Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Russischen von Natascha Wodin. "Mein Name ist Sascha Saweljew. Ich gehe in die zweite Klasse und wohne bei meinen Großeltern. Meine Mutter hat mich gegen einen Giftzwerg und Erbschleicher eingetauscht und meiner Großmutter aufgebürdet, für die ich ein schweres Kreuz bin." Wie einem bösen Märchen entsprungen erscheint Sascha diese Großmutter, mit ihren wilden Flüchen und der salatgrünen Unterhose, ihrer tyrannischen Fürsorge und der unerklärlichen Wut auf die ferne Mutter, das "Flittchen". Saschas Welt besteht aus Verboten, Wollstrumpfhosen, merkwürdigen Badeprozeduren und dem Staphylococcus aureus, der angeblich in seinem Körper wütet. Bald ist er selbst überzeugt, dass er mit 16 verfault sein wird und im Jenseits landet, oder doch eher in dem großen Müllschlucker in der Küche, in dem alle Geschenke der geliebten Mutter verschwinden. Das Glück ist die Mutter, die selten zu Besuch kommt, das Leben ist die Großmutter, und das eine scheint das andere auszuschließen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2007
Pawel Sanajews Kindheitsroman "Begrabt mich hinter der Fussleiste" ist Rezensentin Ilma Rakusa sichtlich nahe gegangen. Die Schilderung des Schicksal des ungefähr elfjährigen Sascha, der seiner Mutter mit vier Jahren weggenommen wurde und bei der psychsich gestörten Großmutter aufwächst, die ihm das Leben zur Hölle macht, empfindet sie als düster, grausam und beklemmend, nicht zuletzt weil der Roman größtenteils aus der kindlichen Perspektive erzählt wird. Rakusa sieht in dem Werk ein "abgrundtiefes freudianisches Drama", ist Sascha doch nur ein Spielball im erbitterten Machtkampf zwischen der vom Hass auf ihre Tochter erfüllten Grossmutter und seiner Mutter, in dem er zwischen den Fronten zerrieben und von Loyalitätskonflikten gequält wird. Eine der Stärken des Romans ist für sie, dass Widersprüche nicht psychologisch aufgelöst werden, sondern in ihrer "Schmerzlichkeit, ja Ungeheuerlichkeit" stehen bleiben. Beeindruckt hat sie auch der unsentimentale Stil des Romans, der im Kern um Themen wie Schuld, Scham, Todesangst und Liebessehnsucht kreist. Mit Lob bedenkt sie schließlich die "stimmige" Übersetzung von Natascha Wodin.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.04.2007
Wiebke Porombka hat drei neue Kindheitsgeschichten gelesen, in denen alles andere als romantische Idylle herrscht, was aber vielleicht gerade ihre Erzählkraft ausmacht, wie sie vermutet. Der Debütroman von Pawel Sanajew erzählt von der Kindheit des 9-jährigen Sascha, der bei seinen Großeltern aufwächst und dort einer Mischung aus wahnhafter Überbehütetheit und groben Beschimpfungen ausgesetzt ist. Die Rezensentin gibt freimütig zu, dass sie mitunter Tränen vergossen hat angesichts des Elends, das der russische Autor vor seinen Lesern entfaltet. Allerdings lasse Sanajew als versierter Drehbuchautor, der er ebenfalls ist, die schreckliche Szenerie immer wieder in groteske "Slapsticks" mit rasantem Erzähltempo umschlagen, so die Rezensentin amüsiert und erleichtert. Vor allem glückt es dem Autor, in dem Kindheitshorror die Machtstrukturen in der Familie der alten Sowjetunion abzubilden, so Porombka fasziniert.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Homer: Die Odyssee
Die "Mutter aller Erzählungen" - in der Prosafassung von Christoph Martin, erzählt von Dieter ...
Jan Philipp Reemtsma: Vertrauen und Gewalt
Warum sich die Soziologie mit den Phänomenen der Gewalt so schwer tut, ist eine der zentralen Fragen, mit ...
Archiv: Bücherschauen
Dressierte Geschichten über dressierte Gefühle
09.02.2012: Großes Ereignis: Peter Nadas' Jahrhundertroman "Parallelgeschichten" liegt vor und beendet damit das Sandkastenspiel der bürgerlichen Literatur. Die Zeit ist überwältigt. Auch Christian Krachts Roman "Imperium" über den Begründer eines Kokusnussreichs kommt bei ihr sehr gut an. Die FAZ liest Hanna Kralls Erinnerungen "Rosa Straußenfedern". Die NZZ lernt in Bernd Stieglers "Belichtete Augen" alles über die Wunder der Optografie. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








