Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Russischen von Valeria Jäger und Erich Klein. In den beiden Meistererzählungen skizziert die wohl größte lebende russische Dichterin anhand zweier entscheidend zeitverschobener Reisen das klassische Verhältnis von Geist und Macht und berichtet von den Befindlichkeiten der Intelligenzija in Zeiten des Umbruchs.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.11.2000
In einer liebevollen Kritik beschreibt Schamma Schahadat die Autorin als eine Außenseiterin der sowjetischen Literatur, die erst nach der Wende zu nationalen und internationalen Ehren kam. Da sie sich als "Unbehauste" fühlte, dränge sich das Reisen als reale Tätigkeit wie als Metapher für ihr Schreiben geradezu auf. Dabei legt die Rezensentin sehr schön dar, wie Sedakova etwa bei der "Reise nach Brjansk", die 1984 stattfand und in der die Autorin in einer Provinzstadt vor den üblichen Kollektiven lesen musste, slapstickhafte Situationen des kommunistischen Alltags mit ästhetischen und politischen Überlegungen verbindet. Der "innere Monolog zwischen Ich und Ich", der hier geführt werde, gebe ganz nebenbei Aufschluss über das Schreiben unter totalitärem Zwang.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.08.2000
Ralph Dutli beschreibt sehr anschaulich die Reiseberichte der 1949 geborenen Lyrikerin Olga Sedakova, und führt den Leser dabei aufs Glatteis. Erst scheint es, als habe ihm das Buch gar nicht gefallen, wenn er abfällig bemerkt, "was in dem zähen Text alles zitiert wird, geht auf keine Kuhhaut", er möchte Sedakova sogar am liebsten in " Zitatowa" umtaufen. Dann beweist er jedoch, dass auch nicht so gelungene Texte interessant sein können, denn Sedakovas Zitate, die westlichen Lesern als "monumentale Verschmocktheit" erscheinen müssten, waren für Gleichgesinnte in der Sowjetunion eine "zu entschlüsselnde Geheimschrift", erklärt Dutli. So sei "Reise nach Brjansk" auch eine Beschreibung der "inoffiziellen Rückzugskultur". Dennoch scheint Dutli der zweite Reisebericht des Buchs, die "Reise nach Tartu", besser gefallen zu haben. Hier revanchiere sich Sedakova, die zum Begräbnis des Kultursemiotikers Jurij Lotman 1993 ins estnische Tartu fahren wollte, mit "bissigen Bermerkungen" an den "vorschriftsmäßig nicht denkenden Exekutoren" behördlicher Vorschriften, freut sich Dutli.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2000
Ulrich M. Schmid gibt in seiner Rezension zunächst einen kurzen Überblick über die Tradition der "Gattung des Reiseberichts" in Russland. Anknüpfend an Venedikt Jerofejews Schilderung der "tristen Sowjetrealität" setzt Olga Sedakova seiner Ansicht nach diese Tradition fort, insbesondere mit ihrem bereits 1984 entstandenen Text "Reise nach Brjansk". Hier schildere die Autorin die Möglichkeit einer "literarischen Gegenwelt", die es der Protagonistin gleichzeitig ermöglicht, die Wirklichkeit besser zu erfassen. In der zweiten Geschichte, "Chronik" (1999) beschreibe die Autorin mit einer "Mischung aus Erleichterung und Wehmut" die Loslösung Estlands von der Sowjetunion und die Folgen, da Estland für sie bis dahin den europäischen Teil der Sowjetunion und somit eine kulturelle Bereicherung verkörperte. Jetzt aber könnten Russen "nur noch Besucher" an diesem Ort sein. Die Schwierigkeiten, die das in dieser Hinsicht nach sich zieht, sieht Schmid von Sedakova offenbar eindringlich geschildert.
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