Aus dem Archiv

David Mitchell

Die tausend Herbste des Jacob de Zoet

Roman
Cover: Die tausend Herbste des Jacob de Zoet
Rowohlt Verlag, Reinbek 2012
ISBN 9783498045180
Gebunden, 714 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Volker Oldenburg. Stellen Sie sich ein Reich vor, das sich seit anderthalb Jahrhunderten von der Welt abschottet. Niemand darf hinaus, kein Fremder hinein. Und doch bietet ein schmales Fenster Einblick in diese nationale Festung: eine künstliche, ummauerte Insel in einem Hafen des Landes, bewohnt von einer Handvoll europäischer Händler. Das Land heißt Japan, der Hafen Nagasaki und die Insel Dejima, man schreibt das Jahr 1799. Dorthin versetzt David Mitchell seinen Helden, den jungen Handelsangestellten Jacob de Zoet, der hofft, auf der von Geschäftemachern und zwielichtigen Gestalten bewohnten Insel sein Glück zu machen. Stattdessen stößt ihn das Schicksal in ein wildes Abenteuer: Er verliebt sich in die Japanerin Orito, die Tochter eines Samurai und Hebamme, die sich vom Inselarzt Dr. Marinus medizinisch ausbilden lässt. Doch eines Tages stirbt Oritos Vater, und sie verschwindet. Plötzlich geht das Gerücht, sie sei in die Sklaverei verkauft worden, um seine Schulden zu begleichen. Jacob geht dem nach und wird in Falschheit, Verrat und Mord verstrickt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.11.2012

David Mitchell wird zur Zeit weltweit in die Wolken gelobt, erst für sein frisch verfilmtes Buch "Cloud Atlas", jetzt auch für das Neuere: "Die tausend Herbste des Jacob de Zoet". Nach der Lektüre fragt sich Christoph Bartmann, was die ganze Aufregung eigentlich soll. Ein wenig relativiert der Rezensent noch: als Romancier wisse Mitchell sicher, was er tue, und er bediene sich eines soliden, traditionellen Erzählhandwerks. Mehr Gutes lässt Bartmann dann kaum an Roman und Autor. Mitchell erzählt die Geschichte des niederländischen Handelsangestellten Jacob de Zoet, der um 1800 in japanischen Gewässern seinem Geschäft nachgeht, fasst der Rezensent zusammen. Der Autor bedient so ziemlich alles, was unterhält - Abenteuer, Exotik, Liebe - und bedient sich wiederum zu diesem Zweck buntester Farben und Reize, erklärt der Rezensent. Weder wundert Bartmann, dass de Zoet der einzig anständige Handeltreibende ist, noch, dass er sich prompt in eine junge Japanerin verliebt. Durch das konstante Präsens und die permanent adressierten Sinne meint der Rezensent den Autor sagen zu hören: "Dieser Roman lässt Dich, Leser, nah an sich heran". Das gewaltige Panorama, die ausschweifende Handlung, die suggerierte Nähe - Bartmann erkennt darin einen Retro-Realismus, der zumindest ihn langweilt. Wenn so die Postpostmoderne aussieht, muss man sich nicht darauf freuen, meint der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2012

Doktor Schiwago auf Fernost, postmodern verspielt, verspielter noch als "Der Name der Rose", so bezeichnet Katharina Teutsch dieses virtuos zwischen Historien- und Abenteuerroman mäandernde Buch von David Mitchell. Das Drehbuch könnte bereits in Arbeit sein, denkt man, wenn Teutsch die um 1800 in einer europäischen Enklave nahe Nagasaki spielende, mit epischem Atem entwickelte Geschichte wiedergibt. Hat sie sich einmal durch das anfängliche personelle Dickicht gearbeitet, bietet der Autor ihr detailreich entfaltete exotische Pracht in Kollision mit Ideen der Aufklärung in Person eines jungen Niederländers. Sinnlichkeit, Intrige, Teutsch fühlt sich bald wie bei Shakespeare, bald wie in Begleitung von Jack Sparrow, und es gefällt ihr ausnehmend gut.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.09.2012

Sichtlich angetan ist Rezensentin Christina Nord von David Mitchells neuem Roman "Die tausend Herbste des Jacob de Zoet". Das Werk um den Handelsangestellten Jacob de Zoet, der im Jahr 1799 in einer Sonderzone von Nagasaki im abgeschotteten Japan landet, sich zwischen korrupten und überheblichen Niederländern und nicht weniger überheblichen Japanern zurecht finden muss und sich in eine Japanerin verliebt, kommt ihr vor wie eine "prächtige historische Wunderkammer", voll von unerhörten Begebenheiten, Pointen, Anekdoten, Schauergeschichten und einer Seeschlacht. Vor allem lobt sie Mitchell als großartigen Erzähler. Wie er die Perspektiven wechselt, die Geschichte aus der Sichtweise zahlreicher Figuren erzählt, dabei immer wieder die Spannung erhöht, ist in Nords Augen höchst virtuos. Sofort fühlt sie sich als Leserin hineingezogen in diesen historischen Romans. Ihr einziger Kritikpunkt ist, dass ihr das Werk bisweilen fast ein wenig zu virtuos wirkt. Ein wenig mehr Widerstand, ein "Riss in der Virtuosität" hätten dem Roman ihres Erachtens nicht geschadet.

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David Mitchell

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