Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Englischen übersetzt, herausgegeben und eingeleitet von Christine Wunnicke. Der Earl of Rochester (1647-1677) war einer jener Menschen, die sehnsuchtsvolle Phantasien von längst vergangenen Zeiten in uns wecken. Er war gerade 13 Jahre alt, als England 1660 den puritanischen Alptraum beendete und mit Charles II. zur Monarchie zurückkehrte. Da sein Vater den König ins Exil begleitet hatte, nahm Charles den kleinen John unter seine Fittiche, und das bedeutete: Party, bis der Arzt kommt. Nach den elf Jahren der Cromwell-Herrschaft gab es einen enormen Nachholbedarf an den schönen Dingen des Lebens. An dem liederlichsten Königshof, den England je zu finanzieren hatte, entfaltete Rochester sein Talent als charmanter Unhold und unermüdlicher Erzähler, und seine Balladen und Spottverse wurden schnell legendär. Wenn er rezitiert: "Gott segne den König, der gnädig ist, keiner glaubt ihm, was er verspricht, nie sagt er etwas Dämliches und Kluges tut er nicht", applaudiert selbst der König.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2005
Rezensent Werner von Koppenfels dankt dem "kleinen Verlag für Homoerotika" MännerschwarmSkript für die mutige Tat, des Earl of Rochesters flotte Verse in einer ersten deutschen Ausgabe zu versammeln. Allerdings legt der Rezensent Wert auf die Feststellung, dass der 1646 geborene "adelige Wüstling" Männer- und Frauenliebe gleichermaßen geschmäht und gefeiert hat. Ja, sogar den weiblichen Teil der Schöpfung im Leben und in seinem Werk vielleicht noch ein bisschen mehr berücksichtigt hat als den männlichen. Noch in der pornografisch brillanten und berüchtigten Sexualfarce "Sodom" herrsche Ausgewogenheit zwischen dem "wüsten homo- und heterosexuellen Treiben", weshalb die Orientierung des Verlages keinesfalls mit der des Earl of Rochester verwechselt werden sollte. Die Übersetzerin Christine Wunnicke wird für die liebevolle und kompetente Gestaltung der Edition sowie die "witzige" und mit "gebotener Deftigkeit" übertragenen Originale sehr gelobt. Denn deren "liedhaften Fluss" treffe sie in den kürzeren Stücken ebenso geschickt "wie den lockeren Gesprächston und die burlesken Stilfarben" der längeren Verssatiren. Die Gedichte werden ergänzt durch eine Briefauswahl und eine Bildergalerie, was für Koppenfels die "Leserfreundlichkeit" der Ausgabe deutlich erhöht. Doch Kritik gibt es auch: In der Einleitung steht für seinen Geschmack zuviel über das Leben und zuwenig über das Werk des berühmten Wüstlings. Auch den Titel findet er "seltsam kurios".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.05.2005
Mit dieser zweisprachigen Ausgabe einer Auswahl aus den Gedichten, Satiren und Briefen von John Wilmot ist ein "Dichter zu entdecken", schwärmt ein vollkommen begeisterter Jens Bisky. Freunde "intelligenter Verse" werden sich wundern, wie ihnen dieser "Minnesänger des Lasters", der 1680 in London 33-jährig an der Syphilis starb, "bisher entgehen konnte", versichert der Rezensent, der meint, dass die Werke Wilmots nur aus seinem überaus ausschweifenden und lasterhaften Leben heraus verständlich werden. Bisky preist die Übersetzungen von Christine Wunnicke, in deren "schmiegsamem Deutsch" er den "derben Ton" des englischen Schriftstellers genauso gefunden hat wie den "schnöselhaften Witz" oder ein "liederliches Leiern". Außerdem habe die Übersetzerin ein "mitreißendes Vorwort" mitgeliefert, das dem hierzulande viel zu unbekannten Wilmot zu Ruhm verhelfen könnte, wie der Rezensent hofft. Diese Ausgabe "enthält das Nötigste" zu Wilmot, ohne dass sie mit allzu viel "gelehrtem Bombast" aufwartet, lobt der begeisterte Bisky weiter, der neben der durchaus konventionellen Form und dem deutlichen "Ausdruck" den "überraschenden Witz" dieser Verse schätzt und der hinter all der Liederlichkeit das "Wissen" des Lyrikers aus dem englischen Hochbarock um die unüberwindbare "Herrschaft des Nichts" herausgelesen hat.
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