Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Maxim Biller hat einen Liebesroman - den Roman von Adam und Esra, die zusammen das Glück suchen, es fast finden und ihre Liebe auch dann nicht verraten, als sie ihnen für immer zu entgleiten droht. Warum lieben die Menschen von heute so sehr die Liebe? Ist sie die letzte Utopie, die wir noch haben? Adam, der junge Schriftsteller, kann sich ein Leben ohne Esra nicht mehr vorstellen. Doch Esra zögert, und je mehr sie zögert, desto größer wird seine Leidenschaft für sie. Ohne Esra, denkt Adam, ist mein Leben verloren und der Boden, auf dem ich stehe, trägt mich nicht mehr. Aber was denkt Esra? Maxim Biller nimmt uns mit in eine Welt, in der Gefühle wieder so wichtig sind wie Gedanken, in der Zuneigung und Vertrauen zu einem Geliebten etwas ersetzen sollen, woran viele zu lange und zu blind geglaubt haben: Die Glücklichmachung des Menschen durch die richtige politische und gesellschaftliche Ideologie.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.03.2003
Ein Rundumverriss, ohne Wenn und Aber. Was um Himmels Willen hat diesen talentierten Autor, klagt Dorothea Dieckmann, dazu getrieben, seinen gelungenen Erstlingsroman "Die Tochter" so arg zu unterbieten? Das persönliche Involviertsein, lautet die Antwort, die Biller zudem noch zum literarischen Programm erhebt. Die gescheiterte Beziehung zu einer türkischen Grafikerin ist Anlass und Inhalt des Romans; Familienclinch, Trennungen, Versöhnungen und schließlich die Schwangerschaft von einem anderen Mann, dem sich die junge Dame endgültig zuwendet, liefern das Material "für eine kleinkarierte Abrechnung im Beziehungsgewurstel" oder noch böser: "für den geschwätzigen Fortsetzungsroman eines Stammkunden beim Herrenfriseur". Wer Billers heftige Verlautbarungen zur "Schlappschwanzliteratur" noch im Ohr hat, dürfte sich eigentlich nicht wundern, wundert sich Dieckmann dennoch; da will einer das Wahre, Echte berichten und bleibt dabei auf dem Niveau eines Kneipenbekenntnisses hängen. Authentisch ist diese Sprache deshalb noch lange nicht, sondern bloß der müde Abklatsch einer banalen Realität, so Dieckmann.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.03.2003
Christoph Bartmann zeigt sich bei der Lektüre dieses Romans, gegen den eine einstweilige Verfügung ausgesprochen wurde, verwirrt. Ist die Geschichte nun reine Fiktion oder gibt es den Zusammenhang von Leben und Literatur, gegen den Personen, die sich in dem Buch unvorteilhaft verarbeitet gesehen haben, Klage eingereicht haben? Auf jeden Fall meint der Rezensent in der Geschichte, die sich um die Liebe eines jüdischen Schriftstellers zu einer jungen Türkin dreht, den "unbedingten Willen" des Autors "Klartext zu reden" zu erkennen. Dies tue dem Roman auch gar nicht schlecht, findet Bartmann, der sich aber dennoch nicht sicher ist, ob er nicht einer Täuschung Billers auf den "Leim gegangen" ist. Irgendwie, so der Rezensent, "glaubt" man ihm das Buch, auch wenn es ganz gegen die Gepflogenheiten des Autors seltsam "ironiefrei" und zudem die Liebesgeschichte unwiderstehlich "herzbewegend" ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.03.2003
Maxim Biller sei zwar ein "Provokateur", meint Rezensent Peter Michalzik, aber mit "Esra" hat er einen großen, "bewegenden" Wurf gelandet, einen "kleinen Roman", aber eine "große Liebes- und Trennungsgeschichte" um Esra und Adam und ihre familiären Verstrickungen. Eindeutig liest sich Michalziks Besprechung allerdings nicht, eher als Hin- und Herwanken zwischen Huldigung und Kritik. Einerseits sei das ganze Buch in eine "schöne und milde" Stimmung getaucht, innerhalb derer Biller "in Schleifen der Vergeblichkeit" den Schmerz umkreise, "mal pathetisch, mal lakonisch". Andererseits sei "Esra" eine Kette von "Vignetten", wie Michalzik die kurzen Kapitel nennt, die anscheinend nur da seien, um Biller viele starke Anfangs- und Schlusssätze zu ermöglichen. Diese "Pointiertheit" verhindere, dass das Ganze sich "entfalten" und die Geschichte sich "entwickeln" könne. Und doch "berühre" Billers Buch, weil es von so großer "Reinheit" ist, dass der Rezensent Biller mit den Minnesängern vergleicht und vermutet, dieser sei sogar in der Lage, einen "keuschen Porno" zu schreiben. Bei Biller sei die Liebe "unendlich traurig, aber auch furchtbar schön", und beides, das Glück wie das Unglück, gäben sich die Hand, auf "stereotype, groteske und herzzerreißende" Weise, gegossen in eine "direkte, klare und schnörkellose Sprache".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.03.2003
"Alle sind Opfer" in Maxim Billers neuem Roman "Esra", stellt der Rezensent Manuel Gogos fest. Die Charaktere durchlaufen bei Biller keine Entwicklung, ihre Rollen sind schon von Beginn an festgelegt, kritisiert Gogos. Deswegen mangele es "Esra" an Dynamik. Die "Stagnation" der Handlung macht laut Rezensent den Roman für den Leser vorhersehbar. Trotzdem mochte Gogos die "neue Verletzlichkeit", die Biller seinen Charakteren zugesteht, vor allem weil er hinter der traurigen Fassade auch für Biller untypische fröhliche Elemente entdeckte. "Esra" verarbeitet die Welt der Patchwork-Families und der modernen Unverbindlichkeit von Beziehungen, es erzählt von der "neuen Unordnung der Liebe", fasst Gogos zusammen. Und er scheint es für erwiesen zu halten, dass Biller der Literaturkritik, die ihm schon seit Jahren Scheitern prophezeit, wieder ein Schnippchen geschlagen hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2003
Düster, schmerzhaft und vor allem radikal aufrichtig hat Rezensent Richard Kämmerlings das Bild unserer Gegenwart in Maxim Billers neuem Roman wiedergefunden, dessen Lektüre und die darin verhandelte Frage, wer eigentlich schuld ist am allgemeinen Lebens- und Liebesunglück, ihn sichtlich mitten ins Herz getroffen hat. Mit ihren "Viertelbeziehungen und Halbfamilien" tritt dem Rezensenten, der dezent auch die Nähe der Schönheit "zu Kitsch und Larmoyanz" andeutet, diese Welt aus dem Buch als einigermaßen erlösungsbedürftig entgegen. Eine Welt "in der die Liebe manchmal aus dem Jenseits kommt, und allzu oft dahin zurückkehrt". Im Zentrum beschreibt Kämmerlings eine Liebe, deren äußeren Rahmen er schon kompliziert genug findet: "so, wie eben heutzutage Beziehungen in Ballungszentren aussehen". Ein erfolgreicher, jüdischer Schriftsteller liebt eine erfolglose türkische Schauspielerin, wird der Kern der Geschichte kurz zusammengefasst, in der es dem Rezensenten zufolge auch um das Verhältnis von Literatur und Leben geht. Besonders hat ihn in diesem Zusammenhang Billers Kunst beeindruckt, das Autobiografische bruchlos "in einen hakenschlagenden und doch aufs Wesentliche reduzierten Berichtsstil" einzufügen. Jeder Nebensatz enthalte so Stoff für eine eigene Novelle. Über alles breite Biller in seinem Roman einen "umfassenden Schuldzusammenhang" seiner Figuren am gegenseitigen Unglück aus, dem sich keine Figur, nicht mal der Erzähler selbst, entziehen könne.
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