Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Zum Mord an den ungarischen Juden 1944 führten deutsche Verfolgungserfahrung, der Vernichtungswille der ungarischen Rechten und kühle politische Erwägungen. Dieses Buch schildert und erklärt auch das ungeheure Tempo dieser Vernichtungsaktion. Bis zur Besetzung Ungarns durch die Deutschen am 19. März 1944 konnten die 800.000 ungarischen Juden einigermaßen sicher leben. Mit den deutschen Truppen rückte auch das Kommando Eichmann in Budapest ein. Binnen sieben Wochen deportierte er mit den ungarischen Behörden 440.000 ungarische Juden nach Auschwitz. Die Autoren stellen erstmals dar, wie das Zusammenspiel unterschiedlicher Interessen auf deutscher und ungarischer Seite dieses ungeheuerliche Verbrechen ermöglichte.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.05.2002
Zwei große thematische Stränge macht Michael Wildt in seiner Besprechung von Christian Gerlachs und Götz Alys ebenso gründlicher wie nüchterner Studie über den Mord an den ungarischen Juden fest: die Autoren untersuchten einerseits die Motive der Deutschen für diese letzte große Vernichtungsaktion, der über 400 000 ungarische Juden zum Opfer fielen; andererseits gingen sie dezidiert auf die aktive Unterstützung durch ungarische Behörden und Politiker ein. Was die Motive der Deutschen angeht, so sollen einerseits außenpolitische Gründe für die Besetzung Ungarns eine Rolle gespielt haben, da man das Ausscheren Ungarns aus der militärischen Achse fürchtete, andererseits wollte man Ungarn systematisch ausplündern: seine Rohstoffe, seine Arbeitskräfte, denn viele Juden wurden in deutsche Arbeitslager deportiert, so Wildt. Etwas schwierig muss sich die Bearbeitung des Abschnitts über die ungarische Kollaboration gestaltet haben. Zum einen stießen die Autoren wohl auf natürliche Sprachbarrieren in der Auswertung der Originalquellen, zum anderen blieben ihnen verschiedene Archive verschlossen, wie Wildt weiß. In Ungarn habe nämlich die Diskussion über diesen Abschnitt der eigenen Geschichte noch gar nicht begonnen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.04.2002
Die Geschichte der Ermordung der ungarischen Juden, die als die umfangreichste Vernichtungsaktion des Holocaust gilt, wurde in den 60er und 70er Jahre viel erforscht - und dann ad acta gelegt, wie Thomas Sandkühler einführend berichtet. Die beiden ausgewiesenen Holocaust-Forscher Christian Gerlach und Götz Aly haben nun - mithilfe von neuen Dokumenten aus Ungarn und Israel - vernachlässigte Aspekte dieser Geschichte aufgearbeitet. Bemerkenswert an ihrer tadellos recherchierten und zurückhaltend dargelegten Arbeit ist der Akzent ihrer Untersuchung, so Sandkühler, der auf der Interaktion zwischen Ungarn und Deutschen, ungarischen Juden und ungarischen Nichtjuden liege. Ohne die aktive Mithilfe der ungarischen Behörden, ohne eine eigenständige antisemitische Politik in Ungarn wäre diese große Vernichtungsaktion gar nicht möglich gewesen, fasst Sandkühler Gerlach/Alys Arbeitsergebnisse zusammen. Außerdem wendeten sich die Autoren entschieden gegen die allgemeine Auffassung, Deutschland habe mit der Ermordung der ungarischen Juden um der Ideologie willen gegen eigene Interessen verstoßen. Stattdessen ging es darum, das Arbeitskräftepotenzial gerade gegen Kriegsende aufzustocken.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.03.2002
Den beiden Autoren ist ein "eindrucksvolles Buch" gelungen, bemerkt der Rezensent Arpad von Klimo am Ende seiner Besprechung. Sie zeigten, dass die Ermordung der ungarischen Juden nicht allein Angelegenheit der "deutschen Mordindustrie" gewesen sei, sondern auch aktiv durch den ungarischen Staat gefördert wurde, ohne dabei jedoch die deutsche Verantwortung in irgend einer Weise zu relativieren. Die Stärke des Buches liegt für Klimo in dem Versuch, eine komplexe Erklärung zu liefern, die sich nicht allein auf das Motiv Antisemitismus beruft, sondern auch militärische und ökonomische Hintergründe mit einbezieht. So werde deutlich, dass schon lange vor der Ermordung der ungarischen Juden eine Entrechtung und Aussonderung der jüdischen Bevölkerung Ungarns stattfand. Auch hätte es in Ungarn nach dem Ende des Ersten Weltkrieges eine ähnliche Dolchstoßlegende wie in Deutschland gegeben, die den Juden die Schuld an der Aufteilung des Ungarischen Königreichs zuschrieb. Insgesamt sei es den Autoren gelungen, die sich hinter diesem Verbrechen verbergende Geschichte anhand zahlreicher Beispiele besser zu verstehen.
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