Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Vaclav Havel, seit zehn Jahren Präsident der Tschechischen Republik, ist eine moralische Institution. Ihm ist die stabile Demokratie zu verdanken und es war sein Ruhm als unerschrockener Kämpfer gegen das kommunistische Regime, der zur internationalen Anerkennung seines Landes beitrug. Aber Havel, berühmter Dramatiker und Politiker zugleich, droht an der Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu scheitern. Keanes großartige Biografie beschreibt diese Tragik.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2001
Oft genug, freut sich Rezensent Christoph Bartmann, habe man Havels politische Ideen und Tagträume von "getreuen Exegeten" erläutert bekommen, zuletzt von Eda Kriseova. Dass Biograf Keane nun mit Havel "bei allem Respekt" eher ungnädig verfahre, erhöhe den Nutzen dieses Buches, dass Bartmann an anderer Stelle eine "große Biografie" nennt. Havels Leben, zitiert er John Keane, erinnere an eine klassische Tragödie. Dann durchmisst der Rezensent das beschriebene Leben mit großen Schritten. Man erfährt, das Havel gerne kocht und zwar ohne Rezept. Dass er ebenso auch Politik macht und dass Keane ihn einen "republikanischen Monarchen" nennt, der an Opposition nicht gewöhnt sei, weil er schließlich selbst ein Leben lang Opposition war. Die Stärke dieses Buches scheint für Bartmann darin zu bestehen, diesen Lebensroman nicht nur als Erfolgsgeschichte, sondern eben auch als Geschichte eines gefallenen Helden zu erzählen, der auch in seiner Schwäche noch stärker als seine Gegner ist.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.12.2000
Ein Verriss. Christian Schmidt-Häuer lässt kein gutes Haar an dieser Biografie. Das Konzept des Autors, das Leben Havels als Tragödie zu inszenieren, scheitere an zu vielen "Fehlern, Pathos und soziologischen Seminarweisheiten". Und Schmidt-Häuer bringt Beispiele, dass man tatsächlich Bauklötze staunt. Während "lustige" Stilblüten natürlich auch eine Sache des Lektorats sind, wie der Rezensent einräumt, bleiben inhaltliche Mängel stets am Autor hängen: Dass Keane es etwa fertig bringt, das Jahr 1968 ohne seine wichtigsten Akteure zu schildern, kann Schmidt-Häuer kaum fassen. Die "größte Unterlassungssünde" aber erkennt er darin, dass Keane die böhmische Geschichte ignoriert: "Sie hätte ihm den Schlüssel zur wirklich tragischen Note in der Bilanz dieses Staatsmannes liefern können."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.2000
An schlechten Havel-Biografien herrsche kein Mangel, schreibt Rezensent Karl-Peter Schwarz und fügt der Liste, in der diese "überflüssigen" Bücher aufgeführt werden, schließlich noch das von John Keane hinzu. Keine guten Noten bekommt auch die deutsche Ausgabe, die der Kritiker "schlecht lektoriert" findet. Vom Autor, immerhin Professor für Politikwissenschaft, habe er besseres erwartet, bekennt Schwarz. Aber sogar die seitenlangen Schilderungen von Trivialitäten, Saufgelagen und Frauengeschichten beispielsweise, enttäuschten. Unter anderem auch durch Unvollständigkeit. Keane lasse sich nicht durch Fakten beirren, was dazu führe, das Havel bei Keane im Jahre 1989 bei einem Schriftsteller eingeladen wird, der schon 1923 gestorben war. Auch dass nach dem Krieg 21,4 Millionen Deutsche vertrieben worden seien, hat unser Kritiker augenreibend zur Kenntnis genommen, denn so viele waren es dann auch wieder nicht. Kaum wagt Schwarz, auf Hannah Arendt und deren Bedeutung für "die antipolitische Politik der Dissidenten und der politischen Eliten nach 1989" hinzuweisen. Aber schließlich kann er sich ein paar Tipps, was in einer Havel-Biografie zum Beispiel abgehandelt werden könnte, doch nicht verkneifen.
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