Bücherschau der Woche
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Ralf Dahrendorf
Auf der Suche nach einer neuen Ordnung
Eine Politik der Freiheit für das 21. Jahrhundert
Klappentext
In seinen Analysen stellt Ralf Dahrendorf dar, welche Gefahren der liberalen Ordnung in den demokratisch verfassten Staaten drohen und welche Hindernisse ihrer Etablierung in Ländern im Wege stehen, die sie kaum oder nie gekannt haben. In den westlichen Demokratien ist die Freiheit durch die demokratischer Willensbildung entzogene Globalisierung und den neuen illiberalen Regionalismus bedroht, aber auch gefährdet durch einen politischen Autoritarismus und sein Pendant, die Apathie der Bürger. In der postkommunistischen Welt können die gerade zur Demokratie Bekehrten an ihr schon wieder zu zweifeln beginnen, weil der Wohlstand, den man mit einer demokratischen Verfassung verschwistert glaubt, sich nicht einstellen will. In den Ländern der "Dritten Welt" schließlich können gerade die Modernisierungsprozesse mit ihren großen Verheißungen und kleinen Fortschritten gefährliche Gegenbewegungen bis hin zum religiösen Fundamentalismus und zum Terrorismus auslösen.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Ralf Dahrendorf - eine Leseprobe bei C.H. Beck
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.07.2003
Ralf Dahrendorfs Analyse der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bietet nach Ansicht von Rezensent Dieter Rulff "bewährte Antworten" und offenbart ganz nebenbei, wie weit die FDP mittlerweile von ihrer einstigen Bestform entfernt ist. Wie Rulff ausführt, erschöpft sich für Dahrendorf der Fortschritt nicht in der Entfaltung des Marktes, sondern bemisst sich nach der Ausweitung menschlicher Freiheit. Während Rulff dem "anspruchsvollen Freiheitsbegriff" Dahrendorfs Beifall spendet, scheinen ihm dessen Überlegungen zum Gerechtigkeitsprinzip "relativ dürftig". Orientierungspunkte für die aktuellen sozialpolitischen Kontroversen liefere Dahrendorf kaum. Allerdings merkt Rulff an, dass sich die Bürgergesellschaft, die Dahrendorf vorschwebt, ohnehin unabhängig von staatlicher Beeinflussung und Förderung entfalte. Gegen die Vorstellung einer globale Demokratie plädiert Dahrendorf ferner für den Ausbau des Rechts, das Festhalten am Nationalstaat als dem Rückgrat der Verfassung, die Freiheit und die Bürgergesellschaft, in denen er Bollwerke gegen den "Autoritarismus" erkennt, berichtet Rulff. Zwar ist Dahrendorfs Therapie "nicht frei von Gesundbeterei", resümiert der Rezensent, doch tue das der Klarheit seiner Analyse keinen Abbruch.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.06.2003
Amerikanischer Unilateralismus, die Rolle internationaler Organisationen beim Konfliktmanagement in Zeiten des Terrors und Kriege im Namen der Freiheit sind kontrovers diskutierte Themen, welche von Dahrendorf in seinem neuen Werk umrissen werden. Tobias Dürr sieht darin einen Geniestreich und feiert Dahrendorf, wenn er etwa behauptet: "Wenige Denker nur können die Frage nach den Vorraussetzungen und Problemen einer Politik der Freiheit unter den Bedingungen globaler Krisen und Umbrüche mit so viel intellektueller Autorität aufwerfen, wie der große liberale Soziologe und Freiheitspolitiker Ralf Dahrendorf." Wer seinen Argumentationen folge, der begreife, weshalb die Ordnungsmuster und Organisationen des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr funktionieren, meint Dürr. Seine Thesen habe der Autor so knapp und präzise formuliert, "wie es derzeit wohl keinem zweiten Autor deutscher Sprache gelingt." Obwohl nach Dahrendorf "Zeiten des Wandels immer auch Zeiten der Auflösung" sind, bleibe er der optimistischen Tradition seines sozialen Liberalismus treu: "Der Kompass, der den Weg durch diese noch unkartierte Landschaft weisen soll, ist auf Freiheit gestellt."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2003
Der Band versammelt sechs Vorlesungen, die der Soziologe Ralf Dahrendorf zwischen 2001 und 2002 am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen zur "Politik der Freiheit im 21. Jahrhundert" hielt. Und wie Dahrendorfs gesamtes Denken, schreibt Rezensent Martin Meyer, kreisen auch die Vorlesungen um die Pole Freiheit und Ordnung. Dahrendorf argumentiert dabei, wie Meyer zusammenfasst, für eine Verfassung der Freiheit, für ein System von Rechten und Normen, das die Freiheit vor ihren Gegenkräften ebenso schützen soll wie vor den Gefahren eines überzogenen Freiheitsbegriffs: Denn Freiheit, die sich absolut setzt, münde zwangsläufig in Anomie, lautet Dahrendorfs Grundthese. Wer nun aber von Dahrendorf "rasche Antworten" erwarte, den warnt der Rezensent vor einer Enttäuschung: Theorien und Maximen seien Dahrendorfs Sache nicht. Die Stärke seiner Gedanken und dieses Buches, meint Meyer, liege vielmehr in der Analyse und "deskriptiven Insistenz".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2003
Pointiert formuliert findet ein trotzdem leicht enttäuscht wirkender Rezensent Hans-Peter Schwarz diese Studie, an der ihm zahlreiche Provokationen "leicht hingetupft" erscheinen, er aber auch "Nachdenkliches, Begrüßenswertes oder Anstößiges" findet. Insgesamt erscheint ihm der "radikal-demokratische Liberale zum Liberal-Konservativen mutiert". Die Fixsterne von Dahrendorfs universal konzipierter, dynamischer "Angebotstheorie" seien nach wie vor die Freiheit der Individuen und Nationen, die Schaffung günstiger Bedingungen zur Eigenständigkeit sowie die Verbreitung der Lebenschancen. Doch findet Schwarz das dominierende Leitmotiv eines optimistischen Liberalismus in diesem Buch mit einem zweiten, recht düsteren Leitmotiv verwoben: "Wir befinden uns in einer Welt ohne Halt - keiner kann sie halten und wir finden in ihr keinen Halt." An das Problem, wie Sicherheit in Freiheit und die gebotene Strenge gegenüber Gesetzesbrechern und Terroristen vereinbar sein könnten, sieht der Rezensent Autor Dahrendorf sich nur mit vorsichtigen Fragen herantasten. Auch bekommt Europa keine guten Noten, lesen wir, weshalb für Dahrendorf ein Weg voran nur als rückhaltloser Verbündeter der USA denkbar ist.
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