Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
In der Stammkneipe neben der Akazie wird bei Kurzen und Halben die Ordnung der Dinge verhandelt: Hochzeiten werden arrangiert, Baracken verhökert, Nervenkranke eingegliedert, Selbstmorde verhindert, Sünden gebeichtet. Dörflich eng scheint dieses Dasein am Rande der Welt - und doch entspringt es der Mitte des Lebens. Skurrile Gestalten, die im Suff den Alltag überlisten und sich betrunken die Liebe gestehen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.06.2000
In einer Doppelrezension bespricht Marion Löhndorf zwei Romane von Sandor Tar - "Ein Bier für mein Pferd" und "Die graue Taube" -, über die sie sich zwiespältig äußert. Einerseits zeigt sie sich durchaus beeindruckt von Tars Talent, "einen grotesken Berg von Furchtbarkeiten" aufzutürmen. Dies verfehlt ihrer Ansicht nach beim Leser nicht seine Wirkung, zumal sich die Sprache des Autors durch eine besondere Klarheit auszeichne. Dennoch ist dies der Rezensentin zu wenig. Sie vermisst bei "Ein Bier für mein Pferd" etwas, das über das "sardonische Elendsprotokoll" hinausgeht - sowohl in sprachlicher als auch in "gedanklicher" Hinsicht. Dass Tar in keiner Weise sozialromantische Anflüge zeigt, gefällt ihr dann wiederum an diesem Roman. Regelrecht erleichtert scheint die Rezensentin, dass der Autor nie "suggeriert, dass die misslichen sozialen Verhältnisse durch ein erhöhtes Maß an (Mit-)Menschlichkeit aufgewogen und kompensiert werden". Eher das Gegenteil ist ihrer Ansicht nach der Fall.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.10.1999
Ilma Rakusa bespricht die beiden neuen Romane von Sandor Tar - "Ein Bier für mein Pferd" und "Die graue Taube" - zusammen. "Ein Bier für mein Pferd" hält sie für eine meisterliche Erzählung: "Ob atmosphärische Schilderung oder Figurenporträt, lakonisch werden Details zu lebensvollen Bildern schön-schauriger Tristesse addiert." Rakusa ist offensichtlich gefesselt von Tars Griff in die existenziellen Niederungen eines Dorfes im tiefsten Ostungarn und dem "elenden Getue" seiner Bewohner. Im dem Roman "Die graue Taube" vermisst Rakusa allerdings diese "herbe Poesie". Zwar findet sie auch hier Aberwitz und Brutalität, aber Tar für diese Erzählung bei ihr Wohlwollen: "Ihr Apocalypse-Now-Gehabe verschleiert, dass die wirklich wichtigen Dinge eher unspektakulär sind", schreibt die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.1999
Diese Geschichte Sandor Tars, die bereits 1995 erschienen ist und nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt, ist ein Buch, bei dem einem "das Lachen im Halse stecken" bleibt, meint Rezensent Michael Winter. Dabei sei es eigentlich gar keine richtige Geschichte. Denn es gebe keine Handlung, keinen richtigen Anfang und kein Ende. Es erscheint dem Rezensenten eher wie das Ergebnis einer Befragung von Nachbarn, die alle das gleiche und doch alle etwas ganz verschiedenes beobachtet haben. Ähnlich wie in seiner Besprechung von Tars Roman "Die Graue Taube" zählt Winter auch hier zahlreiche Vorkommnisse der kuriosesten und schrecklichsten Art auf, unterstreicht aber, dass es hier nicht um Profi-Kriminelle geht, sondern um diejenigen, die als "unnütze Spreu" aus dem neuen System herausgefallen sind: Alkoholiker, Arme, Sieche, "alle Möglichkeiten des Elends", die einerseits eine eingeschworene Gemeinschaft bilden, sich andererseits aber durch einen ganz speziellen Verhaltenskodex noch weiter an den Rand des Abgrunds bringen (sofern eine Steigerung überhaupt noch denkbar ist). Tar zeige sich hier als ein Autor von "erfrischender Bosheit".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.10.1999
In einer Doppelrezension bespricht Werner Jung zwei Romane von Sandor Tar, an denen sich seiner Meinung nach die "Stärken und Schwächen" des Autors zugleich ablesen lassen. "Die graue Taube" ist für den Rezensenten "eine arge Enttäuschung". Die vielversprechenden Anfangsseiten, bei denen sich Jung gar an Camus' "Pest" erinnert fühlte, hielten nicht, was sie versprächen. Mehr als eine "schlichte Kriminalhandlung" mag der Rezensent nicht erkennen. Gelangweilt listet er auf, wer oder was in diesem Roman eine handlungstragende Rolle spielt und kommentiert dies mit der Bemerkung, dass sich hier "Gut und Böse" vermischen. Viel Ratlosigkeit spricht aus Jungs Zeilen, der mit dem Buch einfach nichts anfangen kann. Mit "Ein Bier für mein Pferd" hat der Autor den Geschmack des Rezensenten weitaus besser getroffen. Hier stehe Tar "in der besten Tradition volkstümlicher, realistischer Dorfgeschichten des 19. Jahrhunderts". Jung bemüht sogar Hegel, um möglichst verständlich zu vermitteln, wie grau der Alltag in dieser Geschichte wirklich ist. Die Stärken des Buches macht er vor allem in Tars Fähigkeit aus, die "Perspektivlosigkeit" der Dorfbevölkerung durch die Schilderung vieler kleiner, persönlicher Katastrophen der Dorfbewohner zu beschreiben.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999
In einer Doppelrezension bespricht Joachim Kalka die beiden jüngst ins Deutsche übersetzten Romane des in Ungarn sehr erfolgreichen Autors Sandor Tar: "Ein Bier für mein Pferd", geschrieben 1995, und "Die graue Taube" von 1996. Beide Romane reflektieren nach Kalkas Darstellung die Lage Osteuropas nach dem Mauerfall. Und in beiden Roman trete an die Stelle eine geheimdienstlich-bürokratisch regierten Ordnung die Verwüstung. "Ein Bier für mein Pferd" schildert diese Verwüstung auf dem Lande, und sie sei "so gründlich, dass sie fast schon komisch wirkt", so der Rezensent. Tar stelle dies mit sehr genauen Porträts der handelnden Personen dar. In "Die graue Taube" übertrage Tar dieses Prinzip auf die Großstadt. Hier behandle Tar das Chaos und das Verbrechen mit den Mitteln des Kriminalromans, allerdings ohne dass wie im Kriminalroman der Fall am Ende gelöst sei. Tar schildere eine Welt der lancierten Epidemien und der politischen Verbrechen. Die Absurdität, zu der dieser "glänzend geschriebene" Roman dabei gelangt, wirkt auf den Rezensenten allerdings manchmal ein bisschen abstrakt.
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