Verstehen ist eine Auseinandersetzung mit dem, was wir nicht verstehen, ein Sich-Abarbeiten an den Grenzen des Sinns. Die Vermessung des Raums des Verstehens orientiert sich an drei Leitfragen. Zum einen fragt sie nach den Gegenständen und Formen des Verstehens. Sie fragt danach, inwiefern Sprache die Grundlage von Sinn und Verstehen bildet - oder auch außersprachliche Äußerungen (Gesten, Bilder, Musik) einen verstehbaren Sinn haben. Zum anderen untersucht sie die Formen, in denen uns das Andere des Sinns begegnet: als Nichtsinnhaftes und Fremdes, als Unverständliches, Sinnloses und Widersinn. Schließlich geht es um das Wechselverhältnis zwischen Verstehen und Sichverstehen. Der Mensch ist nicht nur das verstehende, sondern das sich über sich selbst verständigende Wesen, das auch im Verstehen seiner selbst mit Lücken des Sinns und Grenzen des Verstehens konfrontiert ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.09.2010
Jochen Hörisch hat mit Gewinn zwei Bücher über Hermeneutik und Posthermeneutik gelesen. Emil Angehrn lehnt sich in seiner Studie an Hans-Georg Gadamers Standardwerk zur Hermeneutik "Wahrheit und Methode" an, um diesem eine immense "Verdichtung" widerfahren zu lassen, wie der Rezensent erfreut feststellt. Der neue Aspekt, dem Angehrn in seiner Studie nachgeht, liegt darin, dass "jedes Verstehen des Menschen" auf eine unhintergehbare "Lücke im Sein" stößt, wie der Rezensent zustimmend zitiert. Nicht recht einsehen kann der Literaturwissenschaftler und Medienwissenschaftler Hörisch, dass der Autor genauso wie Dieter Mersch, dessen Text "Posthermeneutik" er als anregend "komplementär" gelesen hat, so gar keine Texte oder Kunstwerke zur Interpretation heranzieht.
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