Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Paul Berman
Terror und Liberalismus
Klappentext
Am Anfang steht eine Frage: Was treibt den islamistischen Terror an? Ist es der "Kampf der Kulturen" oder der "Aufstand der Unterdrückten"? Paul Berman begibt sich auf eine ungewöhnliche Spurensuche. Sie führt ihn nach Europa, in den dunkelsten Teil seiner Geschichte. Und hier macht er eine Entdeckung, die beunruhigt: Islamismus und totalitäres Denken haben im Kern etwas gemeinsam, denn beide vollziehen den Aufstand gegen die Moderne, gegen den permanenten Wandel, gegen Vielfalt und Kommerz. Beide sehnen sich nach der großen Einheit, der alles vereinnahmenden Ordnung. Beide sind bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen. Am Ende steht wieder eine Frage: Wie geht die moderne Gesellschaft damit um?
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.05.2004
Paul Berman tritt an wie ein konservativer Berater der Bush-Regierung, und doch ist er eigentlich ein Liberaler, wundert sich Herfried Münkler. Berman geht es um die Verteidigung der Demokratie gegen die Bedrohung durch den Islamismus, und er greift auf ein beliebtes Mittel zurück, das Münkler als sehr ambivalent empfindet: das der historischen Analogie. Pausenlos vergleiche Berman die heutige Lage mit der Situation in den dreißiger Jahren, als die französischen Sozialisten aufgrund ihrer pazifistischen Grundüberzeugung ein Vorgehen gegen das nationalsozialistische Deutschland verweigerten. Ein solches Denken in historischen Analogien ist attraktiv, aber gefährlich, findet Münkler. Verführerisch sei es deshalb, weil es Orientierungshilfen in einer unüberschaubaren Situation biete. Riskant wiederum ist das Analogieverfahren, weil es falsche Schlüsse zulasse. Für Münkler ist die Analogisierung zwischen dem Kriegsende in Deutschland und der Befreiung des Irak ein solcher falscher Analogieschluss. Interessant ist Bermans Buch solange, räumt Münkler ein, wie sich der Autor als historischer Spurenleser verstehe. Ansonsten überwiege bei Berman ein Wunschdenken, das die Außenpolitik seines Landes frei von Realpolitik sieht.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.04.2004
Dieses Buch des amerikanischen Journalisten Paul Berman ist als Reaktion auf die Anschläge des 11. September entstanden und stellt den Versuch dar, die "Bedeutung" dieses schrecklichen Terrorakts zu verstehen, erklärt Ulrich Speck. Der Autor deute den 11. September als "Menetekel" im langen "Kampf zwischen Liberalismus und Totalitarismus", so der Rezensent weiter, der Berman als "linken Intellektuellen" und dabei als Befürworter des Irak-Kriegs vorstellt. Berman zeichnet die Geschichte des "antiliberalen Denkens im 19. Jahrhundert" nach und bemüht sich um eine "kohärente" Deutung der islamistischen Bewegung, so Speck. Vor allem letzteres sei die "Stärke" des vorliegenden Buches. Wenn der Rezensent auch bemängelt, dass Berman diese Kohärenz mitunter auf "Kosten" einer differenzierten Betrachtungsweise gehen lässt und er besonders die "mangelnde Unterscheidung zwischen Islamismus und Baathismus" kritisiert, preist er den Band dennoch als "ungemein anregend", besonders für diejenigen, die an den "Hintergründen der islamischen Herausforderung" Interesse haben.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.03.2004
Auch wenn er seine Argumente manchmal etwas überstrapazieren, "mit einer flotten Handbewegung abtun" kann man Paul Bermans "wuchtige" Streitschrift nicht, meint Robert Misik. Berman, ein "unorthodoxer" Linker, der heute eher den Neokonservativen nahe steht, verdamme in einem "schneidig-spöttisch-verachtenden Tonfall, wie man ihn nicht selten bei Konvertiten findet", die Appeasement Politik der europäischen Linken wie der amerikanischen Demokraten. Für Berman sind sie "Komplizen", die den islamistischen Fundamentalismus nicht ernst genug nehmen und damit gefährlich unterschätzen. Trotz aller Polemik, trotz der "grellen Farben" ein "tiefsinniges, kluges und äußerst kenntnisreiches" Buch über die islamistische Herausforderung und die Frage, wie eine modernisierte Linke adäquat darauf reagieren kann, findet unser Rezensent.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Peter Nadas: Parallelgeschichten
Aus dem Ungarischen von Christina Viragh. 1989, im Jahr des Mauerfalls, findet der Student Döhring beim Jogging ...
Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner
Geborene Diebe und Lügner, Gefährten des Satans, Waldmenschen, unzähmbare Wilde, eine Bande von ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








