Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Wilhelm Genazino

Der gedehnte Blick

Essays

Cover: Der gedehnte Blick

Carl Hanser Verlag, München 2004
ISBN-10 3446205284
ISBN-13 9783446205284
Gebunden, 191 Seiten, 17,90 EUR

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Klappentext

Was macht komische Bücher komisch? Was macht erfolglose Autoren erfolglos? Wilhelm Genazino denkt nach über Theodor W. Adornos Humor, über Fotografien, über das Lachen und andere Begebenheiten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.01.2005

Eines muss jeder Leser nach der Lektüre von Wilhelm Genazinos Textsammlung begriffen haben, meint Hubert Winkels: "Der Verächter des permanenten Entertainment-Feuerwerks ist selbst ein begnadeter Feuerwerker." Indem er die Bedeutung seiner Gegenstände erfindet, lässt er Bedeutung "explodieren", wo vorher nichts war und erweist sich als "poetischer Ethnograf des Inlands". Drei Hauptthemen macht der Rezensent in den versammelten Feuilletons, Essays und Aufsätzen aus: die Ambivalenz des Scheiterns, die Erkenntnisstruktur des Blicks und die "Komik als dichterische Kraft". Genazino biete nicht nur "geistreiche" Gedanken zu Kafka, Claude Simon oder Literaturpreisen, sondern erweise sich in den "gewichtigeren" Texten auch als "philosophischer Kopf", der allerdings der Dialektik der alten Frankfurter Schule mehr verbunden ist als der ironischen Art, die deren Nachfolgerin pflegt. In den Erzählungen greift Genazino nach dem Motto des "gedehnten Blicks" einzelne Bilder aus dem Fluss des unscheinbaren Alltags heraus und beginnt in aller Ruhe, sie zu betrachten.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.10.2004

Das "Buch zum Preis" - denn, so Martina Meister, Genazino gewährt "Einblick in die Demütigungen und Leiden desjenigen, der fast wider besseren Wissens schreibt" und für den der Büchner-Preis jetzt auch nichts mehr ändert. Nicht, dass ihn die Enttäuschungen je abgehalten hätten - seine Essaysammlung entwerfe eine "Poetik der Nachhaltigkeit". Und damit ist man auch beim "gedehnten Blick" des titelgebenden Essays, bei der Kunst der Wahrnehmung, die Genazino in allen seinen Romanen demonstriert und hier von der anderen Seite darstellt: Wie man "durch intensive, häufige und über einen langen Zeitraum wiederholte Betrachtung in die Dinge eindringen kann". Höhepunkt des Bandes ist für die Rezensentin jedoch ein Essay, "mit dem uns Genazino an jenen seltenen Moment teilhaben lässt, als das Lachen in Adornos Leben wie ein ungebetener Gast einbrach". Genazino Texte, schreibt sie, sind "Beobachtungs- und Denksplitter", die manchmal wirklich "unter die Haut gehen" und etwas hinterlassen: "den schönen Schmerz der Epiphanie."

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2004

Mit Gewinn hat Rezensent Ernst Osterkamp diese "schöne Sammlung" von Reden, Essays und Vorlesungen des diesjährigen Büchnerpreisträgers Wilhelm Genazino gelesen. Denn sie haben ihm offenbart, dass in der Brust des Schriftstellers auch das Herz eines erstaunlich starken Theoretikers schlägt, der über die "Bedingungen und Resultate seines Schreibens" begriffsklar und beobachtungsscharf Rechenschaft abzulegen wisse. Die Reflexionen kreisen um drei thematische Kerne, erklärt unser Rezensent: "das Recht des Autors auf Scheitern", die "komischen Empfindungen" sowie seine "Besonderheit des Sehens", vom Autor selbst als "der gedehnte Blick" bezeichnet. Der gleichnamige Essay des Bandes führt Osterkamp ins Zentrum von Genazinos Poetik .Besonders ergiebig findet der Rezensent jedoch die Reflexionen über den Witz und den Humor, denen es aus seiner Sicht nicht mal schadet, dass sie im Buch im Gestus zitatengesättigter Vorlesung auftreten. Dennoch vermisst er einen Anhang mit Angaben zu Entstehungszeit, -anlass oder Erstpublikation der Texte. Ihr Fehlen nennt er eine "grobe Unhöflichkeit gegenüber dem Leser".

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004

Sogar noch besser als in seinen Romanen kann man mit diesen Essays von Wilhelm Genazino lernen, die "Wahrnehmungshektik abzulegen", meint Rezensentin Kristina Maidt-Zinke. Die Essays sind zwar zu ganz verschiedenen Anlässen und Zeiten entstanden, zu denen die Rezensentin keine Informationen liefert, sie bilden in ihrer Gesamtheit jedoch so etwas wie eine "Einheit" in ihrem Augenmerk auf die genaue Wahrnehmung und in ihrem "respektvollen Beobachtungsdrang", so die Rezensentin. Seien es Erörterungen zu Schriftstellern oder Philosophen, die dem Autor am Herzen liegen, oder sei es Genazinos besondere "Phänomenologie des Scheiterns", in der er Außenseiter und Randexistenzen in den Blick nimmt, stets bringe Genazino seine Leser "so sanft wie unwiderstehlich", dazu, "genauer hinzusehen". Und wer sich auf die "Geduld und Behutsamkeit" des Autors einlässt, wird auch mit der "Nachhaltigkeit" dieser Essays belohnt, verspricht Maidt-Zinke angeregt.

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