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Anna Politkowskaja
In Putins Russland
Klappentext
Aus dem Russischen von Hannelore Umbreit und Ulrike Zemme. Die russische Bevölkerung folgt mehrheitlich der präsidialen Propaganda, die westlichen Staatsmänner praktizieren Männerfreundschaft. Alle Kritik an Putins Kurs, vor allem gegenüber der tschetschenischen Bevölkerung, die mittlerweile um ein Viertel dezimiert ist, verhallt ungehört. Anna Politkowskaja, Russlands bekannteste Journalistin, die bei der versuchten Berichterstattung über die Geiselnahme im kaukasischen Beslan zum Ziel eines Anschlags wurde, erhebt ihre kritische Stimme: eindringlich und warnend. Sie beschreibt den mächtigen Apparat des Geheimdienstes, dem Putin entstammt; die unerträglich brutalen und korrupten Verhältnisse in der Armee und in einer käuflichen Justiz; die Oligarchen-Mafia in der Industrie; das bestechliche Geflecht aus Nomenklatura und Zentralverwaltung; die zunehmende Rechtlosigkeit von ganzen Bevölkerungsgruppen und den neuen russischen Rassismus. In Russland ist Stabilität eingekehrt, in beängstigender Form, mit einem zynischen Vladimir Putin, der über Leichen geht, an der Staatsspitze. Schärfer kann die Diagnose nicht ausfallen, die Anna Politkowskaja in ihrer Reportage "In Putins Russland" stellt.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.08.2005
In krassem Widerspruch zur Einschätzung des deutschen Bundeskanzlers, Wladimir Putin sei ein "lupenreiner Demokrat", sieht Christiane Uhlig die Recherchen, die Anna Politkowskajas in ihrem Buch "In Putins Russland" vorlegt. Auf über 300 Seiten belege die Moskauer Journalistin mit zahlreichen Beispielen, dass weder Putin noch die russischen Staatsorgane an einer demokratischen Entwicklung des Landes interessiert sind. Die erschreckende Willkür und der Zynismus, die die Behörden an den Tag legen, zeigten, dass die verbrieften demokratischen Rechte in der russischen Wirklichkeit kaum etwas gälten. Beispielhaft hebt Uhlig einige Fälle hervor. Etwa den Umgang der Staatsmacht mit den Angehörigen der Opfer der Geiselnahme im Moskauer Musicaltheater "Nord-Ost" im Jahr 2002, die den Tod ihrer Verwandten erleiden mussten, weil die Sicherheitskräfte jede rechtzeitige Hilfe verhinderten; wobei auch eine anschließende Untersuchung der Vorgänge unterblieben sei. Insgesamt schildere Politkowskaja die Demokratie Russlands als "Konglomerat aus mafiosen Unternehmern, den Rechtsschutzorganen, der Justiz und der Staatsmacht."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.05.2005
Überzeugend findet Rezensent Hannes Adomeit diese Zustandsbeschreibung Russlands unter Putin, die Anna Politkovskaja vorgelegt hat. Dass es sich dabei nur um "emotionale Randnotizen" handeln soll, wertet Adomeit als "falsche Bescheidenheit" der Autorin, hält er das Buch doch "sehr wohl" für "analytisch". Anhand von konkreten Fällen und unter Auswertung zahlreicher Prozessakten beschreibe und bewerte Politkovskaja Entwicklungen Russlands, die nach Adomeit "Anlass zur Besorgnis geben". Er nennt unter anderem die Stärkung der Geheimdienste, die Verfilzung von organisierten Verbrechen, Polizei und Justiz, die staatliche Duldung rassistischer und neofaschistischer Organisationen, die brutalen und korrupten Verhältnisse in der Armee. Angesichtes der zunehmend autoritären Strukturen im "System Putin" kritisiere Politkovskaja auch die wohlwollende Politik der Bundesregierung und das Verhalten der deutschen Wirtschaft gegenüber Putin.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.04.2005
Mit unverhohlener Sympathie stellt die Rezensentin Barbara Oertel das jüngste Buch der preisgekrönten russischen Journalistin Anna Politkovskaja vor. "In Putins Russland" ist ein Tschetschenien-Buch, jedoch eines aus der Perspektive der Soldaten-Angehörigen. Zahllose Geschichten, die Politkovskaja recherchiert hat, zeigen, so die Rezensentin, dass die russische Armee nach wie vor ein Ort "absoluter Rechtlosigkeit" ist, in der "neosowjetische" Zustände herrschen. Die Menschen seien lediglich "Schräubchen", die ausschließlich zur glatten Umsetzung der Befehle "von oben" dienen. Dies werde deutlich in Politkovskajas Untersuchung der Prozessakten des Militärgerichts, aus denen klar hervorgehe, wie stark die Judikative von der Exekutive gelenkt werde, und wie viele ehemalige Sowjet-Mächtige noch immer an den Hebeln der Macht sitzen. Erschreckend finde Politkovskaja allerdings die Apathie der russischen Gesellschaft gegenüber diesem offensichtlich "zynischen Umgang" des Systems mit den Menschen. Wie alles, solle auch das Tauwetter "von oben" kommen. Wird es aber nicht, so das Fazit von Politkovskajas düsteren, und wie die Rezensentin findet, mutigen "emotionalen Randnotizen" zu Putins erster Amtzeit.

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