Bücherschau der Woche
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Klappentext
Millionen und Abermillionen Postsendungen wurden Jahr für Jahr, Tag für Tag aufgebrochen, ausgewertet und teilweise vernichtet. Millionen und Abermillionen Telefonate wurden abgehört. Von und im Auftrag der ehemaligen Besatzungsmächte, aber auch von den Westdeutschen selbst. Nahezu alle eingehende Post aus der DDR und massenweise Briefe und Pakete aus anderen osteuropäischen und kommunistischen Staaten wurden angehalten und zensiert. Die Telefon- Fernschreib- und Telegrafenleitungen von und zur DDR, nach und von Berlin und in die übrigen osteuropäischen Staaten, aber auch innerhalb der Bundesrepublik, ins westliche Ausland und Durchgangsleitungen von Ost nach West wurden systematisch überwacht und abgehört. Die alte Bundesrepublik zwischen 1949 und 1989 war ein großer, effizienter und effektiver Überwachungsstaat.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.05.2013
Jan Korte würdigt Josef Foschepoths Buch über die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs in der alten Bundesrepublik als "Standardwerk". Er attestiert dem Autor, die Bedeutung der Postzensur und Telefonüberwachung als zentralen Teil der Weststaatsbildung zu belegen. Deutlich wird für ihn darüber, dass es in der Geschichte der BRD immer noch Leerstellen gibt. Anhand der Auswertung von bislang geheimen Dokumenten weist Foschepoth für Korte überzeugend den massenhaften, systematischen Eingriff ins Postgeheimnis ohne Rechtsgrundlage nach. Auch der historische Kontext dieser Überwachung - Westbindung, antikommunistische Hysterie, konservatives Staatsverständnis und zahlreiche alte Nazis in führenden Funktionen in den Behörden - wird seines Erachtens erhellend dargestellt. Sein Fazit: ein Werk, dass den Fokus einmal nicht auf die Erfolgsgeschichte der BRD, sondern auf deren Problemgeschichte legt und vor Augen führt, "wie anfällig die Exekutive für jede Machterweiterung ist".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.11.2012
Adenauer als Abhörchef im Dienste der Alliierten? Franziska Augstein reibt sich die Augen angesichts einer eigentlich unglaublichen, leider wahren Geschichte, recherchiert durch den Historiker Josef Foschepoth in geheimen Archiven, niedergelegt in diesem lesenswerten Buch. Dass die Bespitzelung der eigenen Bevölkerung keine exklusive Spezialität der DDR war, sondern Adenauers freie, rechtsstaatliche und demokratische Bundesrepublik dem keineswegs nachstand, kann Augstein hier nachlesen. In Zahlen sah das folgendermaßen aus: rund 90 Millionen beschlagnahmte beziehungsweise geöffnete Postsendungen zwischen 1951 und 1972, gerechtfertigt von den Alliierten und ihrem willigen Vollstrecker, der Adenauer-Administration, mit der Bedrohung durch den Osten. Wenn der Autor hier den "schweren Verfassungsbruch" konstatiert, wundert sich Augstein nicht weiter. Dass die Vorbehaltsrechte (vulgo Spitzelberechtigung) der Alliierten bis heute nicht aufgehoben wurden, überrascht die Rezensentin dagegen schon. An die Souveränität Deutschlands kann sie nach dieser Lektüre nicht mehr so recht glauben.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2012
Rainer Blasius ist fassungslos. Was die Studie des Freiburger Historikers Josef Foschepoth ans Licht bringt, ist ein Skandal, findet er. Der Monografie wünscht er darum größte Aufmerksamkeit. Allerdings schränken die repetetive Struktur und die juristisch gespitzte Feder des Autors das Lesevergnügen ein, meint Blasius, der überdies ein Personen- und Sachregister schmerzlich vermisst. Am brisanten, vom Autor detailliert aufgestellten Befund, dass sich die Bundesregierung zwischen 1955 und 1972 zum Handlanger alliierter Interessen gemacht und sich am Grundgesetz vergriffen hat, indem sie nachweislich über 100 Millionen Postsendungen aus der DDR öffnete beziehungsweise vernichtete, ändert das allerdings nichts. Die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der dahinter steckenden Gesetzmäßigkeiten, hervorgegangen aus der Pariser Konferenz der Siegermächte, vermag der Autor dem Rezensenten zu entdecken.
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Josef Foschepoth
Josef Foschepoth, geboren 1947 in Werl, studierte Geschichte, Theologie und Sozialwissenschaften und promovierte 1975 in Münster mit einer Arbeit zu Reformation und Bauernkrieg im Geschichtsbild der DDR. Seit 2005 ist ... mehr lesen













