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Susanne Kuß
Deutsches Militär auf kolonialen Kriegsschauplätzen
Eskalation von Gewalt zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Klappentext
Für die Kolonialkriege galt nationenübergreifend der einfache Grundsatz: Jede Form der Gewalt - also auch gegen Frauen und Kinder - ist erlaubt, sofern sie der eigenen Kriegführung dient. Wichtiger als die moralische Beurteilung militärischen Handelns ist es deshalb zu begreifen, wie es im Verlauf von Kriegen zu extremen Gewalttaten kommen konnte. Susanne Kuß präsentiert mit dem Konzept des "Kriegsschauplatzes" einen neuen Ansatz, um die Entgrenzung von Gewalt in Kriegshandlungen zu analysieren. In ihrer empirischen Untersuchung der drei "großen" deutschen Kolonialkriege - dem Boxerkrieg in China, dem Herero- und Namakrieg in Deutsch-Südwestafrika, dem Majimaji-Krieg in Deutsch-Ostafrika - zeigt sie, dass Art und Ausmaß der Gewalt durch das situative Zusammenspiel verschiedener Faktoren vor Ort bestimmt wurden.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.08.2011
Der Studie der Freiburger Historikerin Susanne Kuss entnimmt Thomas Speckmann die Erkenntnis, dass zwischen den deutschen Kolonialkriegen und dem rassischen Vernichtungskrieg der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg kein kausaler Zusammenhang besteht. Kuss zeigt ihm, welche Faktoren außer Rassismus, Nationalismus und "Militärkultur" (seltsames Wort) noch bedeutsam waren für die imperialistische militärische Gewalt in den drei großen deutschen Kolonialkriegen (Boxerkrieg, Herero- und Namakrieg, Majimajikrieg). Geografie, Klima, Kultur, Herkunft des Gegners, sein Guerillakampf und andere unwägbare Momente erkennt Kuss als entscheidend für die Kolonialkriege. Rassismus und Propaganda seien dagegen bedeutsam für die Kriege Deutschland gegen Polen und die Sowjetunion 1939 und 1941. So differenziert Kuss die Handlungsbedingungen für die Soldaten analysiert, so klar ist dem Rezensenten doch eines: Die historische Verantwortung für die deutschen Kolonialkriege bleibt bestehen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.08.2011
Um den deutschen Sonderweg auf kolonialen Kriegsschauplätzen zu begründen gibt das Buch von Susanne Kuss dem Rezensenten wenig bis gar keine Mittel in die Hand. Gut so, findet Christoph Jahr, der sich den Band als Unruhestifter innerhalb zukünftiger Forschung wünscht. Die Linie von den deutschen Kolonialkriegen zum Nationalsozialismus mit dem Rassismus als Legitimationsideologie sieht er als obsolet an. Die Autorin unterstützt ihn mit bei Deleuze und Foucault geliehenen Konzepten und einem lineare Kausalität verweigernden Ansatz, ohne jedoch, das betont Jahr, beliebig zu werden. Im Gegenteil weiß die Autorin seiner Meinung nach zu bedenken, was zu bedenken nottut: politische und ökonomische Interessen, Klima, Topografie, Bewaffnung, Ausbildung und Ausrüstung der Soldaten etc. Dem Herero-Nama-Genozid in Deutsch Südwestafrika, dem chinesischen Boxeraufstand und dem Maji-Maji-Aufstand in Deutsch-Ostafrika kann sie laut Jahr so neue Facetten abgewinnen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2011
Bemerkenswert scheint Rezensent Michael Epkenhans diese Studie über die Eskalation der Gewalt auf den deutschen kolonialen Kriegsschauplätzen von Susanne Kuß. Er weist darauf hin, dass die Autorin die gängige These, es gebe eine Kontinuität von den Kolonialkriegen zu den Verbrechen des NS-Regimes anzweifelt. Der Verdacht, Kuß gehe es um Apologie, erhärtet sich für ihn angesichts ihrer schonungslosen Darstellung der brutalen Gewalt deutscher Militärs in den Kolonialgebieten nicht. Deutlich wird für Epkenhans allerdings der kategoriale Unterschied zwischen dem Rassismus deutscher Kolonialpolitik und der auf systematische rassische Vernichtung angelegten NS-Ideologie. Ob Kuß ihre "kritische Position hinsichtlich der Kontinuitätsthese" halten kann, wird die weitere Diskussion seines Erachtens zeigen.
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