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Bücherschau der Woche

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Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Helmut Böttiger

Die Gruppe 47

Als die deutsche Literatur Geschichte schrieb
Cover: Die Gruppe 47
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2012
ISBN 9783421043153
Gebunden, 480 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Die Gruppe 47 ist zu einem Markenzeichen geworden. Jeder nimmt Bezug auf diese von Hans Werner Richter 1947 ins Leben gerufene lose Schriftstellervereinigung. Jeder hat eine Vorstellung von ihrer Wirkung. Helmut Böttiger legt nun den ersten umfassenden Überblick über die Geschichte dieser Institution vor, die unseren Literaturbetrieb erfunden und die politische Öffentlichkeit Nachkriegsdeutschlands mitgeprägt hat. Bei näherer Betrachtung wird aber klar: Vieles von dem, was man zu wissen glaubt, verkehrt sich ins Gegenteil. Durch die Auswertung vieler bisher unbekannter Dokumente und Gespräche mit Zeitzeugen entsteht ein lebendiges Bild der Frühgeschichte der BRD: von den Schwierigkeiten, die Prägungen durch den Nationalsozialismus abzustreifen, bis zu einem neuen, prekären Wechselspiel zwischen Literatur, Markt und Mediengesellschaft, das bis heute anhält.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.12.2012

Als Chance, Legende und Wirklichkeit voneinander zu scheiden, sieht Rainer Moritz die von Helmut Böttiger besorgte Studie zur Gruppe 47. Warum ein weiteres Buch über die legendenumwobene Vereinigung nottut, ist damit für Moritz beantwortet: Der Autor nimmt die Historisierung vor und betrachtet die Gruppe und ihre Mechanismen als Vorboten der Medialisierung und Kommerzialisierung der Literatur, etwa auch des "Literarischen Quartetts". Das alles geht laut Moritz unprätentiös und anschaulich vonstatten. Nach der Lektüre weiß er, wo die Wurzeln der Gruppe lagen, wie ihre Wandlung vor sich ging und wo Wahrheit, wo Wunschdenken herrschte, etwa in puncto Kahlschlag. Zudem porträtiert der Autor laut Moritz nicht nur alte Bekannte in ihren Eigenheiten, sondern erinnert auch an die Randfiguren des Happenings, Walter Höllerer zum Beispiel.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2012

Mit diesem Überblicksband zur Geschichte der "Gruppe 47", den der Literaturkritiker und Essayist Helmut Böttiger nun pünktlich zu deren 65. Geburtstag herausgegeben hat, ist Rezensent Jochen Hieber absolut zufrieden. Trotz der Fülle an Brief-, Memoiren- und Sekundärliteratur gelinge es Böttiger, verständlich, schwungvoll und "eigenständig" zu erzählen, lobt der Kritiker. Hieber liest hier nicht nur eine Vielzahl interessanter Exkurse, etwa zum Hörfunk in der Nachkriegsepoche oder zur tragischen Geschichte des Literatenpaares Gisela Elsner und Klaus Roehler, sondern rühmt auch Böttigers sorgfältige Recherche: Den Vorwurf des Literaturhistorikers Klaus Briegleb oder des Schriftstellers W. G. Sebald, Hans Werner Richter und die von ihm gegründete Gruppe seien den aus der Emigration zurückgekehrten Autoren "feindselig und antisemitisch" entgegengetreten, könne Böttiger mithilfe seiner Quellen stark relativieren. Nur manchmal findet Hieber die Gruppe 47 auf eine Art "Betriebserfindungsmaschine" reduziert, was ihr seiner Ansicht nach nicht gerecht wird. Aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt in einer ansonsten durchweg lobenden Kritik.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.11.2012

Um was für ein außergewöhnliches Phänomen es sich bei der Gruppe 47 handelte, verdeutlicht Alexander Cammann, indem er zu Beginn seiner Rezension die Konstellation in die Gegenwart imaginiert, samt zeitgenössischer Autoren (von Burkhard Spinnen bis Nora Bossong) und Kritikern (von Scheck bis Lovenberg). Undenkbar wäre es heute, so sein Ergebnis, aber außergewöhnlich sei es auch damals gewesen. Der Literaturkritiker Helmut Böttiger legt zum 65. Jubiläum der Gruppe eine Studie vor, die deren Entwicklung nachvollzieht. Besonders erhellend findet der Rezensent, dass Böttiger den Erfolg der Gruppe auf "eine neue Virtuosität im Umgang mit den Medien" zurückführt - immerhin kamen Enzensberger, Walser, Andersch oder Heißenbüttel vom Rundfunk. Problematisch erscheint Camman hingegen, dass Böttiger bisweilen zur unreflektierten Bewunderung seiner Protagonisten tendiere. Auch zur Zeit vor 1945 und der Rolle der Mitglieder im Dritten Reich hätte er gerne Genaueres erfahren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.11.2012

Welches Rätsel ist um die Gruppe 47?, fragt Stephan Speicher angesichts von Helmut Böttigers Buch. Speicher räumt ein, dass es mit dem literarischen Ansehen oder einem besonders feinen Umgangston innerhalb der Gruppe jedenfalls nichts zu tun haben dürfte. Vielleicht ist es das Moralische in der Literatur, das hier nach den barbarischen Kriegserfahrungen erstmals ins Spiel kam? Aus Böttigers Darstellung von Autoren, Werken und Taten der Gruppe von den Anfängen bis 1967 und weiter erfährt der Rezensent immerhin so viel, dass er von den Tagungen als von Demokratisierungsereignissen der Bundesrepublik sprechen kann. Ferner sei hier ein literarischer Kanon gebildet worden und eine Form des literarischen Lebens (inklusive Kritik und Markt), das Speicher bis heute für aktuell hält. Böttigers Darstellung findet er anschaulich, wenn es um den Mief geht, auch berechtigterweise kritisch und in einzelnen Punkten kontrovers.
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Helmut Böttiger

Helmut Böttiger, geboren 1956 in Creglingen, studierte Germanistik in Freiburg. Bis 2001 war er Feuilletonredakteur der Frankfurter Rundschau, jetzt arbeitet er als Kolumnist und Kritiker. mehr lesen

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