Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Raoul Schrott ist Dichter und Erzähler zugleich. Landschaften erkundet er nicht allein mit dem Blick und zu Fuß, sondern mit den Sprachen, denn in einem fremden Terrain weiß man schon mehr, wenn man die Namen der Winde und ihre Richtungen, des Sandes und seine Körnung kennt.
In der Erzählung wäre eine lose Ansammlung von Baracken in der Wüste die Rettung. Aber es sind 500 Kilometer bis dorthin über Sanddünen und Salzseen, unter nie nachlassender Sonne, mit einem gegen der Weite des Horizonts lächerlich geringen Wasservorrat. Für die Männer liegt "der Tod dicht unter der Haut", und die einzige Zuflucht ist das Memorieren der Namen: s'hara, durch die Düne brechender roter Sand, der am Schluss fast alle begräbt. - Der Essay durchmisst dieses Terrain in Begleitung von Archäologen, die die Jahrtausende alten Wegmarken und Zeichen erkennen - die Wüste gibt ihre Namen zum zweiten Mal preis.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.05.2003
Merkwürdig: da kritisiert einer nach Strich und Faden und schickt dann doch noch ein lauwarmes Lob hinterher. Ist es um die gegenwärtige Literatur wirklich so schlecht bestellt, wie Stefan Weidner behauptet? Geistig hat Schrott, während er eifrig durch Afrika marschierte, die eigene Türschwelle nicht überschritten, lautet Weidners harsche Kritik an Schrotts Wüstenbuch "Khamsin", das sich in einen Essay und eine Erzählung untergliedert. Dass er aber zumindest versucht habe, die eigene Haustür hinter sich zuzumachen, will ihm Weidner zugutehalten. Weidners größter Kritikpunkt sowohl bei der titelgebenden Erzählung "Khamsin" wie beim Essay "Im Namen der Wüste" bezieht sich auf Schrotts nacherzählende Haltung: der Erzählung über vier versprengte englische Soldaten im 2. Weltkrieg liegt ein Heeresbericht zugrunde, der der eigentlichen Erzählung nicht genügend Raum lässt, so Weidner, um die Grenzerfahrung der Soldaten zu schildern; und auch der Essay setze sich aus Anekdoten, einem Expeditionsbericht und verschiedenen Exkursen über Wüstenarchäologie zusammen, die Weidner mit dem Begriff "gut angelesen" abkanzelt. Begeisterung für die Sache wird bei Schrott immer schon vorausgesetzt, sagt Weidner; Schrotts Hang zur Schwärmerei sei einerseits "seine große literarische Gabe und sein Verhängnis zugleich".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.07.2002
Das aus einer Erzählung und einem Essay bestehende Buch nennt die Rezensentin Beatrice von Matt eine "exzellente Mischung von Körperprosa und Reflexion". Einmal mehr schickt "der Wüstenkenner" Schrott seine Figuren (hier vier Soldaten der Long Range Desert Group von 1941) auf Ich-Suche in die Wüste, beschreibt ihre Versehrungen im Kampf gegen den Tod und schickt dem Ganzen einen Essay ("Die Namen der Wüste") hinterher, in dem sich diese Geschichte spiegelt. Wenn sich auf diese Weise Naturgeschichte, Menschengeschichte und Sprachgeschichte verbinden, der "kraftvolle Autor" es versteht, wissenschaftliche Sprache zur Dichtung auszuweiten, deren Basis die präzise erzählten Menschenschicksale abgeben, so ergibt das für die Rezensentin "ein ebenso bewegendes wie eröffnendes Stück Literatur".
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