Herausgegeben von Chris Wahl, Marco Abel, Jesko Jockenhövel und Michael Wedel. Graf zählt zu den angesehensten Filmemachern des Landes, dessen Arbeiten hauptsächlich im Fernsehen und nur sporadisch im Kino zu sehen sind. Die Film- und Fernsehkritik hat seine Arbeit stetig und zumeist wohlwollend begleitet, von der Wissenschaft wurde deren Bedeutung bislang kaum angemessen wahrgenommen. "Im Angesicht des Fernsehens" entwirft aus 16 unterschiedlichen Perspektiven ein vielschichtiges Werkporträt Grafs und zeigt exemplarisch bestimmte Strukturen - Konstanten und Besonderheiten - im Werk des Filmemachers, der so konsequent wie kein zweiter in Deutschland seit Jahrzehnten das Wahrhaftige und das Dreckige, das Zufällige und das Bezaubernde im Fernsehen zu etablieren sucht. Zusätzlich bietet der Band im Anhang einen Filmindex, eine kommentierte Filmografie sowie eine Bibliografie zu Dominik Graf.
Thomas Groh merkt den Beiträgen in "Im Angesicht des Fernsehens" an, dass Dominik Graf auch für die Wissenschaft alles andere als bequem ist. Viele internationale Filmwissenschaftler haben sich in diesem Sammelband mit dem deutschen Filmemacher auseinandergesetzt - und bei fast allen behält Graf einen Überschuss, der sich in deren Konzepte nicht einordnen lässt, findet der Rezensent. Groh vermutet hier einen Zusammenhang mit der etwas zu streng-analytischen Herangehensweise der Filmwissenschaften. Positiv aufgefallen ist ihm auch deshalb der Beitrag von Michaela Krützen, die sich für ihren Vergleich der Protagonisten aus "Der Fahnder" und "Polizeiruf 110" für einen essayistischeren Stil entschieden hat. Ein Verdienst der Aufsätze ist dem Rezensenten besonders wichtig: das Buch befreit Graf ein wenig von seinem "Polizeithriller-Image" und öffnet den Blick für die Breite seines Werkes, das unter anderem auch "kluge Essayfilme" umfasst, fasst Groh zusammen.
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