Fünf Tage hat Paul Hauser Zeit, sein Leben zu bilanzieren, fünf Tage, in denen er allein in dem spanischen Provinzstädtchen Cunit auf die Rückkehr seiner Frau wartet, der er eigentlich hinterherreisen wollte. Ihm bleibt nur: Warten, Bangen, Spekulieren, sich die Zeit vertreiben. Hellwach und zugleich traumverloren erkundet der Ruhelose die Umgebung, trifft Einheimische, treibt sich in den Kneipen herum. Aber alles, was er erlebt, ruft Bilder der Vergangenheit in ihm auf. Nicht nur die Ehe mit Kristina ist fragwürdig geworden; der eigene Lebensentwurf, ebenso derjenige der Freunde, die Beziehungen zu anderen Menschen überhaupt - alles wird einer radikalen Revision unterzogen. Und endlich hat der auf sich selbst zurückgeworfene Mann Gelegenheit, der Geschichte seines Vaters nachzufragen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2000
Alexandra M. Kedves kann diesem Roman nicht viel abgewinnen. Ihrer Ansicht nach ist es dem Autor nicht gelungen, "eine schöne, leise Erzählung über Verpasstes" zu schreiben, wofür sie in erster Linie die Überladenheit verantwortlich macht. Denn für so eine kurze Geschichte sind die Themen, wie sie findet, einerseits zu groß, andererseits auch zu "verbraucht": Vater-Sohn-Konflikt, Tod des Vaters, eine gescheiterte Ehe. Auch der durchgängige Grauton des Buchs stört sie, die Litaneien, die selbst vor einem "Zigarettenstummel in der Kloschüssel" nicht halt machen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.06.2000
Der Bücherrevisor Paul Hauser aus Frankfurt erlebt den Zerfall seines Lebens "als Vorstufe des Todes": ein alter Schulfreund ist gestorben, seine Frau trennt sich von ihm und sein Vater liegt im Sterben; überall trifft er zudem auf Spuren sinnloser Zerstörung und Gewalt. Stefan Reinhardt bespricht dieses Werk eines Kollegen - Hennings ist Literaturkritiker in Frankfurt am Main - mit freundlicher Sympathie. Jedoch merkt er an, dass der Roman stilistische Unebenheiten aufweist und die Dichte seines Vorgängers ("Tod eines Eisvogels") nicht erreicht.
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