Aus dem Archiv

Navid Kermani

Iran. Die Revolution der Kinder

C. H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406473999
Gebunden, 264 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Navid Kermani beschreibt den dramatischen Umbruch in der gegenwärtigen iranischen Gesellschaft, der langfristig einer "zweiten Revolution" gleichkommt. Sie wird vor allem von einer weltoffenen jungen Generation, den Kindern der Islamischen Revolution von 1979, vorangetrieben. Kermani stellt die Kontrahenten und Fraktionen vor, die die politische Bühne beherrschen, und erklärt gleichzeitig, warum die Hoffnung auf grundlegende Veränderungen sich weniger auf einzelne Reformpolitiker, als auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung richten sollte. Er beschreibt aber auch, mit welcher Brutalität sich die beharrenden Kräfte gegen den Wandel wehren und wie sie die Anwendung von Gewalt religiös rechtfertigen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.07.2001

Mit dem Iran werden in unserem Kulturkreis schnell eine ganze Reihe von Stereotypen wie religiöser Fanatismus, Unterdrückung der Frauen und die Finanzierung radikaler Gruppen assoziiert, schreibt Christina Erck. Dass aber das iranische Parlament mehrheitlich mit Reformern besetzt ist und der bei uns als liberal geltende ehemalige Präsendent Ali Akbar Hashemi Rafsanjani nicht wirklich auf Veränderungen, sondern auf die Erhaltung konservativer Machtstrukturen aus ist, ist hier kaum bekannt. Das Buch des in Deutschland aufgewachsenen Iraners Navid Kermani hat der Rezensentin die Augen geöffnet. Der Autor habe Hintergründe, geschichtliche, politische und religiöse Traditionen sehr genau ausgeleuchtet und lege überzeugend dar, dass die iranische Bevölkerung und zahlreiche Politiker Reformen anstrebten, derer sich sie Regierung nicht mehr lang erwehren könne. Macht, Filz und mafiöse Strukturen der Machthaber im Iran würden hier kundig und anschaulich analysiert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.06.2001

Wer einen Einblick aus erster Hand in die Entwicklungen im Iran gewinnen möchte, greife zu diesem Buch, empfiehlt Stefan Weidner. Navid Kermanis Iran-Berichterstattung über die letzten fünf Jahre beleuchten nahezu alle Aspekte der gegenwärtigen iranischen Gesellschaft, lobt er. Weidner gibt einen kleinen Einblick in die Informationen, die den Leser bei der Lektüre erwarten und die zum besseren Verständnis des für den Mitteleuropäer oft unverständlichen Wechselbades zwischen Reformkurs und reaktionären Rückschlägen in diesem Land beitragen. Das Besondere an diesem Buch aber sei, hebt der Rezensent hervor, dass der Autor bei allen Themen von persönlichen Begegnungen ausgehe. Seine Berichte seien mehr als bloße Reportagen. Weidner empfindet sie als kleine Minidramen, deren Inszenierung zum besseren Verständnis des Iran beitrügen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.06.2001

Eine sichere Analyse der jüngsten Geschichte und künftigen Entwicklung des Irans ist kaum zu leisten, meint Bahman Nirumand, und um so lobenswerter und gelungener erscheint ihm Navid Kermanis Versuch, in Momentaufnahmen den "qualvollen Entwicklungsprozess" eines islamistisch regierten Landes zur Demokratie zu beleuchten. Die Momentaufnahmen speisten sich überwiegend aus persönlichen Begegnungen und Erfahrungen des Journalisten und Islamwissenschaftlers Kermani. Grosse Erfolge habe Präsident Chatami nicht vorzuweisen, so Nirumand, und dennoch sei der Iran nicht mehr das gleiche Land wie vor dessen Wahl. Das liege vor allem an den Frauen und Jugendlichen, die sich nicht mehr stumm abspeisen lassen wollten, gibt Nirumand Kermanis Einsichten weiter. Auch den religiösen Aufklärern widme Kermani einige Aufmerksamkeit, die sich zwar mit westlichen Denken auseinandersetzten, aber ihr Aufklärertum aus der eigenen Tradition und Geschichte herleiteten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2001

Rudolf Chimelli ist außerordentlich angetan von Navid Kermanis Buch, das den Status quo der iranischen Gesellschaft beschreibe. Ihm gefällt besonders, dass der Islamwissenschaftler als in Deutschland lebender Perser sowohl über Insiderwissen als auch über einen ausreichend distanzierten Blick auf das Land verfügt und so das richtige "Augenmass" hat: "Wohl selten ist in deutscher Sprache so eindrucksvoll geschildert worden, wie die hohe schiitische Hierarchie funktioniert". Kermani stehe dem Gottesstaat eher kritisch gegenüber, gestehe den Regierenden aber gewisse Erfolge zu, z.B. was die Infrastruktur des Landes angeht. Auch sei der Autor grundsätzlich optimistisch, was das Reformpotential durch die Jugend, die Unzufriedenen und die Oppositionellen angeht und glaubt "gleichsam automatisch (an) einen qualitativen Reform-Sprung", bemerkt der Rezensent - mit einer Prise Skepsis.
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Navid Kermani

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