Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Jobs
Historische Tage
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Russischen von Thomas Reschke. Das Stigma, unangepasst und politisch "unzuverlässig" zu sein, blieb an ihm haften wie ein "Wolfspass" - ein Dokument, das man im zaristischen Russland entlassenen Sträflinge aushändigte. Verschmitzt und stolz erzählt Jewtuschenko von den vielen kleinen Siegen, die er der Zensur abgerungen hat. Seine Existenz war von skurrilen Begebenheiten, Skandalen und handfesten Abenteuern geprägt: als man ihn zum Beispiel offiziell für tot erklärte, oder als er entdeckte, dass die Frau, die er liebte, Agentin des KGB war...
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.09.2000
Liebevoll, aber auch spöttisch schreibt Beatrix Langner über die Memoiren dieses "großen Jungen mit der Schiebermütze". Sie schildert seine Verdienste als Kritiker des sowjetischen Systems noch vor Solschenizyn und vor allem auch, dass er als einer der ersten über antisemitische Säuberungen in der UdSSR aufklärte. Spaß äußert sie an Jewtuschenkos "glänzenden Dialogen" und an der recht anarchistischen Weise, in der der Dichter über Zeitgenossen herzuziehen scheint. Am Ende ihrer Kritik verweist Langner auf Jewtuschenkos kleine Hommage auf Viktor Pelewin, den neuen Star der russischen Literatur, die nur in der deutschen Ausgabe des Buchs enthalten sei.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.08.2000
Ganz böse ist Jürgen Verdofsky geworden beim Lesen dieser Autobiografie. Erst traut er sich nicht recht und erinnert an das große Gedicht Babi Jar, mit dem der damals 28-jährige Dichter ein "Tabu gebrochen" und den 52 000 dort erschossenen Opfern der deutschen Besatzung ihre "jüdische Identität" zurückgegeben hatte. Aber dann lässt der Rezensent sich mehr und mehr von der Leine: schon Achmatowa hat den "Drang nach Selbstdarstellung" mit brüsker Abwendung beantwortet; außer einem "Schulverweis" hat der früh mit einem richtigen Pass bedachte für den "Wolfspass", der die Dissidenten und Kriminellen in der Sowjetunion zeichnete, nichts zu bieten; er trank Champagner in Washington und Paris, will aber zwischen Sowjet-Diplomatie und KGB agiert haben, um Daniel und Sinjaksi zu retten; er hat sich 18 Stunden mit Pasternak unterhalten, schreibt aber nicht, worüber; er will Protestbriefe und -telegramme geschrieben haben, die nie einer sah... Und so geht es immer weiter. Verdofsky geht kräftig ins Gericht mit einem, dem der frühe "Weltruhm nicht gut bekommen" ist und der seine Rolle als Vorzeigedissident bis heute nicht reflektiert hat. Als ganz "ungeheuer" empfindet der Rezensent zum Schluss diesen Satz des "selbstverliebten" Trommlers, den als Charakterisierung zu zitieren sich wohl lohnt: `Wir waren die ersten Dissidenten in einer Zeit, als Sacharow noch ein von Geheimhaltung umgebener, privilegierter Wissenschaftler war, Solschenizyn ein unbekannter Lehrer und ehemaliger Lagersträfling und Brodsky ein Schuljunge.`
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.06.2000
"Wolfspaß" nannte sich im zaristischen Rußland und später in der Sowjetunion der Ausweis, den missliebige Staatsbürger erhielten, und wenn also Jewtuschenko dieses "Abzeichen eines Dissidenten" schon im Titel seiner Autobiographie für sich reklamiere, schreibt Aurelia Sorrentino, dann sei das ein klarer Fall von "Selbstbestätigung und Selbstbeweihräucherung". Kein Volksdichter, dem die Verehrung seiner Leser nicht zu Kopf gestiegen sei. Dennoch, meint die Rezensentin, bietet Jewtuschenkos Biografie viel Aufschlussreiches, weit über das Biografische hinausgehend, über das Leben im Sowjetregime. Am erhellendsten fand Sorrentino das Kapitel über die Zensur, das beschreibt, in welcher Weise Jewtuschenko gerade unter Umgehung hierarchischer Strukturen höhere Instanzen auf seine Seite zu bringen wusste. Ansonsten rät die Rezensentin, vom "Volksvaterton" des Autors und seiner Attitüde als Haremsvater abzusehen und empfiehlt, sich die gelungenen Portraits seiner Mitstreiter und Freunde zu Gemüte zu führen.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2000
Viktor Kriwulin beschreibt Jewgeni Jewtuschenko als einen Mann, dessen Zeit in der Sowjetunion schon Ende der sechziger Jahre vorbei war; und spätestens seit dem Ende des Kommunismus habe man an den spezifisch Jewtuschenkoschen Formen der Semidissidenz das Interesse verloren. Reizvoll könnte diese neue Lebensbeschreibung dennoch sein, denn, so Kriwulin, das eigentliche Werk dieses Autors sei seine Biografie, ein "Text, den er umarbeitet, modernisiert, erweitert und wendet" - und das seit einer ersten Veröffentlichung im Jahr 1962. Der neuesten Fassung, die nun ins Deutsche übersetzt wurde, kann der Rezensent freilich wenig abgewinnen. Zu sehr sei Jewtuschenko hier auf keinen anderen als sich selbst fixiert - auch und gerade wenn er Begegnungen mit Prominenz aller Art schildere. Einzig in der Beschreibung seiner Kindheit erweise er sich als "trefflicher Erzähler". Danach überwiegen nach Meinung des Rezensenten die Untugenden: fundamentale Unwissenheit, die sich auf Gemeinplätze zurückzieht, Pathos, Süßlichkeit und traurige Versuche der Selbstrechtfertigung.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.06.2000
Wenig Sympathie bringt der Rezensent mit dem Kürzel U. Sm. dem russischen Schriftsteller Jewgeni Jewtuschenko entgegen, noch weniger seiner nun erschienenen Autobiografie. Diese sei nichts als "peinliche Selbstbeweihräucherung". Das kaum erträgliche Imponiergehabe erstrecke sich auf die Eroberung von Frauen und Prominenten gleichermaßen, zu seinem wenig heroischen Verhalten in der Sowjetunion ziehe es Jewtuschenko dagegen vor, Schweigen zu bewahren. Keine Frage: der Rezensent rät entschieden ab von diesem Buch.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Bücher von Lesern empfohlen
Shahriar Mandanipur: Eine iranische Liebesgeschichte zensieren
Aus dem Englischen von Ursula Ballin. Ein iranischer Schriftsteller ist es leid, immer nur düstere Romane ...
Javier Marias: Dein Gesicht morgen
Aus dem Spanischen von Elke Wehr. "Wollte Gott, dass niemand uns jemals um etwas bittet oder auch nur fragt, ...
Archiv: Bücherschauen
Vexierspielkünstler
20.03.2010: Die FAZ hat Denis Johnsons Thriller "Keine Bewegung!" gelesen und freut sich über das Gespür des Autors für kriminelle Loser. Die FR folgt der zehnjährigen Dora durch Jacques Roubauds Abenteuer und Geheimnis verheißenden "Verwilderten Park". Sehr anregend findet die NZZ Eric Hobsbawms Buch über "Globalisierung, Demokratie und Terrorismus". Die taz spürt einen Hauch von Erlösung in Don DeLillos Roman "Der Omega-Punkt". Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Francois Walter: Katastrophen
15.03.2010: Für die Natur gibt es keine Katastrophen, nur für die Menschheit. Der Schweizer Historiker Francois Walter hat eine Kulturgeschichte ihrer Bewältigung geschrieben und der Sinnsuche des Menschen: Strafe Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen sowie Ansporn zu neuen technischen Entwicklungen. Hier eine Leseprobe aus "Katastrophen". Mehr lesen
Betina Gonzalez: Nach allen Regeln der Kunst
11.03.2010: Im Erstlingsroman der Argentinierin Betina Gonzalez begibt sich eine Tochter auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, eines mittelmäßigen Bildhauers, und nimmt Kontakt mit seinen Geliebten auf. Hier eine Leseprobe aus "Nach allen Regeln der Kunst". Mehr lesen
Necla Kelek: Himmelsreise
08.03.2010: Passend zum 8. März: Necla Kelek kämpft in ihrem neuen Buch für eine aufgeklärte Lesart des Koran, informiert über Entstehung und Hintergründe und stellt fest: Auf den Koran kann sich nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Lesen Sie hier ein Kapitel aus "Himmelsreise". Mehr lesen


Folgen Sie uns auf Twitter


