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Wolfgang Kraushaar, Jan Philipp Reemtsma, Karin Wieland
Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF
Klappentext
Mit drei Essays: Wolfgang Kraushaar - "Rudi Dutschke und der bewaffnete Kampf". Karin Wieland - "a.". Jan Philipp Reemtsma - "Was heißt 'die Geschichte der RAF verstehen'?"
Der "idealisierte Rebell" und der "Dandy des Bösen" - beide sind unzweifelhaft Schlüsselfiguren gewesen. Ohne den einen wäre die 68er-Bewegung und ohne den anderen die RAF nicht zu verstehen. Und der eine wie der andere figurieren inzwischen als Objekte einer postumen Bewunderung. Obwohl sich Dutschke und Baader in ein- und derselben historischen Strömung bewegt haben, so schienen sie als Personen und in ihren jeweiligen Rollenfunktionen doch diametral entgegengesetzt zu sein. Während der eine als Verkörperung einer "neuen Moral" galt, so der andere die des infernalisch Bösen. Eine größere Polarisierung war seinerzeit wohl kaum denkbar. Dennoch existiert ein Zusammenhang, der sie miteinander verbindet. Beide setzten kompromißlos auf den Kampf, auf eine Strategie der Eskalation und beide besaßen eine obsessive Affinität zur Gewalt.
Dutschke ist der erste gewesen, der hierzulande die Idee von der Stadtguerilla aufgriff - bereits lange vor dem Ausbruch der Studentenrevolte. Und Baader war derjenige, der sich nach ihrem Ende wie kein anderer als ein solcher städtischer Guerillero begriff. Wer die Geschichte der RAF verstehen will, der kommt deshalb nicht an dieser lange Zeit übersehenen Beziehung vorbei.
Diejenigen, die unter dem fünfzackigen Stern und der Maschinenpistole als »Rote Armee Fraktion« antraten, waren alles andere als fehlgeleitete Idealisten. Sie waren Desperados. Ihnen ging es - ganz im Gegensatz zu ihren Deklarationen - nicht um irgendein politisches Konzept, über das sie gar nicht verfügten, ihnen ging es im Kern um die Befriedigung eines narzißtischen Bedürfnisses. Nicht Ohnmachts-, sondern Machterfahrungen sind für sie maßgeblich gewesen. Die obsessive Machtausübung wurde ihnen, zuerst im Untergrund, dann im Knast, zu einer Art eigener Lebensform. Ohne deren Attraktivität zu begreifen, lassen sich auch die affektiven Beziehungen der radikalen Linken zu ihr nicht verstehen. Und ohne diesen Kitt lässt sich auch die Geschichte der RAF nicht verstehen und noch weniger ihre mythologische Aufladung. Es ist an der Zeit, sich endlich von jener so überaus klebrigen Beziehung zu verabschieden, die den Gefühlskitsch vom bewaffneten Kampf selbst nach der Auflösung der RAF noch am Leben erhalten hat, und einen veränderten, einen kühlen Blick auf jene terroristische Herausforderung zu werfen, die - im nachhinein kaum vorstellbar - über so viele Jahre hinweg Staat und Gesellschaft in Atem zu halten verstand.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.04.2005
Unklarheit und einen Mangel an begrifflicher Schärfe lastet Rezensent Rainer Stephan diesem Band mit drei Texten von Wolfgang Kraushaar, Karin Wieland und Jan Philipp Reemtsma an, denen es um eine intellektuellen und politischen Bewertung des RAF-Terrors geht. Tatsächlich passt ihm das ganze Buch nicht. Dem Beitrag Kraushaars über den Einfluss Dutschkes auf die RAF wirft Stephan vor, seine beiden abschließenden Thesen, die er nach etlichen Vergleichen zwischen theoretischen Aussagen vor allem des frühen Dutschke einerseits und Theorie und Praxis der RAF andererseits präsentiert, seien "nicht miteinander vereinbar". Generell zeichnet sich Kraushaars Text für Stephan negativ durch seine Verschwommenheit seiner Begrifflichkeit und Argumentation aus. Mit Wielands "wohl literarisch gemeintem" Text, der von einer "höchst merkwürdigen Fixierung auf die weiblichen 'Opfer' Andreas Baaders" zeuge, kann Stephan gar nichts anfangen. Und Reemtsmas Beitrag erscheint ihm schließlich wie ein "harmlos-kabarettistische Abrechnung mit einem Psychoanalytiker" - gemeint ist Horst-Eberhard Richter, der sich mit der Biographie eines RAF-Mitglieds befasste.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2005
Drei Werke in einem. Zunächst eine Studie von Wolfgang Kraushaar über Rudi Dutschkes Gewaltbereitschaft. Kraushaar widerlegt - oder versucht zu widerlegen - Erich Frieds schöne Mär vom christlichen Friedensbringer Dutschke, der auch Ulrike Meinhof von ihrem mörderischen Weg hätte abbringen können. Dutschke selbst plante mit dem Schah-Kritiker Bahman Nirumand, Sendemasten des amerikanischen Militärs in die Luft zu sprengen. Allerdings flog er auf. Die Polizei hatte Wind von der Sache bekommen. Danach war eine Kooperation mit dem italienischen Verleger Feltrinelli angedacht, doch Feltrinelli kam nicht so glimpflich davon: er kam ums Leben. Dutschke selbst grenzte sich später von den Aktivitäten der RAF durch den Hinweis ab, er habe Gewalt stets nur gegen Sachen richten wollen. Jan Philipp Reemtsma tadelt in seinem Beitrag Horst Eberhard Richter. Der Psychoanalytiker habe eine verharmlosende Sicht auf die RAF-Terroristin Birgit Hogefeld. Während diese beiden Texte die Zustimmung von Rezensent Lorenz Jäger finden, vermag ihn Karin Wielands Studie über den "Narziss und Dandy" Andreas Baader und seine Liaison mit Gudrun Ensslin, die später bereichert wird durch Ulrike Meinhof, nicht zu überzeugen. Bemerkungen wie: "Baaders Geheimnis seiner Macht über Frauen ist, dass er deren phallische Wünsche ernst nahm" lassen ihn ratlos zurück.
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