Sandra Horn ist Journalistin. In Bukarest soll sie den Ableger einer Frauenzeitschrift gründen. Dort fängt sie mit dem Anwalt Marcel eine Affäre an, obwohl dessen Frau ihre beste Freundin war. Sandra taucht in die geheime Vergangenheit ihrer und Marcels Familie ein, in das Bukarest der 30er Jahre, in die Tangomusik und die Literatur jener Zeit. Und sie erfährt, dass die alten Konflikte andauern und ihr Leben verändern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.08.2011
Eher verwirrt als betört ist Jörg Aufenganger von Richard Wagners Roman über eine Femme fatale im Intrigengespinst der Ceausescu-Diktatur. "Groß und exemplarisch gescheitert" sei Wagner an den Geschichts- und Beziehungskonstruktionen seines Buchs "Belüge mich". Eine Tangobar in Bukarest ist der Dreh- und Angelpunkt dieses Romans, wo die männermordende Loretta Luca in den 30er Jahren ihr Unwesen trieb. Als die rumänischstämmige Journalistin Sandra Horn nach der Wende in ihr Land zurückkehrt, stößt sie auf ein Buch über die legendären Vampirin und entdeckt die wahre Geschichte ihres Großvaters. "Sag mir die Wahrheit" diesen Refrain eines Tango-Songs wünscht sich auch Jörg Aufenganger, der vor lauter Komplott und Blicken in den Vergangenheit den Überblick verloren hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.04.2011
Dass dieser Roman von Richard Wagner über die schuldhaften Verstrickungen der Väter und Vorväter in die Geschichte Rumäniens nicht von der politischen Kolportage lassen kann, findet Volker Breidecker ärgerlich. Den Sarkasmus des Autors angesichts einer weiterhin schuldbeladenen Gegenwart, würde er dem Buch lieber ersparen. Denn die Handlung ist zu kompliziert und zu ernst, die sprachliche Umsetzung durch Wagner zu kunstvoll, als dass sich Breidecker durch Polemik davon ablenken lassen wollte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2011
Lena Bopp zeigt sich von der Geschichte um Sandra Horn, die für ihren deutschen Verlag eine Frauenzeitschrift in Bukarest gründen soll und dort auf ein Stück ihrer eigenen, verstörenden Familiengeschichte stößt, sehr beeindruckt. Wie der Autor das raunende Stimmengewirr seiner Protagonisten inszeniert, die Opfer und Täter wechselnder Regimes und des rumänischen Geheimdienstes sind und in deren Mittelpunkt Sandras Großvater steht, haben Bopp tief getroffen. Dabei pflege Wagner durchgängig leise, ohne Anklage oder Wut vorgebrachte Töne, die umso eindringlicher wirken, wie die Rezensentin findet. Sie gibt zu, dass die Lektüre nicht immer leicht und mitunter durchaus quälend ist, zeigt sich aber von der Virtuosität, mit der der Autor die Stimmen der Vergangenheit zu Gehör bringt, tief beeindruckt.
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