Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Uwe Schulte-Varenhoff

Kolonialheld für Kaiser und Führer

General Lettow-Vorbeck. Eine Biografie

Cover: Kolonialheld für Kaiser und Führer

Ch. Links Verlag, Berlin 2006
ISBN-10 3861534126
ISBN-13 9783861534129
Kartoniert, 217 Seiten, 24,90 EUR

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Klappentext

Bis heute umgibt den hoch dekorierten Soldaten des Ersten Weltkrieges der Mythos des unbesiegten, ritterlich kämpfenden und genialen Generals, der mit seinen "treuen" Askari einer gewaltigen Übermacht getrotzt hat und das deutsche Kolonialreich tapfer verteidigte. Dazu trug nicht zuletzt sein Erinnerungsband "Heia Safari!" bei. Die Bundeswehr benannte nach ihm Kasernen, in zahlreichen westdeutschen Städten tragen Straßen noch den Namen Lettow-Vorbeck. Doch sein brutales und skrupelloses Vorgehen gegen die Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) und seine grausame Kriegsführung in Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) werden dabei ebenso ausgeblendet wie seine Beteiligung am reaktionären Kapp-Putsch 1920 in Deutschland und seine Unterstützung der Nationalsozialisten. Hitler diente er als begeisterter Kolonialpropagandist. Uwe Schulte-Varendorff hat über Jahre die Akten des Reichskolonialamtes, der Deutschen Kolonialgesellschaft, des Reichsjustizministeriums, des Reichsministeriums des Innern, der Reichskanzlei und des Reichslandbundes ausgewertet, um auf neuer Quellengrundlage eine umfassende kritische Biografie vorzulegen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.08.2007

Überzeugend findet Jürgen Zimmerer dieses Buch über General Paul von Lettow-Vorbeck, das Uwe Schulte-Varendorff vorgelegt hat. Es schließt seiner Ansicht nach eine Lücke in der deutschen Kolonialgeschichtsschreibung. Zimmerer betrachtet Lettow-Vorbeck, der während des Ersten Weltkriegs in Ostafrika für Tod von Millionen Menschen verantwortlich war, als einen der "größten Kriegsverbrecher in der deutschen Geschichte". Dessen ungeachtet genoss der General nicht nur im Dritten Reich hohes Ansehen, sondern auch in der Bundesrepublik, wo zahlreiche Bundeswehr-Kasernen nach ihm benannt wurden. Um so dankbarer ist Zimmerer dem Autor dafür, die Mythen um Lettow-Vorbeck aufzulösen. Deutlich wird für ihn der rücksichtslose militärische Ehrgeiz des als Kriegshelden gefeierten Generals, sein Rassismus und Nationalismus, seine Verinnerlichung des Führerprinzips. Allerdings hätte er gern mehr über die Rolle des Generals im Dritten Reich erfahren. Der Feststellung des Autors, es gebe nichts an Lettow-Vorbeck, das "heute noch verehrungswürdig" sei, kann er uneingeschränkt zustimmen.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2007

Als längst fällig, materialreich und sachlich lobt Rezensent Andreas Eckert diese Biografie des deutschen Kolonialhelden Paul von Lettow-Vorbeck. Nach Lektüre der Studie des Osnabrücker Historikers scheint dem Rezensenten dieses Heldenprädikat jedoch ziemlich zweifelhaft geworden, und von Lettow-Vorbeck insgesamt als Namenspatron für Kasernen demokratischer Armeen untauglich zu sein, wo sein Name bis heute zählt. Auf der Grundlage eines "reichen Quellenfundus" und fundierter Recherche zeichne Uwe Schulte-Varendorff Lebensweg und Schlachten dieses Mannes nach, belege, dass von Lettow-Vorbeck nicht nur ein äußerst brutaler Dienst- und Feldherr, sondern ein strammer Antisemit gewesen sei, der sich auch vor den Nazi-Karren habe spannen lassen.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren