Bücherschau der Woche
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Klappentext
Übersetzt aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit. In allerletzter Sekunde kann Captain Gault einen Brandanschlag auf sein Gut in Lahardane vereiteln. Dennoch kommen er und seine englische Frau Heloise zu dem Schluss, dass es höchste Zeit ist, das unsichere Irland zu verlassen. Ganz anderer Meinung ist ihre achtjährige Tochter Lucy. Sie liebt ihr Zuhause und kann sich ein Leben jenseits der Wälder, Felder und langen Strände von Lahardane nicht vorstellen. Nachdem all ihre Proteste nicht fruchten, greift Lucy zum letzten Mittel: Am Vorabend der unwiderruflich beschlossenen Abfahrt reißt sie aus... In seinem Roman spiegelt der irische Schriftsteller Trevor das Irland der 1920er Jahre wider, in dem ein Ende der feindlichen Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken, zwischen Arm und Reich nicht abzusehen ist.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.04.2004
Dass William Trevor seinem neuen Roman eine Abrechnung mit dem Nationalismus seines Heimatlandes beifügt, überrascht H. G. Pflaum kaum, hat er doch den großen "Melancholiker der irischen Literatur" sowieso als Abweichler auf der Rechnung. Während andere Iren in Pflaums Augen den lauten Gestus pflegen, ist Trevor ein "Meister der Andeutung", anstatt Gelächter gibt es bei ihm Vergeblichkeit, und Trunkenheit ist ihm ein Marker menschlichen Elends. Umso besser, findet der Rezensent und lobt die "Geschichte der Lucy Gault" - das Schicksal eines verlassenen Kindes, wieder einmal - in höchsten Tönen, vor allem für die altmodische und intensiv-zurückgenommene Art des Erzählens, die in der Auslassung ihre höchste Vollendung findet. Damit sei Trevor "der vollkommenen Askese des Erzählens" ein weiteres Stück näher gerückt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.01.2004
Gern gefallen lässt sich Angela Schader einen solchen Roman wie "Die Geschichte der Lucy Gault" des irischen Romanciers William Trevor, der im klassischen Stil erzählt wird, ein ruhiger beherrschter und unsentimentaler Stil, meint Schader, der den beherrschten Charakteren des Romans angemessen wäre. Gefühle würden nicht laut gemacht, Konflikte nicht ausgetragen, stellt die Rezensentin fest und schiebt diesen Umstand auf die Zeit, in der der Roman spielt: Irland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die behütete Tochter des Hauses, eben Lucy Gault, reißt aus, als die Eltern mit ihr wegen politischer Unruhen nach England gehen wollen. Kind und Eltern werden getrennt und verbringen die Jahre mit Schuldgefühlen und Warten; diese schmerzhafte Frustration und Beherrschtheit mute die Leser eher fremd an, sinniert Schader und fragt sich dennoch irritiert, ob die heutigen Bewältigungsmechanismen wohl soviel besser funktionierten. Ihr will es so scheinen, als ob die innere Verpflichtung der Romanfiguren zur Zurücknahme und Gewissenhaftigkeit ein besonderes, intensives Licht auf ihre Welt werfe: impressionistisch eingefärbt, so Schader, und von großer sinnlicher Präsenz.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2004
Dieser Roman hätte eigentlich 2002 den Booker-Preis bekommen sollen, meint die Rezensentin Felicitas von Lovenberg. Denn William Trevor sei mit "Die Geschichte der Lucy Gault" eine "unvergessliche Geschichte von Flucht und Exil, Absicht und Wirkung, Buße und Erlösung" gelungen. Zunächst die Handlung: Die Familie der Gaults gehört zum keineswegs reichen irischen Landadel, doch muss sie vor den Übergriffen der Bauern nach England fliehen. Lucy, die Tochter, versuche die Abreise zu verhindern, indem sie sich versteckt. Doch als sie nicht wiederkehrt und der Familie Gerüchte über ihren Verbleib zuwehen, beginnt eine Suche quer durch Europa. Lucy aber wächst, inzwischen wiedergefunden, auf dem elterlichen Gut auf. Seine Kraft, so die Rezensentin, bezieht der Roman vor allem aus dem "Zusammenspiel von Zeit und Zufall", aus der Art, wie ein Missverständnis über ein Leben entscheiden kann, und aus der Sprache, die, zugleich "präzise" und "prägnant", die Figuren "abzutasten" scheint. Für die Rezensentin ist "Die Geschichte der Lucy Gault" ein "Buch voll herber Melancholie, eine Ode an die Einsamkeit an der Schnittstelle von Zufall, Geschichte und Charakter", das zugleich als "eindringliche Metapher" für Trevors irische Heimat gelten kann.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.11.2003
William Trevors Roman "Die Geschichte der Lucy Gault" hat Rezensent Gustav Mechlenburg so melancholisch gestimmt, dass er erst mal ein Guinness brauchte. Den Roman über die kleine Lucy, die bei der Flucht ihrer protestantischen Eltern aus dem katholischen Irland allein zurückbleibt, findet er "durch und durch depressiv". Trevors Protagonisten stehen so sehr im Bann des tragischen Ereignisses, dass Mechlenburg gar von einer mythologischen Schicksalhaftigkeit spricht. Am besten gefallen ihm die Passagen, in denen Trevor die "sensible Intimität" zwischen Lucys Eltern und ihre an Selbstzerstörung grenzenden Schuldvorwürfe schildert. Ein wenig bedauerlich erscheint es Mechlenburg da, dass sich Trevor nicht ebenso sorgfältig seiner Hauptfigur widmet. Trevors Tonfall beschreibt er als "lakonischen Stil eines allwissenden Erzählers". Der erzählte Zeitraum von achtzig Jahren wirke nahezu zeitlos. Das und Trevors Sprache lassen das Buch, so Mechlenburg, "altmodisch und allegorisch" erscheinen. Wirklichen Tiefgang hat das Buch seiner Ansicht nach nicht. "Aber die fatalistische Unaufhaltsamkeit des Geschehens", resümiert der Rezensent, "zieht den Leser unweigerlich in einen trieftraurigen Sog."
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