Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Jens Malte Fischer

Richard Wagners `Das Judentum in der Musik`

Eine kritische Dokumentation

Cover: Richard Wagners `Das Judentum in der Musik`

Insel Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN-10 3458343172
ISBN-13 9783458343172
Taschenbuch, 380 Seiten, 10,17 EUR

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.08.2001

In einer Doppelrezension befasst sich Thomas Baltensweiler mit zwei Büchern zu Richard Wagner.
1.) Hans-Joachim Bauer: "Die Wagners. Macht und Geheimnis einer Theaterdynastie" (Campus)
Baltensweiler erläutert, dass in diesem Buch "sine ira et studio" die Familiengeschichte der Wagners nachgezeichnet wird, mit allen Fehden, Intrigen, Betrügereien und Anfeindungen. Allerdings ist sich der Rezensent nicht sicher, ob wirklich alle Behauptungen Bauers tatsächlich "hieb- und stichfest" sind. Dass in dem Buch auf Quellenangaben verzichtet wird, findet Baltensweiler jedenfalls zumindest "bedauerlich".
2.) Jens Malte Fischer: "Richard Wagners 'Das Judentum in der Musik'" (Insel)
Mit einer Bewertung dieses Buchs hält sich der Rezensent zurück und erläutert lediglich, dass Fischer anhand von Wagners Text 'Das Judentum in der Musik' dessen "Kampf um künstlerische Geltung" darzustellen versucht. Auch wenn es der Rezensent nicht dezidiert zum Ausdruck bringt, so scheint er es doch zu schätzen zu wissen, dass der Autor hier nicht nur die Entstehungsgeschichte dieses antisemitischen Textes Wagners erläutert, sondern auch zahlreiche Dokumente präsentiert, "welche die zeitgenössischen Reaktionen illustrieren". Darüber hinaus referiert Baltensweiler offenbar einige Thesen Fischers, etwa dass Wagners Text auf Enttäuschungen zurückzuführen ist, die er in Paris und München erlebt hat und dass er für seine Misserfolge eine jüdische Verschwörung verantwortlich gemacht hat.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.08.2000

Karl Kraus wetterte gegen Heinrich Heine, Richard Wagner polemisierte gegen die Juden - ist Kraus` Polemik nicht Ausdruck jüdischen Selbsthasses und in der Argumentation der Wagnerschen verwandt, fragt Rezensent Dieter Borchmeyer, der zwei zufällig zur gleichen Zeit erschienene Bücher bespricht, die sich den Pamphleten Wagners bzw. Kraus` quellenanalytisch widmen.
1) Dietmar Goltschnigg: "Der Fackel ins wunde Herz"
Den Vergleich mit Wagner legt laut Borchmeyer der Herausgeber selbst nahe: Goltschnigg ziehe immer wieder Parallelen zu Wagners Schrift über das "Judentum in der Musik". So wie Wagner einem "linguistischen Antisemitismus" gehuldigt habe, hätte Kraus in vielfachen Polemiken in seiner Zeitschrift "Die Fackel" Heine eines "undeutschen Sprachgebrauchs" bezichtigt. Das Absurde daran sei, referiert Borchmeyer weiter, dass Kraus Heine genau das vorwarf, was man als eine Art geistesverwandte Haltung und Schreibweise bezeichnen könnte: den Feuilletonismus. Und er scheute auch nicht davor zurück, sich mit seiner Polemik in die Nähe völkisch-nationalistischer Hetze gegen den Pariser Rivalen zu begeben. Goltschnigg kommt am Schluss auf Wagner zurück, schreibt Borchmeyer weiter, und weise darauf hin, , dass Kraus mit seiner Forderung einer völligen Assimilation ("Durch Auflösung zur Erlösung") einer bis ins Vokabular ähnlichen Argumentation wie Wagner folgt.
2) Jens Malte Fischer: "Richard Wagners `Das Judentum in der Musik`"
Bei Wagner ist von einem "durch Selbstvernichtung wiedergebärenden Erlösungswerks" der Juden die Rede, zitiert der Rezensent die inkriminierte Passage, die sowohl bei Goltschnigg wie in Jens Malte Fischers Buch eine Rolle spielt. Fischers Verdienst sei es unter anderem, schreibt Borchmeyer, die unzugänglich gewordenen Quellen für das Wagnersche Pamphlet wieder zugänglich zu machen und dieses so der Frühphase des Antisemitismus zuordnen zu können. Weder entschuldige der Autor die Heftigkeit des Wagnerschen Verschwörungswahns, noch beschuldige er ihn für etwas, das nicht in seinen Texten stünde. Das Wagnersche Vernichtungsvokabular habe rein metaphorische Bedeutung gehabt. Zweifel meldet Borchmeyer hinsichtlich der These Fischers an, der Antisemitismus Wagners müsse sich auch in seinen Opern niederschlagen, als eine Art "eingewobener Subtext": auch Fischer gelinge es nicht, diesen Subtext in den musikdramatischen Werken Wagners wirklich ausfindig zumachen.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

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07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren