Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Was macht komische Bücher komisch? Was macht erfolglose Autoren erfolglos? Wilhelm Genazino denkt nach über Theodor W. Adornos Humor, über Fotografien, über das Lachen und andere Begebenheiten.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.01.2005
Eines muss jeder Leser nach der Lektüre von Wilhelm Genazinos Textsammlung begriffen haben, meint Hubert Winkels: "Der Verächter des permanenten Entertainment-Feuerwerks ist selbst ein begnadeter Feuerwerker." Indem er die Bedeutung seiner Gegenstände erfindet, lässt er Bedeutung "explodieren", wo vorher nichts war und erweist sich als "poetischer Ethnograf des Inlands". Drei Hauptthemen macht der Rezensent in den versammelten Feuilletons, Essays und Aufsätzen aus: die Ambivalenz des Scheiterns, die Erkenntnisstruktur des Blicks und die "Komik als dichterische Kraft". Genazino biete nicht nur "geistreiche" Gedanken zu Kafka, Claude Simon oder Literaturpreisen, sondern erweise sich in den "gewichtigeren" Texten auch als "philosophischer Kopf", der allerdings der Dialektik der alten Frankfurter Schule mehr verbunden ist als der ironischen Art, die deren Nachfolgerin pflegt. In den Erzählungen greift Genazino nach dem Motto des "gedehnten Blicks" einzelne Bilder aus dem Fluss des unscheinbaren Alltags heraus und beginnt in aller Ruhe, sie zu betrachten.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.10.2004
Das "Buch zum Preis" - denn, so Martina Meister, Genazino gewährt "Einblick in die Demütigungen und Leiden desjenigen, der fast wider besseren Wissens schreibt" und für den der Büchner-Preis jetzt auch nichts mehr ändert. Nicht, dass ihn die Enttäuschungen je abgehalten hätten - seine Essaysammlung entwerfe eine "Poetik der Nachhaltigkeit". Und damit ist man auch beim "gedehnten Blick" des titelgebenden Essays, bei der Kunst der Wahrnehmung, die Genazino in allen seinen Romanen demonstriert und hier von der anderen Seite darstellt: Wie man "durch intensive, häufige und über einen langen Zeitraum wiederholte Betrachtung in die Dinge eindringen kann". Höhepunkt des Bandes ist für die Rezensentin jedoch ein Essay, "mit dem uns Genazino an jenen seltenen Moment teilhaben lässt, als das Lachen in Adornos Leben wie ein ungebetener Gast einbrach". Genazino Texte, schreibt sie, sind "Beobachtungs- und Denksplitter", die manchmal wirklich "unter die Haut gehen" und etwas hinterlassen: "den schönen Schmerz der Epiphanie."
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2004
Mit Gewinn hat Rezensent Ernst Osterkamp diese "schöne Sammlung" von Reden, Essays und Vorlesungen des diesjährigen Büchnerpreisträgers Wilhelm Genazino gelesen. Denn sie haben ihm offenbart, dass in der Brust des Schriftstellers auch das Herz eines erstaunlich starken Theoretikers schlägt, der über die "Bedingungen und Resultate seines Schreibens" begriffsklar und beobachtungsscharf Rechenschaft abzulegen wisse. Die Reflexionen kreisen um drei thematische Kerne, erklärt unser Rezensent: "das Recht des Autors auf Scheitern", die "komischen Empfindungen" sowie seine "Besonderheit des Sehens", vom Autor selbst als "der gedehnte Blick" bezeichnet. Der gleichnamige Essay des Bandes führt Osterkamp ins Zentrum von Genazinos Poetik .Besonders ergiebig findet der Rezensent jedoch die Reflexionen über den Witz und den Humor, denen es aus seiner Sicht nicht mal schadet, dass sie im Buch im Gestus zitatengesättigter Vorlesung auftreten. Dennoch vermisst er einen Anhang mit Angaben zu Entstehungszeit, -anlass oder Erstpublikation der Texte. Ihr Fehlen nennt er eine "grobe Unhöflichkeit gegenüber dem Leser".
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004
Sogar noch besser als in seinen Romanen kann man mit diesen Essays von Wilhelm Genazino lernen, die "Wahrnehmungshektik abzulegen", meint Rezensentin Kristina Maidt-Zinke. Die Essays sind zwar zu ganz verschiedenen Anlässen und Zeiten entstanden, zu denen die Rezensentin keine Informationen liefert, sie bilden in ihrer Gesamtheit jedoch so etwas wie eine "Einheit" in ihrem Augenmerk auf die genaue Wahrnehmung und in ihrem "respektvollen Beobachtungsdrang", so die Rezensentin. Seien es Erörterungen zu Schriftstellern oder Philosophen, die dem Autor am Herzen liegen, oder sei es Genazinos besondere "Phänomenologie des Scheiterns", in der er Außenseiter und Randexistenzen in den Blick nimmt, stets bringe Genazino seine Leser "so sanft wie unwiderstehlich", dazu, "genauer hinzusehen". Und wer sich auf die "Geduld und Behutsamkeit" des Autors einlässt, wird auch mit der "Nachhaltigkeit" dieser Essays belohnt, verspricht Maidt-Zinke angeregt.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Von Lesern empfohlene Bücher
Erhard Oeser: Das Reich des Mahdi
Mit 33 Abbildungen. 1885 erschütterte die westliche Welt die Nachricht vom Fall der Stadt Khartum und der brutalen ...
Lukas Hartmann: Räuberleben
Geächtet, verteufelt, gejagt das ist das Schicksal des Räuberhauptmanns Hannikel und seiner Familie. Ein historischer ...
Archiv: Bücherschauen
Krisen des modernen Ichs
26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3
07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen
Goncalo M. Tavares: Die Versehrten
19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen
Laszlo Vegel: Sühne
12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen







