Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Andrej Sinjawskij

Das Verfahren läuft

Die Werke von Abraham Terz 1961-1968

Cover: Das Verfahren läuft

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN-10 3100741137
ISBN-13 9783100741134
Gebunden, 543 Seiten, 49,90 EUR

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Klappentext

Herausgegeben und aus dem Russischen übersetzt von Swetlana Geier. Mit einer Nachbemerkung von Marija Rosanowa-Sinjawskaja und einem Nachwort von Ulrich Schmid. Seine ersten Bücher stellte Andrej Sinjawskij unter dem Pseudonym Abram Terz vor, ein Deckname für den Literaturwissenschaftler am Moskauer Gorki-Institut für Weltliteratur, der tagsüber an Studien arbeitete und nachts Erzählungen und Romane schrieb, die eine ironische Abrechnung mit dem Stalinismus vorlegten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.01.2003

Ralph Dutli begrüßt hocherfreut diese Werkausgabe des russischen Autors Sinjawskij, der unter dem Pseudonym Abram Terz schrieb und 1965 wegen antisowjetischer Hetze zu 7 Jahren Arbeitslager verurteilt wurde. Der Rezensent betont, dass nun nicht zuletzt das "verquere Dissidententum" des Autors mit "Gewinn" wiederentdeckt werden kann und ist fasziniert von den literarischen Experimenten des Autors, die sich dem sozialistischen Realismus entziehen. Der Rezensent betont sowohl die erstaunliche "ironische Sehergabe", mit der der Autor seine eigene Verhaftung voraussieht, als auch den Umstand, dass die Texte den Untergang der Sowjetunion "spielend überleben" ohne zu verlieren. Dutli feiert den Autor begeistert als "Virtuosen des Grotesken", preist ihn aber auch als "tiefsinnigen Denker". Sowohl das "hervorragende Nachwort" als auch die Übersetzung bekommen ebenfalls viel Lob von ihm. Nur über eines hat er sich richtig geärgert: nirgendwo sind die Orte und Jahresangaben der Erstveröffentlichung in diesem Buch zu findet. Einige Hinweise wären "schlicht das Mindeste" gewesen, beschwert sich der Rezensent.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.12.2002

Andrej Sinjawskij, 1997 im Pariser Exil gestorben, war nicht ein Autor, sondern gleich zwei. Unter seinem richtigen Namen wurde er bekannt für Erzählungen, Romane und literaturwissenschaftliche Essays. Furore gemacht hatte er zunächst jedoch unter dem Pseudonym Abram Terz in der Sowjetunion, mit vielgestaltiger, stets aber regimekritischer Literatur: das brachte ihm fünf Jahre Haft im Lager ein. Dieses Frühwerk, versichert Ilma Rakusa, sei auch und gerade unter ästhetischen Gesichtspunkten wieder zu entdecken. In den nun in einem stattlichen Band versammelten Texten erweise sich Terz nämlich sowohl als "absurder Fantast" von großer stilistischer Vielfalt wie als "Verwandlungskünstler", der neben einer "kriminalistischen Alter-Ego-Geschichte" ("Im Zirkus") auch Science-Fiction ("Pchenz") oder eine realistische Erzählung über die stalinistischen Ärzte-Prozesse von 1953 zu bieten hat. Dies ist, wie Rakusa mit Freude notiert, der erste Band einer geplanten Gesamtausgabe.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2002

"Leicht lesbar" findet Rezensent Felix Philipp Ingold die Neuübersetzung dieses Frühwerks des von der Sowjetunion einst als "gefährlichen Abweichler" bekämpften Schriftstellers. Einschränkend fügt er jedoch hinzu, dass sie gegenüber ihren "sperrigen Originalen" vielleicht etwas zu glatt geraten sei. Dem heutigen Wortgebrauch fand er sie nämlich soweit angepasst, dass sogar Trendvokabeln wie "ordern" oder umgangssprachliche Ausdrücke wie "Tach" und "Tschüss!" "irgendeinem Iwan Iwanowitsch der fünfziger Jahre anstandslos von der Zunge gehen". Als weiterer Minuspunkt wird die ungeklärte Quellenlage der neu übersetzten Schriften und Erzählungen genannt. Weder seien Originaltitel noch Erstdrucke ausgewiesen, angesichts der "schwer überschaubaren Migrations- und Publikationsgeschichte" der Texte ein "bedauerliches Defizit", so der Rezensent. Doch auch die Texte selbst lösen keineswegs ungetrübte Begeisterung bei ihm aus. Im Vergleich zu "Solschenizyn und seinesgleichen", die frontal gegen den Unrechtsstaat angetreten seien, habe sich Sinjawskij damit begnügt, hinter der Maske des Gangsters "Abram Terz" ein clowneskes Schattendasein zu führen. In seinen unter dem Pseudonym eines real existierenden ukrainischen Verbrechers publizierten Texten praktizierte Sinjawskij zwar Dissidenz als ästhetische Opposition und konsequent praktizierten Individualismus, findet er. Doch kommen für ihn die vorgeführten Protagonisten der totalitären Herrschaft dann "enttäuschend harmlos daher".

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