Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
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Klappentext
Die Frauen lieben Adam, weil er ihnen Kleider schneidert, die sie schön und begehrenswert machen. Adam liebt schöne Frauen. Wenn sie erst seine Kleider tragen, begehrt er sie alle, und abgesehen davon liebt er Evelyn. Die ertappt ihn eines heißen Augusttages 1989 in flagranti mit einem seiner Geschöpfe. Statt mit Adam fährt Evelyn gemeinsam mit einer Freundin und deren Westcousin nach Ungarn an den Balaton. Adam setzt sich mit seinem alten Wartburg dem roten Passat auf die Spur. Für Evelyn würde er bis ans Ende der Welt fahren - und vielleicht muss er das auch, denn Ungarn will die Grenze gen Westen öffnen. Plötzlich ist die verbotene Frucht greifbar, und alle müssen sich entscheiden. In der Ausnahmesituation jenes Spätsommers 1989, dem Schwebezustand plötzlicher Wahlfreiheit, entdeckt Ingo Schulze die menschliche Urgeschichte von Verbot und Verlockung, Liebe und Erkenntnis und nicht zuletzt der Sehnsucht nach dem Paradies. Doch wo ist das zu finden? In der Verheißung des Westens, der Ungebundenheit eines endlosen Feriensommers am Plattensee oder doch im vertrauten Amtsstubenduft einer frisch geöffneten Brotkapsel und dem eigenen Garten?
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.08.2008
Einige Bewunderung zollt Rezensent Hubert Winkels dem neuen Buch von Ingo Schulze, das er besonders für seine Leichtigkeit und "erotisch entzündeten Sprechakte" lieben lernte. Wie bereits bei dem Wenderoman "Neues Leben" handelt es sich aus Winkels Sicht auch diesmal um ein "groß gedachtes und konstruiertes Wendeepos", das allerdings diesmal die Geschichte in einen "volatilen Stimmenchor" fasse. Geradezu entzückt zeichnet Winkels Skizzen von Schulzes biblisch verortetem Personal, das aus dem Paradies der "einfachen Genüsse" und "schönen Dingbeziehungen" DDR vertrieben wird, freut sich besonders am Protagonisten Adam, diesem Genussmenschen, in dem Winkels eine Mischung aus Manfred Krug und Brechts Baal erkennt, sowie der "fiebrigen Unruhe" der Pärchen am ungarischen Plattensee im Sommer 1989, die er vom "Treibstoff des Begehrens" beflügelt findet.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.08.2008
Mit viel Sympathie und Achtung, aber verhaltener Begeisterung hat Paul Jandl diesen neuen Roman von Ingo Schulze gelesen, der, wie sollte es anders sein, wieder ein Wenderoman geworden ist: Mauer- und Sündenfall treiben Adam und Evelyn aus der Behaglichkeit. Der Ost-Schneider Adam betreibt seinen Dienst an der Kundin etwas zu gern, seine Freundin Evelyn dampft frustriert nach Ungarn an den Balaton ab, und da er ihr reumütig folgt, führen die Wirren der Wende sie unversehens nach München. In den offenbar recht ausgreifenden Dialogen des Romans findet Jandl allerdings die Psychologie jener Zeit sehr subtil und sehr stimmig festgehalten. Zu einem "ins Intellektuelle gehobenen Unterhaltungsroman" wird der Roman für den Rezensenten dadurch, dass er mal kalauernd, mal "mit vollem Ernst" seinen Stoff an der biblischen Vorlage messe, wobei Jandl den Sündenfall weder im Seitensprung noch in der persönlichen Hybris entdeckt, sondern in der Entzweiung von "Ideologie und gutem Leben". Ganz menschlich wiederum findet er dann, wie Schulzes Figuren hin und her gerissen sind in der Frage nach "Ost oder West, feste Bindung oder Freizügigkeit, Entschlossenheit und Bedächtigkeit".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.08.2008
Ein wenig enttäuscht hat Rezensent Christoph Schröder Ingo Schulzes neues Buch beiseite gelegt. Zwar ist Schulze Schröders Einschätzung zufolge mit diesem, mehr als zur Hälfte aus Dialogen bestehenden Buch formal so weit wie noch nie gegangen. Trotzdem hinterließ es insgesamt beim Rezensenten ein "hohles Gefühl", weil Schulzes Authentiziätsrechnung für ihn nicht aufgeht. Die Geschichte spielt Schröders Inhaltsskizze zufolge im Sommer 1989 am ungarischen Plattensee. Protagonisten sind ein paar Ostdeutsche, darunter auch das titelgebende Paar, dessen Beziehung in einer Krise steckt. Aber da all die existenziellen Fragen dieses Sommers in Dialogform verhandelt würden, bleiben sie für Schröder oft im Banalen stecken, da Schulze seinem "plappernden Personal" selten Einhalt gebiete, was speziell Protagonistin Evelyn unfreiwilig ins Unsympathische kippen lasse. Insgesamt erscheint dem Rezensenten die Präsentation der Themen jener Wochen als "kleine, leicht konsumierbare, beinahe privatistischen Kapitelhäppchen" nicht angemessen. Nur gelegentlich sorgt doch so etwas wie Dialogwitz für kurze Glücksmomente.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.08.2008
Makellos findet Ijoma Mangold den neuen Roman von Ingo Schulze. Was dieser Erzähler mit dem Gespür für deutsch-deutsche Mentalitäten nach '89 hier an Themen und Motiven auffährt und wiederum als Kombination aus individueller und Weltgeschichte serviert, lässt Mangold den Mund offen stehen. Nicht zuletzt auch, weil er die Story über den phlegmatischen DDR-Damenschneider Adam und dessen Versuch, seine Beziehung zu Evelyn zu retten, während die Mauer fällt, so zügig runtergelesen hat, als wäre es nichts. Nichts aber ist es ganz und gar nicht, lässt Mangold durchblicken, der sich nur nicht entscheiden kann, welchen Teil er turbulenter findet, Schulzes Weltgeschichte oder die Beziehungkiste. Schuld an Mangolds Unentschiedenheit ist Schulzes Klasse als Erzähler, die, durchaus im Unterschied zu früheren Romanen, wie Mangold feststellt, in diesem Buch wirksame höchst kontrollierte und ökonomische Plotkonstruktion. Doch egal auf welche Weise dieser Autor es anfängt, seine Texte erscheinen Mangold großartig.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.08.2008
Ganz warm geworden scheint Rezensentin Katrin Hillgruber mit Ingo Schulzes neuem Roman "Adam und Evelyn" nicht, ein dezidiertes Urteil versagt sie sich allerdings. Deutlich werden aber die Sympathien, die sich für den Stilisten Schulze hegt. Natürlich erzählt Schulze eine Wendegeschichte. Sie beginnt im August 1989, der Schneider Lutz, genannt Adam, muss seiner aufgebrachten Freundin Evelyn an den Plattensee folgen, sie hat ihn mit einer anderen erwischt, und weiter in den Westen. Während Evelyn dort ankommt, geht Adam im "Kältestrom der Geschichte" unter, zumindest deutet Hillgruber einen "erschütternden Deprivationsprozess mit offenem Ende" an. Und was ist das nun für ein Roman? Laut Hillgruber "über weite Strecken ein biederer Dialogroman" mit viel Senf und geviertelten Gurken, ein wenig Roadmovie und etwas "teutonische Tragikomödie".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.08.2008
Einen zwiespältigen Eindruck hat Ingo Schulzes neuer Wenderoman bei Rezensent Oliver Jungen hinterlassen. Einerseits wirkt "Adam und Evelyn" auf ihn wie ein "lockeres Pendant" zu Schulzes Wendechronik "Neue Leben". Besonders rühmt er die glänzenden Dialoge, die formal den größten Teil des Buchs ausmachen, sowie die wunderbaren Figuren, die er für "höchst liebenswert" hält. Andererseits findet er das Buch dann so locker auch wieder nicht. Ihm kommt es vor, als schnüre Schulze eine schöne, luftige, an Truffauts "Jules und Jim" erinnernde Liebesgeschichte in ein "Theoriekorsett" - mit zahlreichen Anspielungen auf die biblische Mythologie und einer Handlung, die sich im Symbolischen verliere, wodurch dem Werk der Atem genommen wird. "Würde der Autor nicht unbedingt Soziologe und Sozialist sein wollen", urteilt Jungen, "er hätte einen wunderbaren, überzeitlichen Dialogroman über die Liebe geschrieben."
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