Sein Vater, der optimistische Ladenbesitzer nannte ihn Nasr (Sieg), weil er an den Sieg der Allierten glaubte. Die anderen im Dorf vertrauten dem Gerücht, der deutsche "Führer" sei zum Islam übergetreten und heiße Mohammad Hitler. Mit drei Jahren wird Nasr Hamid Abu Zaid zu einem Scheich geschickt, um den Koran zu memorieren. Schon als Kind ist er respektierter "Träger des Koran", darf sogar in der Moschee zum Gebet rufen. Als Jugendlicher sympathisiert er mit den "Muslimbrüdern". Nach Aufenthalten in den USA und Japan lehrt er an einer großen Kairoer Universität. Als er 1995 wegen "Ketzerei" angeklagt und von Islamisten mit dem Tod bedroht wird, ist er bereits eine Berühmtheit und sein Schicksal geht durch die Weltpresse.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 15.11.2001
Der Koranexperte Nasr Hamid Abu Zaid lehrt heute an der Universität Leiden in den Niederlanden. Nicht ganz freiwillig - vor 58 Jahren wurde er in dem kleinen Dorf Quhafa im Nildelta geboren, später in Ägypten der Ketzerei beschuldigt und musste 1995 das Land verlassen, schreibt Rezensentin Susanne Mayer. Der Kölner Islamwissenschaftler und Journalist Navid Kermani und die Übersetzerin Cherifa Magdi haben den Exilanten vor zwei Jahren aufgesucht und lange Gespräche mit ihm geführt, aus denen die vorliegende Autobiografie entstanden ist, informiert Mayer. Das Buch ist für sie ein politischer Bildungsroman, der die Geschichte Ägyptens vom Erbe des Kolonialismus über die Ereignisse des Jahres 1967 bis zum Aufstieg des Fundamentalismus erzählt. Und von der widersprüchlichen Rolle der Intelligenz und der des Westens, der stets alle Probleme in der Region auf einen konstruierten Gegensatz zwischen dem Islam und der westlichen Welt reduziert hatte, obwohl es, hat Mayer dem Buch entnommen, zahlreiche Aussöhnungsgesuche gab.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.11.2001
Nasr Hamid Abu Zaid erzählt aus seinem Leben, Navid Kermani hat es aufgeschrieben, Hilal Sezgin hat's gelesen. Sie ist von der "Wärme dieses Erzählens" entzückt. Aufgewachsen mit "Beten und Almosengeben" sei Abu Zaid zu einer Zeit, in der Religion noch keine "Angelegenheit von staatlichem Zwang" war. Später ging Abu Zaid ins Exil, nachdem er in seiner Heimat Ägypten eine Zwangsscheidung erlebte, berichtet die Rezensentin. Eine große Bedeutung in diesem Buch habe der islamische Glauben Abu Zaids. Für die Rezensentin ist dies eine "ergreifende Lebensgeschichte".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.05.2000
Der ägyptische Koranwissenschaftler Abu Zaid entspricht laut Volker S. Stahr in keinster Weise unserer Vorstellung eines Oppositionellen in der islamischen Welt. Auch wenn Zaid in seiner Heimat wegen seiner fortschrittlichen Koranauslegung mit den Islamisten aneinander geraten ist und schließlich zur Zwangsscheidung und ins Exil gedrängt wurde, beschreibt er sich als ein ganz dem islamischen Denken verhafteter Mann, der von seiner Kindheit im Umkreis der Moschee, von seinem Studium im Ausland und seiner Arbeit an der Kairoer theologischen Fakultät berichtet. Zaids Kritik an der Koraninterpretation der Islamisten beharrt gerade auf dem ursprünglichen Geist des Korans, den Zaid auf seinen historischen Kontext zurückführt. So zeigt das Buch, schreibt Stahr, "wie wenig Abu Zaid in die gängigen Schablonen west-östlichen Gegensatzes unserer Tage paßt".
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