Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Michael Kittner

Arbeitskampf

Geschichte, Recht, Gegenwart

Cover: Arbeitskampf

C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN-10 3406535801
ISBN-13 9783406535802
Gebunden, 784 Seiten, 39,90 EUR

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Klappentext

Das Werk beginnt mit dem "Streik" der thebanischen Nekropolenarbeiter 1155 v. Chr., führt über die Streiks von Handwerksgesellen und das Zeitalter des Kapitalismus bis in die Gegenwart. Einbezogen werden England und Frankreich, die für die deutsche Entwicklung im 19. Jahrhundert Vorbilder waren. Für die Gegenwart wird ein Vergleich mit westlichen Industrieländern gezogen. Die Darstellung wird anschaulich durch eingehende Fallschilderungen von über 65 Arbeitskonflikten: Vom ersten Arbeitskampf auf deutschem Boden in Breslau 1329 bis zum Streik in der ostdeutschen Metallindustrie 2003. Dabei werden alle berühmten Arbeitskonflikte der deutschen Geschichte ausführlich geschildert: wie z.B. der Aufstand der schlesischen Weber, die Bergbaustreiks im 19. Jahrhundert, der Munitionsarbeiterstreik 1918, der Generalstreik gegen den Kapp-Putsch, der Volksaufstand am 17. Juni in Ostdeutschland, der Streik in Schleswig-Holstein um die Lohnfortzahlung und der Großkonflikt um die 35-Stunden-Woche 1984.

Rezension Perlentaucher

Vor 25 Jahren wären von diesem Buch innerhalb kürzester Zeit 100.000 Exemplare verkauft worden. Englische, französische, italienische Übersetzungen wären längst in Arbeit. Jetzt gibt es lobende Besprechungen von allen Seiten, und das ist es. Michael Kittners "Arbeitskampf" ist eines der wichtigsten Sachbücher der letzten Jahre. Es ist die reich dokumentierte und auch noch bei den scheinbar trockensten arbeitsrechtlichen Erörterungen in jeder Zeile spannend geschriebene Geschichte des Kampfes um Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen - vom Streik der thebanischen Nekropolenarbeiter im Jahre 1155 vor Christus bis zum Streik um die 35-Stunden-Woche in der ostdeutschen Metallindustrie im Jahre 2003 nach Christus. Das gelingt Kittner, weil er den Stoff derartig souverän beherrscht, dass er auch noch bei den scheinbar abgelegensten Vorfällen das entscheidende Moment, den Angelpunkt der Geschichte, dem Leser so plastisch vor Augen stellen kann, dass der dem Glauben erliegt, nun alles verstanden zu haben...
Lesen Sie mehr in Arno Widmanns 'Vom Nachttisch geräumt'

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2006

So ernüchternd das Fazit dieses Bandes, so wertvoll seine Lektüre, meint Nico Fickinger, schlägt allerdings vor, das Buch doch von hinten zu lesen, weil erst im Epilog der (scheiternde) Versuch des Autors offenbar werde, ein in der Geschichte des Arbeitskampfes angelegtes Fortschrittsprinzip auszumachen. Die "erste historische Gesamtdarstellung des Arbeitskampfes", die der Band von vorn gelesen vorstellt, hat Fickinger allerdings gleichfalls beeindruckt. Das vom Autor aufgemachte mächtige Fass an Historie, so erklärt er, schmälere "das Bedauern darüber, dass die Bundesrepublik Deutschland erst auf Seite 596 auftritt." Und wenn der schonungslosen Beschreibung veränderter Bedingungen im Arbeitskampf in diesem Buch keine Gestaltungsvorschläge folgen, so findet der Rezensent auch daran etwas Positives: Es regt zum Weiterdenken an.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.10.2005

Als "wahrhaft allumfassende Beschreibung der Geschichte des Arbeitskampfes" würdigt Heinz Dürr dieses fast 800 Seiten starke Werk von Michael Kittner. Der Autor, langjähriger Justitiar der IG Metall, habe die Materie bis ins letzte Detail bearbeitet - politisch, rechtlich, zeitgeschichtlich. Er spanne einen weiten Bogen - von der Arbeitsniederlegung der thebanischen Nekropolenarbeiter im Jahr 1155 vor Christi bis zu den Arbeitskämpfe in der Bundesrepublik der Gegenwart. Dürr, Aufsichtsratschef der Dürr AG und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der AEG und der Deutschen Bahn, berichtet über seine Begegnung mit dem Juraprofessor Kittner anlässlich der Verhandlungen beim Arbeitskampf der Metallindustrie 1978. Dort habe er ihn als politisch denkenden Professor kennen gelernt, nicht als federfuchsenden Juristen. Entsprechend beurteilt Dürr das Buch: "juristisch präzise mit sehr vielen Quellenangaben, aber im Endergebnis eben doch aus der Sicht eines Beobachters, dem es um die politische und menschliche Seite einer Entwicklung geht". Er lobt das Werk als "ausgewogene historisch Untersuchung", die besonders mit seiner Beschreibung von 61 Arbeitskämpfen fasziniert.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.10.2005

Insgesamt zufrieden ist Rezensent Walther Müller-Jentsch mit Michael Kittners umfangreichem Gesamtüberblick über die Geschichte des Arbeitskampfs, auch wenn er im Detail manches etwas anders beurteilt. Was wohl auch daran liegen mag, dass der Autor langjähriger Justiziar der IG-Metall war. Damit erklärt sich für Müller-Jentsch jedenfalls, dass der emeritierte Juraprofessor nicht nur Ursachen, Formen und Eigenarten des Arbeitskampfes von der Antike bis in die Gegenwart unter die Lupe nimmt, sondern auch das Koalitions- und Arbeitskampfrecht seit dem ausgehenden Mittelalter erörtert. In seiner ausführlichen Besprechung stößt Müller-Jentsch hie und da auf Punkte, die er anders sieht. Für kontrovers erachtet er beispielsweise Kittners These, die Existenz freier Arbeitsplätze sei für das späte Mittelalter nachweisbar. Auch dessen Deutung der Arbeitskämpfe als "Tarifkonflikte" um Lohn- und Arbeitszeitfragen sieht er kritisch. Nichtsdestoweniger wertet er das Buch als "reiche Fundgrube für Sozial- und Rechtswissenschaftler". Über manche Wertung und den "Rechtfertigungsduktus" des Autors sei indes hinwegzusehen. Allerdings kreidet er dem Werk einen "gravierenden Mangel" im Umgang mit Quellen an. Vor allem die summarischen Literaturnachweise, die eine Arbeit mit dem Buch als Nachschlagwerk erschweren, findet er ärgerlich.

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