Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler. Udis und Naamas Ehe ist in eine Sackgasse geraten. Udi reagiert darauf mit den unterschiedlichsten körperlichen Symptomen - einmal ist er für zwei Tage fast vollständig gelähmt, ein anderes Mal wird er für kurze Zeit blind, und das immer nach einem Streit mit Na`ama. Dann legt er sich ins Bett und lässt sich von Frau und Tochter bedienen. Naama gegenüber rechtfertigt er dieses Verhalten mit dem Hinweis auf ein acht Jahre zurückliegendes Erlebnis - damals hätte seine Frau ihn beinahe mit einem Maler betrogen. Etwas, was er nie verziehen hat. Naama leidet seither unter Gewissensbissen und versucht fast alles, um ihm den Alltag so angenehm wie möglich zu gestalten - nur damit er sie wieder liebt, wie früher. Aber er ist nicht bereit, ihr zu vergeben. So sind beide, Mann und Frau, vor allem damit beschäftigt, sich gegenseitig zu zermürben. Schließlich bringt Naama ihren Mann zu einer jungen israelischen Heilerin, die ihre Kunst von den alten Tibetern gelernt hat.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.04.2001
"'Mann und Frau' ist ein außerordentlicher Roman und ein Schlag in die Magengrube." Meike Fessmann ist von Zeruya Shalevs neuem Roman fasziniert und erschlagen zugleich. Es könnte ein ganz normales Leben sein, das Udi, Na' ama und ihre zehnjährige Tochter leben. Das ganz normale Leben einer Kleinfamilie. Doch die Idylle funktioniert nicht. Die elterliche Beziehung scheitert an ihrem symbiotischen Charakter. Die Liebe zum Kind führt zur Regression der Eltern und in eine Familientragödie, an deren Ende die Trennung und der Neuanfang stehen, fasst die Referentin den Inhalt des Buchs zusammen. Souverän und präzise beschreibe die israelische Autorin auch hier - wie schon in "Liebesleben", ihrem ersten Roman - alltägliche Situationen und deren erhellende Übersteigerungen, meint Fessmann. Besonders gut hat der Rezensentin gefallen, dass Shalev zwar über das Geschlechterverhältnis schreibe, dabei aber ganz ohne kopflastige Thesen auskomme. Geschichte wird hier erzählt, die Banalität des Alltags mit dem Katastrophischen verbunden. Und es wird gezeigt, so Fessmann, wie religiöse Vorstellungen von Schuld, Opfer und Sühne auch das Leben dieses modernen Paares bestimmen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001
Hanns-Josef Ortheil kam sich bei der Lektüre dieses Romans vor wie eine "völlig willenlose Leserpuppe", aber schließlich ergibt er sich einfach der Sogwirkung des Buches. Er preist den Roman, der die Auflösung einer scheinbar perfekten Ehe erzählt, als "raffiniert", wobei ihm das Raffinierteste die Sprache erscheint, deren Übersetzung von Mirjam Pressler er zudem "preiswürdig" findet. Der Leser werde mit tief befriedigendem Lesestoff "gefüttert" wobei gleichzeitig jede Zeile in ihn "hineinsticht", so der Rezensent beeindruckt. Und wenn er sich auch mitunter gegen die "Verstiegenheit" des Buches wehrt und er sich wie im "Gefühlsgefängnis" vorkommt, sieht er sich trotzdem gezwungen, dem "Rhythmus" des Buches zu folgen. Am Ende ist der Rezensent zwar "völlig erschöpft", doch ist er sich sicher, dass er es mit einem "Meisterwerk" zu tun hatte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2001
Für Rezensentin Kristina Maidt-Zinke ist der Stoff dieses Romans "Psychologenfutter" und "des Frauentherapeuten täglich Brot" - als Literatur jedoch "nur unter Vorbehalt" genießbar. Sprich: als "Frauenroman". Autorin Shalev habe offenbar beherzigt, was einige Kritiker sich nach ihrem letzten Buch gewünscht hätten: "weniger kruden Sex, mehr Israel". Obwohl die Rezensentin dennoch einige "Kopulationsszenen" ausfindig machen konnte, lokalisiert sie den "Problemzonenbereich" dieses in die Krise gekommenen Ehepaares diesmal "mehrheitlich oberhalb der Gürtellinie". Eine Versöhnungsreise der beiden bewirke wenig, lästert Maidt-Zinke, gebe der Autorin aber immerhin die Möglichkeit "ihr Psychodrama von internationalem Zuschnitt mit einheimischen Landschaftsbildern zu dekorieren".
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