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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Emmanuel Bove

Der Stiefsohn

Roman

Cover: Der Stiefsohn

Manholt Verlag, Bremen 2002
ISBN-10 3924903077
ISBN-13 9783924903077
Gebunden, 359 Seiten, 24,00 EUR

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Klappentext

Aus dem Französischen von Gabriele Zehnder. In diesem Roman wird Schritt um Schritt das Innere eines Einzelgängers nach außen gekehrt, es ist der wohl autobiographischste des Autors, eine Art Selbstentblößung. Jean-Noel ist der Stiefsohn, von dem man nach und nach - wie von einem verborgenen Beobachter beschrieben - immer mehr erfährt. Im Zwiespalt zwischen pathologischer Idealisierung der Stiefmutter und befremdlicher Distanz zur leiblichen Mutter, bis hin zur Verleugnung, zeigt sich der Held des Romans, der dem Leser über eine entscheidende Lebensspanne von fast dreißig Jahren begegnet, als bindungssüchtig und zugleich bindungsunfähig. Ständig bemüht, mehr zu scheinen als zu sein, ständig bemüht, einer Welt zugeordnet zu sein, zu der er eigentlich nicht gehört, ständig begierig, den moralischen und geistigen Anforderungen der Stiefmutter Annie zu genügen, entfaltet sich der Lebensabschnitt eines Mannes, der um seiner Eigenliebe, seiner Gefallsucht willen fast alles an menschlicher Bindung opfert, der eine hohe Kunst der Selbstverleugnung zelebriert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.05.2003

Emmanuel Bove, in den 20er Jahren ein recht erfolgreicher Außenseiter im französischen Literaturbetrieb, wurde erst Ende der 70er Jahre wiederentdeckt, hierzulande machte ihn Peter Handke bekannt, erinnert sich Dirk Fuhrig. Der Rezensent hat sich mittlerweile quer durch Boves gar nicht so kleines Werk gelesen und auch eine inzwischen erschienene Biografie zu Gemüte geführt, die ihn dazu animiert, den gerade neu übersetzten Roman "Der Stiefsohn" als stark autobiografisch einzuordnen. Erstveröffentlicht wurde der Roman 1934, berichtet Fuhrig weiter. Im Mittelpunkt steht ein moralisch abgestumpfter junger Mann, der an seiner sozialen Herkunft leidet und von einer Katastrophe in die nächste stolpert, krampfhaft bemüht um Geld und soziale Anerkennung: die "Karikatur eines Bildungsromans" meint Fuhrig. Er erklärt, dass in Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg, anders als in Deutschland, die Schranken zwischen den Klassen noch strikt hoch gehalten wurden; ein Typ wie die Romanfigur Jean-Noël beziehungsweise Emmanuel Bove selbst - arme Herkunft, reiche Stiefmutter, reiche Geliebte, um einige parallele Eckdaten zu benennen - sei von der Gesellschaft tatsächlich wie ein Außenseiter behandelt worden. Bove habe im übrigen, vervollständigt Fuhrig das Bild, literarisch einigen Erfolg gehabt, alles Vermögen verloren und sich auf der Flucht vor den Nazis - er war jüdischer Abstammung - mit Malaria infiziert, an der er 1945 starb.

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