Sebastian Liebold

Kollaboration des Geistes

Deutsche und französische Rechtsintellektuelle 1933-1940
Cover: Kollaboration des Geistes
Duncker und Humblot Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783428137411
Broschiert, 352 Seiten, 78,00 EUR

Klappentext

Deutsche und französische Rechtsintellektuelle einte nach 1933 bei allen Unterschieden die Kritik an der Demokratie Frankreichs. Denker der intellektuellen Kollaboration sind zwischen eigenen autoritären Ansätzen und der Vorbereitung der Niederlage von 1940 im Sinne der Nationalsozialisten anzusiedeln. Sebastian Liebold analysiert das deutsche Frankreichbild von Friedrich Sieburg, Karl Epting und Johannes Stoye und beleuchtet anhand von ausgewählten Schlüsselwerken die Rolle des Bürgers, die Zivilisationsidee und geopolitische Fragen der späten Dritten Republik. Mit Büchern von André Germain, Alphonse de Châteaubriant und Bertrand de Jouvenel zeichnet er das französische Deutschlandbild nach, das den vermeintlichen Willen zur Verständigung, das Führerprinzip und die Rolle der Jugend betonte. Der Vergleich zeigt: Für die Deutschen erschien die (nur) autoritär wahrgenommene Diktatur als Chiffre von "Modernität", für die Franzosen als erwünschte "Restauration" vorrevolutionärer Ordnungsideen. Als Wegbereiter der politischen Kollaboration von Vichy hießen die Autoren ein autoritär beherrschtes Europa gut, dessen geistiger Grund 1945 zusammenbrach. Sieburg und Jouvenel blieben viel gelesen und umstritten. Erinnerungskultur bedeutet hier: Wachsamkeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2013

Als Bereicherung der deutsch-französischen Ideengeschichte taugt die Studie von Sebastian Liebold laut Bernhard Gotto durchaus. Nur das selbstgesteckte Ziel des Nachweises einer Kollaboration deutscher und französischer Intellektueller avant la lettre erreicht der Autor seiner Meinung nach nicht. Die gewagte These beißt sich, meint Gotto, selbst in den Schwanz, da der Autor die Texte zu den von ihm ausgewählten Rechtsintellektuellen (Sieburg, Chateaubriand, Stoye u.a.) zwar stringent und empirisch gut geerdet aufbaut, methodisch jedoch mangelhaft bleibt. Zirkelschlüsse statt neue Ansätze der Intellektuellengeschichte, falsche Analogien statt klare Definitionen - für Gotto hält der Band nicht, was er verspricht.

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