Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Jochen Beyse

Fremdenführung

Erzählung

Cover: Fremdenführung

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN-10 3518122061
ISBN-13 9783518122068
Taschenbuch, 110 Seiten, 7,62 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Mit "Fremdenführung" legt Jochen Beyse eine Erzählung vor, die mit den vorangegangenen Texten "Bar Dom" und "Ferne Erde" eine Trilogie zum Abschluss bringt. Inneres Thema auch dieser Erzählung: die Affäre des Nachdenkens über ein beziehungslos gewordenes Ich, das den Gang durchs eigene Leben als Fremdenführung erlebt. Der feste Betrachtungsrahmen löst sich auf - und mit ihm schwindet die Distanz. Die Bilder entwickeln ihre eigene Sprechweise; sie treten dem Leser als Umrisse einer Lebensgeschichte entgegen, kommen tastend näher, werden von anderen ausgelöscht. Was diese Art Fremdenführung von innen bedroht - das komplizierte, sich unablässig verändernde System der Orientierung -, schärft zugleich den Blick für die Wege, die zu weit führen und die man gerade deshalb betreten muss.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.02.2002

Jochen Beyse hat in rund einem Dutzend Prosawerken "seinen Kosmos von verschlungenen Paradoxien" entfaltet, beginnt Bruno Steiger seine Rezension. Beyses Anliegen sei das "kritische" Erzählen, und der Roman "Unstern" von 1991 stelle unter diesem Aspekt einen erster Höhepunkt dar. In "Fremdenführung", so Steiger, scheint sich der Autor eine "strenge Reduktion" auferlegt zu haben, die jegliche Bildhaftigkeit der Gedanken und Vorstellungen ausschließe. Der Erzähler dieses schmalen Bändchens, das den Abschluss einer Trilogie darstellt, habe das Gefühl, dass " 'der Mensch' nur gerade noch an seinem Verschwinden zu erkennen" sei, was ihn dazu bringe, "das Gespensterleben zu registrieren", um die "Zwielichtigkeit seines So- und Hierseins" zu ergründen. Was die Sprache dieses an Beckett und Karl Valentin geschulten Autors angehe, so haben gängige Erzählmuster, aber auch "die gute alte Phantasie" hier keinen Platz, erklärt der Rezensent. Er verspricht jedoch "viel an ästhetischem Gewinn" und sogar Lesevergnügen an Beyses Kunst, die, wie er abschließend feststellt, zur Zeit ziemlich einzigartig ist.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.06.2001

Hansjörg Graf hat sich diese Erzählung ("halb Selbstgespräch, halb Geisterbeschwörung") ganz genau angesehen. Dabei ist er auf ein Paradoxon gestoßen, das in das Zentrum des Textes führt, und das für ihn besteht "in einem ungelösten Konflikt zwischen der wiederholt formulierten Absicht des Protagonisten, auf Distanz zu sich und seinen Erinnerungen gehen zu wollen, und der ästhetischen Umsetzung dieser Intention." Der Leser, so Graf, werde schließlich gewahr, dass der Icherzähler "exklusiv" mit sich selbst beschäftigt und gar nicht in der Lage sei, aus seinem Teufelskreis auszubrechen. Wieso dem Autor dennoch eine "Parabel von der Isolation des Geistes am Beginn des neuen Jahrhunderts" gelungen ist, lässt sich mit Graf damit erklären, dass hier ein Zustand abgebildet wird, der zeigt, wie mit der uns allen inzwischen hinlänglich vertrauten "Vernetzung des Einzelnen die Sprachlosigkeit der User auf die Spitze" getrieben wird. "Böse", wie es der Rückseitentext des Buches bezeichnet, böse kann Graf das alles aber nun gar nicht finden.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren