erzählt Hans Neuenfels, wie ihm Berghaus einen Antrag machte, Achim Freyer streitet sich über Kommunismus, und Jürgen Flimm erinnert sich an "Generalin Ruth". Mehr lesen

Francis Wyndham: Der andere Garten

02.08.2010. Die dreißigjähre Kay steht im Mittelpunkt dieser Geschichte aus dem England des Zweiten Weltkriegs. Erzählt wird sie von einem Jungen, der sich mit ihr anfreundet und in der Zeit erwachsen wird. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Roman "Der andere Garten" von Francis Wyndham.
Mehr lesen

Romualdas Granauskas: Das Strudelloch

29.07.2010. Der litauische Schriftsteller Romualdas Granauskas erzählt in seinem Roman "Das Strudelloch" von Gaucys Jiuozapas, der alles richtig machen will und doch keine Chance hat, den gnadenlosen Verhältnissen seines Lebens zu entkommen. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Martin Caparros: Wir haben uns geirrt

26.07.2010. In Argentinien verschwanden während der Militärdiktatur in den siebziger Jahren ungefähr 30.000 Menschen. Auch die Frau und Kampfgefährtin von Carlos, der sich auf die Suche nach ihr macht und auf die Täter von damals trifft. In "Wir haben uns geirrt" erzählt der argentinische Schriftsteller Martin Caparros vom Scheitern revolutionärer Ideale, von Schuld, Gewalt und Sühne. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Ian Buruma: Die drei Leben der Ri Koran

19.07.2010. Drei Männer erzählen in diesem epischen Roman über Ri Koran von ihrer Begegnung mit der asiatischen Schauspielerin, Sängerin, Politikerin und Journalistin. Anhand der Stationen ihres Lebens zeichnen sie ein Bild aus östlicher und westlicher Sicht der Dramen des 20. Jahrhunderts. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Die drei Leben der Ri Koran" des niederländischen Autors Ian Buruma.
Mehr lesen

Sergio Bizzio: Stille Wut

12.07.2010. Jose Maria versteckt sich auf der Flucht vor der Polizei in dem Haus, in dem seine Freundin Rosa als Dienstmädchen lebt. Jahrelang isst, trinkt, badet er heimlich, beobachtet die Bewohner und bringt nebenbei den Sohn des Hauses um, der Rosa vergewaltigt hat... Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Roman "Stille Wut" des argentinischen Schriftstellers Sergio Bizzio. Mehr lesen

Jean-Pierre Abraham: Der Leuchtturm

05.07.2010. "Die Angst des Leuchtturmwärters vor dem Leuchtturm" könnte der Titel dieses existenzialistischen Berichtes des Jean-Pierre Abraham sein, der in den sechziger Jahren auf Ar-Men, dem westlichsten Leuchtturm vor der bretonischen Küste, die Welt auslotet. Lesen Sie hier Auszüge aus "Der Leuchtturm". Mehr lesen

Raul Argemi: Und der Engel spielt dein Lied

28.06.2010. El Negro heißt der Protagonist dieses Krimis. Er scheitert nicht nur in der Liebe, sondern auch in seiner kriminellen Karriere, und nicht zuletzt an der Verstrickung der argentinischen Militärdiktatur Ende der siebziger Jahre mit dem Verbrechermilieu. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Und der Engel spielt dein Lied" des argentinischen Autors Raul Argemi. Mehr lesen

Andre Schiffrin: Paris, New York und zurück

10.05.2010. Andre Schiffrin, der Sohn eines Verlegers, wurde selbst als Verleger berühmt und prägte wie kein anderer die literarische und politische Szene in Amerika. Seine Memoiren spiegeln die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts in Europa und Amerika wider. Lesen Sie hier einen Auszug aus seiner Autobiografie "Paris, New York und zurück".
Mehr lesen

Gesamtes Archiv: Vorgeblättert