Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Französischen und mit einem Nachwort versehen von Wieland Grommes. Dieser Roman aus dem Jahr 1901 ist eine rabiate Abrechnung mit dem 19. Jahrhundert. Wie eine gierige Spinne im Zentrum ihres Fangnetztes sitzt der Ich-Erzähler Georges Vasseur in einem Pyrenäen-Kurort. Er wendet sich zunächst gegen die ihn umgebende Bergwelt, eine Manie, die er alsbald selbst als Alpophobie bezeichnet, ehe er während seiner 21 Tage Kuraufenthalt die gesamte französische Gesellschaft in einzelnen Episoden wie in einem Panoptikum Revue passieren läßt. Nichts läßt er ungeschont: Fiktive und authentische zeitgenössische Größen und Möchtegerngrößen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Adel, Militär und Halbwelt läßt der Autor in einzelnen, im lässigen Konversationsstil erzählten Geschichten zu Wort und zur Selbstentlarvung kommen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2001
Sichtlich mit Hochgenuss hat Burkhard Scherer diesen hundert Jahre nach seinem ersten Erscheinen nun wiederaufgelegten Roman gelesen. Ein Ereignis, dass auch wegen der "eleganten Übersetzung" von Wieland Grommes gefeiert werden könne. Ganz frisch, meint der hingerissene Rezensent, stehe der Roman da, und in "unbekümmerter Modernität". Denn sein Autor schere sich nicht um die "Romangesetze", sonder verwirbele "bestrickend" die literarischen Genres, "die er von der Satire bis zum Sittenbild à la Dickens, von der einfühlsamen Erzählung bis zur Hau-Drauf-Theaterkritik" souverän beherrsche. Im Kern sei der Roman "das Protokoll eines Lauschangriffs" auf die Figuren, die dem erzählenden Protagonisten während einer dreiwöchigen Kur begegnen: "skrupellose Besserverdienende, die bürgerliche Moral selbstbewusst bis hin zum Mord dehnen" und andere Charakterdarsteller aus dem Bestiarium des Fin de Siècle (von denen manche kaum verhüllte, lebende Vorbilder hatten, wie wir lesen). Warum dieser "europäische Großautor" heute fast vergessen ist, darüber werde in Frankreich seit zehn Jahren geforscht. Aber die begeisterte Besprechung dieses Romans legt die Vermutung nahe, dass eine Octave-Mirbeaus-Wiederentdeckung in vollem Gange ist.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2000
Der Rezensent Thomas Laux ist in seiner Begeisterung für Octave Mirbeau gar nicht zu bremsen. Ganz zu Unrecht sei der 1917 verstorbene französische Schriftsteller in Vergessenheit geraten. Umso mehr freut es Laux, dass nun "Nie wieder Höhenluft" im Deutschen vorliegt. Das gewichtige Werk, das man keinem Genre zuordnen könne, gebe einen sehr guten Einblick in das satirische Repertoire des sozial engagierten Anarchisten und Provokateurs. Mit Wortwitz, Ironie und Apercus attackiere Mirbeau höchst amüsant und tiefsinnig Kirche, Staat, Militär und Justiz. Eine witzig-pikareske Tour durch die Abgründe des menschlichen Alltags, die an Aktualität in keiner Weise eingebüßt habe.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2000
Als eine Karikatur, die "ein paar erschreckend amüsante Stunden bereiten kann", bezeichnet Sacha Verna diesen im Original bereits 1901 erschienenen Zeitroman von Octave Mirbeau. Hier tauchen neben fiktiven Charakteren auch reale Personen auf, aber gut wegkommen tut dabei kaum jemand. Trotzdem vermeidet der Autor nach Meinung der Rezensentin "simple Schwarz-Weiß-Malerei", sondern zeigt Abgründe, die sich überall auftun können. Verna zieht in ihrer Rezension einen Vergleich zu Thomas Manns Zauberberg, was Schauplatz (ein Kurort)und den Protagonisten angeht, betont aber, dass hier die Parallelen schon aufhören, denn "wo Thomas Mann später mit feinster Ironie spielen wird, steht bei Mirbeau blanker Hohn".
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