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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Irena Brezna gibt Menschen eine Stimme, die entwurzelt sind, sich an Traditionen klammern oder mit ihnen brechen, ihr Leben meistern oder darum bangen müssen. Im Porträt einer Tschetschenin, die den Westen aufrütteln will, in den Reportagen über eine polnische Goralenhochzeit, über Bauern und Nonnen in Siebenbürgen oder Moldawien und über Flüchtlinge aus dem Kosovo, in grotesken Skizzen und Tagebuchnotizen variiert sie ihr Grundthema Heimat und Fremde. Ihre faktenreichen und wahrhaftigen Texte, die über den Realismus der Details und des Alltags hinausweisen, erschließen die Fülle und Vielfalt der Dinge und ermutigen zu Freiheit und Menschlichkeit.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.11.2003
Zwei Grundgefühle entdeckt Rezensent Andreas Oplatka in den Texten der Journalistin und Essayistin Irena Brezna, die als junges Mädchen aus der Tschechoslowakei 1968 in die Schweiz fliehen musste: die Heimatlosigkeit und die Auseinandersetzung mit zwei Sprachen. Vor allem gehe es der Autorin darum, "den Westeuropäern den so nahen und zumeist doch so unbekannten östlichen Teil unseres Kontinents zu vermitteln". Das Spektrum der im vorliegenden Band versammelten Texte reicht von persönlichen Alltagsnotizen über satirische sprachliche Spielereien bis zu leidenschaftlichen Berichten aus dem vom Krieg heimgesuchten Tschetschenien, berichtet Oplatka. Dabei ergreife Brezna stets Partei für die Unbeachteten und Vergessenen. Die politische Analyse ist nach Ansicht Oplatkas zwar nicht Breznas Stärke. Dennoch überzeugen ihn ihre Argumente durch die "Anschaulichkeit des Geschilderten". Mit der Neigung der Autorin, politisches und kriegerisches Geschehen nach psychologischen Denkmustern zu deuten, kann Oplatka allerdings nicht viel anfangen. Auch, dass sie sich oft der eigenen Person widmet, missfällt ihm gelegentlich. Das ändert jedoch nichts an dem Respekt, den er vor Breznas Engagement empfindet.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003
Dass die Idee der Heimat seit längerem "in schlechtem Ruf steht", konnte Irena Brezna nicht davon abhalten, sich seit zwanzig Jahren mit eben dieser Idee zu beschäftigen, schreibt ein erfreuter Karl-Markus Gauß. Für Brezna sei Heimat "kein Besitzstand, sondern eine spezifische Begabung, sich die Welt anzueignen". Ihre Reportagen, die nun in einem Sammelband erscheinen, hat der Rezensent mit merklicher Begeisterung gelesen. Breznas Blick auf Osteuropa, den Balkan und den Kaukasus verschränke auf sehr anregende Weise Informationen mit Eindrücken von Menschen und Landschaften. Dabei scheue sie sich nicht, mit glasklarem Blick auf "die rohe Gewalt, die Grausamkeit, das Leid" zu schauen, so dass es der Leser zum Teil "kaum erträgt". Doch für Gauß ist es nicht nur diese "schmerzwache Genauigkeit", die Breznas Kunst ausmacht. Vielmehr spreche sie nie als "Chronistin des Elends", sondern als "Emphatikerin der Freundschaft", die sich fernab von jeglicher Armutsromantik einen Blick bewahrt habe für "Schönheit, Würde und Glück" der Menschen. Den Reportagen vorangestellt, so Gauß, sind einige Texte, in denen Brezna die "Frage von Heimat und Fremde" aufwirft, auf ihre ganz eigene, zugleich "grundsätzliche" und "persönliche" Art.
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