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Karl-Markus Gauß
Die Hundeesser von Svinia
Klappentext
Svinia, ein Ort im Osten der Slowakei, in der Erweiterungszone der Europäischen Union; und ein Ort, wie aus der Zeit und der Welt gefallen. Dort leben die Ausgestoßenen unter den ärmsten der Europäer, Roma, die so lange umgesiedelt, verfolgt, missachtet wurden, bis sie ihre eigene Geschichte vergaßen. Die 700 in Svinia lebenden Menschen werden selbst von den anderen Roma verachtet, weil sie als Degesi, als "Hundeesser", gelten und eine Kaste der Unberührbaren bilden. Von dieser fremden, nahen Welt berichtet dieses Buch, mit dem uns Karl-Markus Gauß aufs Neue das Staunen über Europa lehrt.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.04.2004
Die Ostslowakei gehört zur so genannten Erweiterungszone der Europäischen Union, weist uns Ursula Pia Jauch hin und ruft aufgeregte Zeitungsartikel in Erinnerung, die von Plünderungen und marodierenden Zigeunerbanden berichteten. Fest steht, bestätigt Jauch, dass in dieser Region "die Ärmsten der Armen" Europas leben, vor allem Zigeuner, die bereits zu sozialistischen Zeiten in Lagern zusammengesteckt und von der restlichen Bevölkerung isoliert wurden. In diese Region jedenfalls hat sich Karl Markus Gauß begeben, und seiner Reisebericht verdient laut Jauch höchste Anerkennung. Sie bezeichnet Gauß' Annäherungsweise als "phänomenologischen Realismus", Gauß sei einer, schreibt Jauch, der nicht guckt , sondern schaut. Oder noch genauer: hingeht und schaut und dafür Zeit mitbringt. Zwar trage auch Gauß Fakten über das Schicksal und heutige Kastendenken der Zigeuner zusammen, doch die Zahlen allein machten einem das Elend nicht wirklich anschaulich, meint Jauch, das gelänge erst durch das genaue Registrieren der Verhaltensweisen der Betroffenen selbst, der Reaktionen des Umfelds, auch der anderen Reisenden. Wer so genau hinschaue, der merke, stellt Jauch fest, dass sich die Verhältnisse nicht einfach in gut und böse einteilen ließen. Die slowakische Regierung jedenfalls will die Siedlungen einfach abreißen lassen, berichet Jauch. Doch wohin mit den Menschen, fragt sie weiter. Im neuen Europa werde auch für sie kein Platz sein, äußert sie die Befürchtung.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.03.2004
Christian Schmidt-Häuser hat ein erschütterndes und dennoch schönes Buch gelesen; es handelt von den Roma in der Slowakei und davon, dass der "Dämon des Rassismus" noch immer lebt, unbemerkt oder ignoriert von der Mehrzahl der Europäer. Gauß, so der Rezensent, hat einen ebenso kurzen wie eindringlichen Bericht aus den "Elendsgemeinden" der an der Rand der Gesellschaft gedrängten Roma verfasst und erweist sich als kluger Beobachter, der die Erkenntnis hinter der Oberfläche sucht, aber auch als erstklassiger Reporter, "der Atmosphäre nur mit feinster Präzision, mit literarischem und essayistischen Schliff vermittelt". Der Umgang mit den Roma wird verurteilt, aber auch das falsche, nur scheinbar tolerante Verschweigen von Unterschieden. Dafür fordert Gauß: Akzeptanz. Und genau deshalb legt Schmidt-Häuser den (zukünftigen) Europäern das Buch so sehr ans Herz.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2004
Mal wieder reist "der melancholische Abenteurer" Karl-Markus Gauß an "Europas Ränder", schreibt die Rezensentin Franziska Sperr, an "die Orte, an denen selbst die Ränder wegkippen", dort, "wo der Linienbus seine Endstation anfährt, wo das Leben ausfranst und, auch an bescheidensten Maßstäben gemessen, nicht mehr lebenswert scheint". Und dieses mal nehme er den Leser mit in die "Slums der slowakischen Roma". Zunächst gewissermaßen von außen, wo er anfänglich selbst noch steht und anstatt einer nachvollziehbaren Konstellation nur "zufällige Arabesken" der Bewegung zu erkennen vermag. Aus seinem Versuch, diese Zufälligkeit zu ergründen, entstehe ein komplexes Bild von einer kommunalen Politik des Ausschlusses den Roma gegenüber, sowie von einem von den Roma selbst verschuldeten Niedergang, in dem der Machtanspruch des Patriarchen sich nicht mehr aus einem - mittlerweile verlernten - Handwerk ableitet, sondern aus der Zahl der Kinder, denen auch die Schulbildung verweigert wird, um die Macht nicht aus der Hand zu geben. Doch auch Europa, so die Rezensentin, komme wie immer zur Sprache, und dies anlässlich eines Kneipenbesuchs, bei dem dem Abenteurer Gauß zwei junge slowakische Weltbürger gegenübersitzen, die sich frohgemut zu Europa bekennen, weil "es für die Slowakei leichter ist, sechzehntes Mitglied der Europäischen Union zu werden, als 51. Staat der USA". Insgesamt, so Sperr, ein "abwechslungsreiches, hübsch zu lesendes, informatives und vielseitiges Reisetagebuch", wie man es von Gauß gewohnt sei.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.02.2004
Marica Bodrozic ist schwer beeindruckt von Karl Markus Gauß' Reiseerzählungen aus dem Osten der Slowakei, dem vorgeblichen "Erdmittelpunkt der Ereignislosigkeit". Immer wieder, staunt die Rezensentin sei Gauß in den trostlosesten Augenblicken auf einen Zauber der Gegenwart und eine rätselhafte Lebenskraft gestoßen. Besonders interessant fand sie, was Gauß über die Roma zu erzählen habe. So seien viele der Bettler in westeuropäischen Großstädten "Schuldsklaven", die von ihren "Wucherherren" losgeschickt wurden. Die Erinnerung an die Zwangssterilisationen in den siebziger Jahren findet Bodrozic ebenso hilfreich wie die Erklärung des brutalen Kastensystems innerhalb der Roma, auf dessen unterster Ebene sich die angeblichen Hundeesser befinden, die dem Buch schließlich den Titel gaben. Neben einiger Munition zur generellen Medienschelte, Elend, Armut und Gestank hat Bodrozic hier doch sehr viel unverputzte Schönheit gefunden und fühlt sich "mit dem bemerkenswerten Gewicht eines in Freude gelebten Augenblicks" beschenkt.
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