Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Englischen übersetzt von Hans-Christian Oeser. Hans Fallada lebte viele Leben und viele auf einmal: als Trinker, Morphinist, Gefängnisinsasse, als liebevoller Familienvater und manischer Schreiber. Sein Werk reicht vom Welterfolg Kleiner Mann - was nun? bis zu Belanglosem. Auch hier extreme Gegensätze... Die irische Fallada-Forscherin Jenny Williams beschreibt die widerspruchsvolle Biografie gestützt auf Quellen, die in diesem Ausmaß bisher noch nicht erschlossen wurden. Dazu gehören vor allem die zahlreichen Briefe aus dem Fallada-Archiv, die unveröffentlichten Erinnerungen der Eltern und persönliche Gespräche mit Anna (Suse) Ditzen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.09.2002
Nicht nur zeitliche, auch räumliche Distanz tut manchmal gut, weiß der mit "cav" zeichnende Rezensent und sieht sich im Fall der jüngsten Hans-Fallada-Biographie aus der Feder der irischen Germanistin Jenny Williams bestätigt. Erst ihr sei es möglich gewesen, die unterschiedlichen biografischen Deutungsmodelle der DDR- und der BRD-Germanisten miteinander zu verknüpfen und die Lebensgeschichte dieses Schriftstellers einer differenzierten Würdigung zu unterziehen. "cav" umreißt kurz die alten Positionen: während die DDR Falladas Verbleib im nationalsozialistischen Deutschland und seine literarischen Konzessionen an das Regime zu "besonderen soziohistorischen Umständen" zurechtrückte, wurde in der Bundesrepublik die Psychologisierung des drogenabhängigen Autors betrieben. Erst nach der Wiedervereinigung begann man von diesen Deutungsmustern abzurücken, so "cav", aber niemandem sei bislang ein so nüchterner wie ausgewogener Blick gelungen wie Jenny Williams.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2002
Dies sei die erste zuverlässige Fallada-Biografie, schreibt Rezensent Thomas Rietzschel, über das Buch der nordirischen Germanistin. Jenny Williams habe gründlich recherchiert und dabei auch sehr viele unveröffentlichte Quellen herangezogen, die ihre Vorgänger in für Rietzschel bedenklicher Gutgläubigkeit übersehen hätten. Besonders die Erforschung von Falladas Frühzeit hat den Rezensenten beeindruckt, "eine wenig beachtete, weil nur archivarisch zu erschließende Zeit". Erstmals lese man eine genaue Darstellung jenes versuchten Doppelselbstmordes, bei dem der damals Achtzehnjährige seinen besten Freund umgebracht, selbst jedoch schwer verletzt überlebt habe. Herausgehoben werde von der Biografin auch die Bedeutung einer autoritären Erziehung, die in gleicher Weise zu "antibürgerlicher Auflehnung" wie zum "Kotau vor der Macht" der Nationalsozialisten geführt habe. Der Rezensent ist der Analyse der Biografin umso bereitwilliger gefolgt, "als sie ohne ideologischen Eifer, ohne moralischen Aplomp" ausgekommen ist.
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