Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Russischen von Swetlana Geier. Die drei Brüder Karamasow kehren als Erwachsene in ihr Elternhaus zurück und begegnen ihrem Vater als einem alten lüsternen Trunkenbold. So gross ist ihre Verachtung, dass sie seinen Tod herbeiwünschen. Als er dann wirklich ermordet aufgefunden wird, fällt der Verdacht auf den ältesten Brüder Dimitrij. Er wird schuldig gesprochen und zu Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt. Alle wissen: Ein anderer hat den alten Vater ermordet, und trotzdem nehmen die Brüder die Schuld auf sich ... "Die Brüder Karamasow", Dostojewskis letzter Roman, ist nicht nur eine ausnehmend packende Familiengechichte im Russland des 19. Jahrhunderts, sondern auch die der menschlichen Situation schlechthin. Er spiegelt wie kein anderer Dostojewskis gesamte dichterische Welt.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.03.2004
Ja, das ist Dostojewski, schreibt die Rezensentin Ilma Rakusa über Swetlana Geiers Neuübersetzung. Es ist im "Ganzen" Dostojewksi, weil es im "Detail" Dostojewksi ist. Daher ist Rakusas Besprechung auch eher eine kleine Aufzählung von Details, in denen sich Geiers Stärke zeigt. Das im Russischen "Sa konjatschon" überschriebene Kapitel zum Beispiel heiße bei Geier "zungenbrecherisch", aber dafür folgerichtig "Beim Kognäkchen", was im Gegenteil zu anderen Übersetzungen genau den "Ton" treffe, Dostojewksis ironische Nuance. Auffällig auch, dass Geier vor der Übersetzung des Worts "Nadrywy" kapituliere, eben weil die genaue Nuance im Deutschen außer Reichweite sei, und sich dafür entscheide, das russische Wort, sozusagen als "terminus technicus" zu übernehmen. "Nadrywy", erkläre Geier in ihren Anmerkungen, bedeute "eine extreme Seelenverfassung, die in Zerstörung und Chaos umzukippen droht". Für Rakusa zeugen all diese Details von Geiers übersetzerischer Praxis der Nuancengenauigkeit. Auch der Anmerkungsteil hat die Rezensentin mit seiner außerordentlichen "Akribie" überzeugt. Aber letztlich sei es doch der Text selbst, der dem deutschsprachigen Leser in seiner "glücklichen Synthese" von "Hintergrundwissen und Sprachvermögen" pure Lesefreude bereite, als echte Alternative zur Originallektüre.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.03.2004
Eine Neuübersetzung von Dostojewskis Spätwerk im Amman Verlag gibt Yaak Karsunke die Gelegenheit, nach Jahrzehnten seinen Eindruck von diesem viel gepriesenen Roman der Weltliteratur aufzufrischen und sein Urteil zu überprüfen. Und siehe da, es fällt harsch aus: ein Buch voller reaktionärer Tendenzen, dazu religiös verbrämt und vom Geist des panslawistischen Messianismus getränkt, meint Karsunke. Vieles stört ihn an diesem Roman: die ewigen Wiederholungen, die ausufernden Nebenstränge, der willkürliche Umgang des Autors mit seinem Personal, das, kaum habe es seine ideologische oder dramaturgische Funktion erfüllt, stellt Karsunke fest, "eine deutlich verminderte Lebenserwartung" aufweise. Die Romanhandlung sei verquer und nicht stringent erzählt, vertritt Karsunke die Ansicht, und das eigentliche Thema des Buches seien auch nicht die Geschichten der Menschen, von denen der Roman handele, sondern die sogenannten "letzten Dinge", die ausufernd debattiert würden und sich manchmal so spannend lesen, so der Rezensent missbilligend, wie die religiösen Traktätchen, die heute noch vor Kaufhäusern feilgeboten würden. Allerdings ist es nach Karsunke nicht christliche Heilsgewissheit, die Dostojewski über die "letzten Dinge" ins Grübeln geraten ließ, sondern slawisches Sendungsbewusstsein, das mit einer mythischen Überhöhung des russischen Volkes einhergehe. Dumm, findet Karsunke, dass das Volk im Buch selbst nur als "tumbe" Statisten auftauche. Über die Neuübersetzung von Svetlana Geier verliert Karsunke leider kein Wort.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Jan Philipp Reemtsma: Vertrauen und Gewalt
Warum sich die Soziologie mit den Phänomenen der Gewalt so schwer tut, ist eine der zentralen Fragen, mit ...
Peter Nadas: Parallelgeschichten
Aus dem Ungarischen von Christina Viragh. 1989, im Jahr des Mauerfalls, findet der Student Döhring beim Jogging ...
Archiv: Bücherschauen
Golden german tor lass uns ein als große fisch
10.02.2012: Die SZ ermittelt mit Martin Amis' Roman "Die schwangere Witwe" jenen Nullpunkt, an dem sich Sex und Liebe trennten. Die FAZ geht mit Didier Decoin der Frage nach, warum 38 Menschen der um ihr Leben kämpfenden Kitty Genovese nicht halfen. Die FR feiert den "famose Falschmünzer" Juri Andruchowytsch und seinen Roman "Perversion". Begeistert ist sie auch von Michael Ondaatjes Roman "Katzentisch". Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








