Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
John Gray
Die Geburt al-Qaidas aus dem Geist der Moderne
Klappentext
Aus dem Englischen von Ulrike Becker. Der Angriff auf das World Trade Center hat auch die Grundüberzeugung des Westens erschüttert, seinen herrschenden Mythos: Modernität. Den Glauben an die Aufklärung, den Glauben daran, dass Wissenschaft und technischer Fortschritt, freie Marktwirtschaft und Demokratie zu globalem Wohlstand und Frieden führen. John Gray zeigt in diesem Buch, wie wirklichkeitsfern und gefährlich dieser Glaube ist. Der islamistische Terror ist keineswegs ein Rückfall in mittelalterliche Methoden oder Vorbote eines dem Westen drohenden Kampfes der Kulturen. Auch mit Rückständigkeit hat er nichts zu tun, denn Osama bin Ladens Netzwerk ist so modern wie der Westen, ein Nebenprodukt der Globalisierung. Und al-Qaida wird nicht die letzte Gruppe sein, die die Produkte der modernen Welt für ihre eigenen monströsen Zwecke nutzt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2004
Rezensent Wilfried von Bredow zählt den Autor dieses Buches zu jenen Intellektuellen, die bei der kollektiven geistigen Verdauung des 11. Septembers behilflich sein wollen. John Grays ideengeschichtliche Rekonstruktion mache aus dem al-Qaida-Terrorismus einen Nachfahren des europäischen Anarchismus vor dem Ersten Weltkrieg, fasst der Rezensent die Kernthese der Überlegungen zusammen. Die besondere Eile jedoch, mit der John Gray seine Schlüsse gezogen habe, ist offensichtlich nicht ohne gewisse inhaltliche Mängel zu haben gewesen. Manche philosophische Verknüpfungen bleiben für den Rezensenten zu lose. Einige historische Verweise seien schlicht falsch, stellt er fest. Auch gefällt ihm nicht, dass manche "allenfalls rundum erneuerte These" von Gray mit Verve als völlig neue Einsicht etikettiert wird, dass Bredow gelegentlich sogar schwindelig geworden ist, wie er wissen lässt. Einen Vergleich findet er schließlich so absurd, dass die wissenschaftsgeschichtliche Ahnungslosigkeit, mit der Gray zu Werke ging, für den Rezensenten fast schon ein Ausdruck von Brillanz ist: in der Kunst des Zurechtbiegens nämlich.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.04.2004
Nicht wirklich begeistert zeigt sich Rezensent Martin Meyer in seiner Besprechung von John Grays Essay über Fundamentalismus und Aufklärung. Zwar schätzt er den Ideenhistoriker Gray und seine "eingängige Prosa", kann aber in dessen neuem Essay keine "echten Perspektiven" entdecken. Eingehend referiert er Grays kritische Auseinandersetzung mit der Moderne, die der Autor vor allem als Versuch der Selbstermächtigung des Menschen gegen die Natur und religiös-theologische Bevormundung beschreibt, für die Fortschritt durch Technik das Zauberwort ist. Am Beispiel von Kommunismus, Nationalsozialismus und dem radikalen Islam sucht Gray den kriegerischen Fundamentalismus aus einem für die Moderne spezifischen Geist der großen Machbarkeit zu erklären. Dass sich der Terrorismus seine Waffen nach den Möglichkeiten des Fortschritts schmiedet, hält Meyer für ein "banales Faktum". Beunruhigender findet er, "dass die letzten Überzeugungen der Agenten des Schreckens in der Vormoderne zusammenlaufen." Für ihn nährt Grays Essay letztlich nur die Melancholie, "dass der Streit der Werte vergeblich wäre."
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.03.2004
Robert Misik "langweilt" John Grays Essay über den islamistischen Terror und seine Wurzeln in der westlichen Moderne. Al Qaida als Produkt des Westens, diese Grundthese kann Misik nicht lange faszinieren. Denn das Ganze werde so "verschwurbelt und unausgegoren" präsentiert, "dass es wehtut". Durchaus "pointenreich" beschreibe der Wirtschaftsprofessor zwar die Entwicklung von einem teils übersteigerten Positivismus des 19. Jahrhunderts über den daraus resultierenden Totalitarismus des 20. Jahrhunderts bis hin zu der immer radikaler werdenden Abwehr der Moderne in den vergangenen Jahrzehnten, aber seine Einsicht daraus - alles ist modern, Moderne und Antimoderne - ist "so wahr, das es schon wieder banal ist", beklagt sich Misik.
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