Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Klappentext
1899 kommt in der Moldavanka, einem Armenviertel der damals aufblühenden Hafenstadt Odessa, ein Kind zur Welt - und das unter rätselhaften Umständen: ein heruntergekommenes Haus, ein erbärmliches Zimmer. Und so vermutet die eilig von einem Straßenjungen herbeigerufene Hebamme angesichts der Schönheit der jungen Mutter zu Recht, dass es sich hier nicht um eine gewöhnliche Geburt handeln kann. So die Vorgeschichte des Romans, der in unserer Zeit in einem New Yorker Hotel beginnt und nach einer hundertjährigen Reise in die Vergangenheit in Odessa endet.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.06.2005
Gut, dass Marc Höpfner sich mit seinem zweiten, "facettenreichen" Roman so lange Zeit gelassen hat, findet Rezensent Sebastian Domsch. Doch hätte es auch noch ein bisschen mehr Zeit sein dürfen, wie sich schnell herausstellt. Denn Höpfner gehe es darum, in Borges-Manier ein Labyrinth zu konstruieren, und Labyrinthe seien naturgemäß arbeitsintensiv. Im Zentrum von Höpfners Geschichte, so der Rezensent, steht der geniale - und verschwundene - Baumeister T. L., dessen Spezialität darin besteht, dreidimensionale Labyrinthe zu entwerfen. Nur ein einziger seiner Entwürfe sei jedoch tatsächlich umgesetzt worden, auf einer Etage eines Hotels. Der Besitzer dieses Hotels, erliegt laut Rezensent mehr und mehr der Faszination, die der Baumeister auf ihn ausübt, und macht sich daran, dessen Leben zu rekonstruieren. Die Figurenkonstellationen des Romans findet Domsch nicht völlig zufriedenstellend. Anders verhalte es sich jedoch bei dem, was den Recherchen des Hoteliers zum Vorschein kommt. Die in Odessa angesiedelten Geschichten aus T. L.s Leben findet der Rezensent "sehr reizvoll" gezimmert und besonders faszinierend, da die Erzählerstimme dieser Episoden nicht eindeutig zuordenbar ist und ein ums andere Mal wieder die Stimme des alten T. L. selbst erscheinen will. Bis zuletzt, so das lobende Fazit des Rezensenten, halte Höpfner die Erzählspannung mit der Frage, "ob sich im Zentrum des Labyrinths nun ein Monster oder ein Mensch verbirgt".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2005
Nach Marc Höpfners Debütroman "Pumpgun" ist Rezensent Kolja Mensing mit großen Erwartungen an dessen zweiten Roman "Trojaspiel" gegangen - um letztlich enttäuscht zu werden. Seine Hoffnung auf eine Literatur, "die sich direkt in die Schusslinie der Wirklichkeit stellt", zu der Höpfners "Pumpgun" Anlass gab, erfüllt sich hier nicht. Stattdessen sieht sich Mensing mit "dem neoromantischen Idealbild des Romans als eines sich endlos verzweigenden Labyrinths von Geschichten" konfrontiert. Interessanter als Höpfners Scheitern an seinen"konzeptionellen Ansprüchen" findet er dessen Darstellung Odessas, das in der historischen Rückschau im zweiten Teil des Romans eine wichtige Rolle spielt. Sieht es für ihn zunächst noch so aus, als könne Höpfner hier mit bisher fehlenden "atmosphärische Qualitäten" punkten, stößt er sich bald an dessen Schilderung der Elendsviertel Odessas, die er als "expressionistische Armutsliteratur" empfindet. Diese verwandle sich zudem bald in "nostalgisch gefärbte Ghetto-Lyrik, die vor keinem Klischee zurückschreckt." Und so resümiert der Rezensent enttäuscht: "Im Innern dieses Romans, der unbedingt ein Labyrinth sein will, wartet nichts. Wirklichkeit ist woanders."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.05.2005
Marc Höpfners Roman "Trojaspiel" sei wie eine Muschel, die sie sich ans Ohr halte, schwärmt Yvonne Gebauer - was sie zu hören bekommt, ist ein verheißungsvolles Rauschen, keine eindeutige Geschichte. Höpfner erzählt viele Geschichten, verknüpft lose Enden, wirre Stränge zu einem sinnvollen Ganzen, zumindest nimmt das die Rezensentin an, denn ganz schlau würden die Leser aus der verschachtelten Konstruktion des Romans nicht, gibt sie zu. Das ist natürlich Absicht, denn das titelgebende "Trojaspiel" steht für die Thematik und Motivik des Labyrinths. Das Labyrinth ist die Obsession der Hauptfigur des Romans, deren Biografie es zu rekonstruieren gilt - der Erzähler allerdings trägt wiederum die gleichen Initialen wie die Person, deren Biografie er detektivisch zu rekonstruieren sucht, erklärt Gebauer die anspruchsvolle Struktur des Romans, in der sich die Rezensentin manchmal wie die Mitarbeiterin eines archäologischen Suchtrupps fühlt. Bei ihren Forschungen ist Gebauer auf geometrische Wunder, historische Skizzen, interessante Reiserouten, unvermutete Höhlenausgänge gestoßen, alles Bruchstücke, die eine interessante Geschichte ergäben, versichert sie.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2005
Sabine Franke ringt es schon mal Bewunderung ab, dass Marc Höpfner nach seinem erfolgreichen Debüt in seinem zweiten "beeindruckend dicken" Buch ein gänzlich anderes Thema anpackt. Diesmal ist es ein historischer Roman, dessen Hauptteil in Odessa um die Jahrhundertwende beginnt. Ein genialer Junge wird geboren, der sich zum Labyrinth-Experten entwickelt, wegen der Judenpogrome aus der Stadt fliehen muss und sein ganzes Leben lang auf der Flucht bleibt. Ein Jahrhundert später macht sich ein Deutscher in New York mit drei weiteren "Desperados" auf die Suche nach den Lebensspuren dieses Mannes. Als "Kompositionsprinzip" seines Romans hat sich der Autor das in Vergils Aeneis beschriebene "Trojaspiel" zur Vorlage genommen und lässt sein gesamtes Personal in ihren Such- und Fluchtbewegungen die selben "labyrinthischen Linien" beschreiten, wie Vergils Trojaner, die damit ihre "Unangreifbarkeit" sichern wollten, stellt die beeindruckte Rezensentin fest. Bei aller "Raffinesse" des Romanentwurfs, die Franke dem Autor fraglos zugesteht, findet sie allerdings, dass er doch "so manchen Kniff im Irrgarten" seiner Geschichte "zu viel" untergebracht hat. Das mach es den Lesern schwer, alle "Grundkonturen" des Romans im Auge zu behalten, zudem unterminiere es seine "Prägnanz", moniert die Rezensentin. Trotzdem preist sie das Buch als einen "Schmöker", der das Attribut Roman wirklich verdient und eine Menge komischer und kluger Einfälle zu bieten hat.
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