Bücherschau der Woche
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Klappentext
Mit "Fremdenführung" legt Jochen Beyse eine Erzählung vor, die mit den vorangegangenen Texten "Bar Dom" und "Ferne Erde" eine Trilogie zum Abschluss bringt. Inneres Thema auch dieser Erzählung: die Affäre des Nachdenkens über ein beziehungslos gewordenes Ich, das den Gang durchs eigene Leben als Fremdenführung erlebt. Der feste Betrachtungsrahmen löst sich auf - und mit ihm schwindet die Distanz. Die Bilder entwickeln ihre eigene Sprechweise; sie treten dem Leser als Umrisse einer Lebensgeschichte entgegen, kommen tastend näher, werden von anderen ausgelöscht. Was diese Art Fremdenführung von innen bedroht - das komplizierte, sich unablässig verändernde System der Orientierung -, schärft zugleich den Blick für die Wege, die zu weit führen und die man gerade deshalb betreten muss.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.02.2002
Jochen Beyse hat in rund einem Dutzend Prosawerken "seinen Kosmos von verschlungenen Paradoxien" entfaltet, beginnt Bruno Steiger seine Rezension. Beyses Anliegen sei das "kritische" Erzählen, und der Roman "Unstern" von 1991 stelle unter diesem Aspekt einen erster Höhepunkt dar. In "Fremdenführung", so Steiger, scheint sich der Autor eine "strenge Reduktion" auferlegt zu haben, die jegliche Bildhaftigkeit der Gedanken und Vorstellungen ausschließe. Der Erzähler dieses schmalen Bändchens, das den Abschluss einer Trilogie darstellt, habe das Gefühl, dass " 'der Mensch' nur gerade noch an seinem Verschwinden zu erkennen" sei, was ihn dazu bringe, "das Gespensterleben zu registrieren", um die "Zwielichtigkeit seines So- und Hierseins" zu ergründen. Was die Sprache dieses an Beckett und Karl Valentin geschulten Autors angehe, so haben gängige Erzählmuster, aber auch "die gute alte Phantasie" hier keinen Platz, erklärt der Rezensent. Er verspricht jedoch "viel an ästhetischem Gewinn" und sogar Lesevergnügen an Beyses Kunst, die, wie er abschließend feststellt, zur Zeit ziemlich einzigartig ist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.06.2001
Hansjörg Graf hat sich diese Erzählung ("halb Selbstgespräch, halb Geisterbeschwörung") ganz genau angesehen. Dabei ist er auf ein Paradoxon gestoßen, das in das Zentrum des Textes führt, und das für ihn besteht "in einem ungelösten Konflikt zwischen der wiederholt formulierten Absicht des Protagonisten, auf Distanz zu sich und seinen Erinnerungen gehen zu wollen, und der ästhetischen Umsetzung dieser Intention." Der Leser, so Graf, werde schließlich gewahr, dass der Icherzähler "exklusiv" mit sich selbst beschäftigt und gar nicht in der Lage sei, aus seinem Teufelskreis auszubrechen. Wieso dem Autor dennoch eine "Parabel von der Isolation des Geistes am Beginn des neuen Jahrhunderts" gelungen ist, lässt sich mit Graf damit erklären, dass hier ein Zustand abgebildet wird, der zeigt, wie mit der uns allen inzwischen hinlänglich vertrauten "Vernetzung des Einzelnen die Sprachlosigkeit der User auf die Spitze" getrieben wird. "Böse", wie es der Rückseitentext des Buches bezeichnet, böse kann Graf das alles aber nun gar nicht finden.
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