Menschen sind Wesen, die etwas verstehen (oder missverstehen) können. Das Buch behandelt die Grundlagen einer allgemeinen Theorie des Verstehens und der Interpretation. Eine Reise durch Formen hermeneutischer Reflexion führt von den Verfahren der Allegorese über die Hermeneutica generalis der Neuzeit bis zur Analytischen Philosophie der Sprache und der Philosophischen Hermeneutik H.-G. Gadamers. Bei allen Diskontinuitäten wird seit dem 17. Jahrhundert ein zusammenhängendes Projekt erkennbar, das die Bezeichnung "allgemeine Hermeneutik" verdient. Im zweiten Teil wird der Status allgemeiner Interpretationsprinzipien geklärt. Im dritten Teil wird am Beispiel des Sprachverstehens vorgeführt, wie die Untersuchung zentraler Verstehensformen vonstatten gehen kann. Am Leitfaden des Verstehensbegriffs wird eine Neuorientierung der Sprachphilosophie vorgenommen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.11.2000
Voll des Lobes für dieses Buch ist Rezensent "Mitt." Wer bisher geglaubt habe, schreibt er, Hermeneutik sei vor allem made in Heidelberg, der werde hier eines Besseren belehrt. Mit der Dreiteilung (ein Teil Geschichte, zwei Teile Systematik) der Untersuchung scheint der Rezensent ebenso zufrieden zu sein wie mit ihrer Verständlichkeit. Dass der Autor mit "stupender Gelehrsamkeit" ans Werk geht, verspricht also reinen Genuss und muss niemanden abschrecken. Wer sich gar ernsthaft mit hermeneutischen Fragen befasst, meint "Mitt.", der braucht dieses Buch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2000
Diese Habilitationsschrift gliedert sich in drei Teile, so Wolfgang Kersting: Erst kommt ein "hermeneutikgeschichtlicher Zettelkasten" der jeden Philosophen aufführt, der sich seit Aristoteles zum Verstehen geäußert hat. Nur Heidegger vermisst der Rezensent, der erst mal vorgibt, Verständnis für diese Lücke zu haben: Für "transzendentalphilosophische Völlerei" oder "fundamentalontologisches Prassen" - wofür sich Heidegger offenbar recht gut eignet - hat Scholz nämlich keinen Sinn, erklärt Kersting. Die Frage `Wie ist Verstehen möglich?` beantworte Scholz ausschließlich analytisch. Nachdem Kersting die Thesen des Autors aus dem zweiten und dritten Teil vorgestellt hat - wir hoffen, dass wenigstens Hermeneutiker sie verstehen - bricht plötzlich ein Gewitter los: "sprachanalytische Kalorienzählerei", "uneleganter Formalismus", "Präzisionstrivialismus" wecken den Leser der Rezension unsanft aus seinem Nickerchen. Warum besteht die FAZ darauf, eine Habilitationsschrift zu besprechen, die selbst der Rezensent "langweilig" findet? Wenn die Hermeneutik solche Fragen nicht beantwortet, kann sie uns gestohlen bleiben.
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