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zuletzt aktualisiert 09.02.2012, 20.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Juan Rulfo

Pedro Paramo

Roman

Cover: Pedro Paramo

Carl Hanser Verlag, München 2008
ISBN-10 3446230661
ISBN-13 9783446230668
Gebunden, 175 Seiten, 17,90 EUR

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Klappentext

Neu aus dem Spanischen übersetzt von Dagmar Ploetz. Mit einer Nachbemerkung des Autors und einem Nachwort von Gabriel Garcia Marquez. Comala ist ein wüster Steinhaufen inmitten einer sonnenverbrannten Einöde Mexikos. Die einen arbeiten sich zu Tode, um überleben zu können, die anderen beuten das Volk aus, betrügen, unterdrücken und morden. Pedro Paramo, Großgrundbesitzer und Dorftyrann, hat in dem heruntergekommenen Dorf "Ordnung" geschaffen. Doch die Toten geben keine Ruhe und reden in ihren Gräbern weiter von seinen Untaten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.02.2009

Merten Worthmann rühmt Juan Rulfos schmalen Roman "Pedro Paramo", den der Hanser Verlag nun 50 Jahre nach der deutschen Erstausgabe wieder aufgelegt hat, als "Meisterwerk" und zeigt sich auch mit der neuen Übersetzung durch Dagmar Ploetz vollauf zufrieden. Der mexikanische Autor, der nur ein knappes Werk geschaffen hat, das in den 50er Jahren entstanden ist, wurde von Autoren wie Borges, Onetti und Garcia Marquez verehrt und gilt als Vorreiter des "Magischen Realismus", erklärt der Rezensent. Im Roman reist Juan Precario in das Heimatdorf seiner Mutter, um seinen Vater, den grausamen Großgrundbesitzer Pedro Paramo zu suchen. Doch entpuppt sich nicht nur das Dorf als von Toten bewohntes "Geisterdorf", auch der Protagonist erweist sich als Toter, der aus dem Grab heraus spricht, fasst Worthmann zusammen. Er ist nicht nur von der erstaunlich modernen Konstruktion des Romans tief beeindruckt. Auch die äußerst knapp und in karger Sprache entworfene "Hoffnungslosigkeit", die sich in der Geschichte des Dorfes und der Protagonisten spiegelt, hat den Rezensenten berührt.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2009

Rezensent Andreas Breitenstein begrüßt die Neuübersetzung dieses schmalen Klassikers der lateinamerikanischen Literatur, die dessen Sprache neu zum Leuchten bringe. "Völlig alterlos" kommt dieses 1955 zuerst erschienene und einen Zeitraum von 1870 bis 1920 umfassende Buch nun für Breitenstein daher, bei dem es sich aus seiner Sicht um die Keimzelle dessen handelt, was später "magischer Realismus" genannt worden sei. Die archaisch-einfache Geschichte, die er als "Weg zu den Schatten" der mexikanischen Identität gelesen hat, kommt dem Eindruck des Rezensenten zufolge dennoch eher karg daher, weshalb er sich ihn kaum anders als in "schwarz-weiß" vorstellen kann. So entwächst das Magische für ihn aus der szenischen Strenge und sprachlichen Klarheit, mit der dieser Autor die Geschichte aus der mexikanischen Steppe erzählt, durch die der uneheliche Sohn des Titelhelden auf den Spuren seiner Wurzeln streift. Es geht, wie er schreibt, um einen längst verstorbenen Patriarchen und die giftigen Lüfte seiner mentalen Hinterlassenschaft, weshalb Breitenstein den Roman aber auch als Abgesang "auf die Wirkungslosigkeit der mexikanischen Revolution" gelesen hat, als Parabel auf Herremmenschentum, Größenwahn und Unterwerfung, die ihn trotzdem auch als Bekenntnis zu Schönheit und Lebenskraft begeisterte.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Dies ist der Roman, den Gabriel Garcia Marquez so oft las, bis er ihn auswendig konnte. Der Roman, dem mit gutem Grund nachgesagt wird, den "Magischen Realismus" begründet zu haben. Bei Erscheinen im Jahr 1955 wenig beachtet und als Imitation William Faulkners - den Rulfo gar nicht kannte - abgetan. Letzteres, meint Paul Ingendaay, ist trotzdem keine ganz falsche Spur. Denn eine ganz eigene Welt, die mit der unseren nicht identisch ist, die erschafft Juan Rulfo hier schon. Er erzählt vom Herren- und Unmenschen Pedro Pamaro, vor allem aber erfindet er, als Ort, an dem Pamaro lebt, das Dörfchen Comala. Hier durchdringen sich Gegenwart und Vergangenheit, die Toten sprechen und handeln und fühlen wie wir. Sprache werde diese Anderwelt nicht auf barocke, sondern auf scheinbar schlichte, hoch verdichtete, klassische Weise. Nur loben kann Ingendaay die erfahrene Übersetzerin Dagmar Ploetz, die die ein halbes Jahrhundert alte, nicht schlechte, aber eben veraltete deutsche Erst-Übersetzung "überzeugend" ersetzt.

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