Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Die Beschneidungsdebatte: im Perlentaucher und in anderen Medien
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Englischen von Volker Oldenburg. Stellen Sie sich ein Reich vor, das sich seit anderthalb Jahrhunderten von der Welt abschottet. Niemand darf hinaus, kein Fremder hinein. Und doch bietet ein schmales Fenster Einblick in diese nationale Festung: eine künstliche, ummauerte Insel in einem Hafen des Landes, bewohnt von einer Handvoll europäischer Händler. Das Land heißt Japan, der Hafen Nagasaki und die Insel Dejima, man schreibt das Jahr 1799. Dorthin versetzt David Mitchell seinen Helden, den jungen Handelsangestellten Jacob de Zoet, der hofft, auf der von Geschäftemachern und zwielichtigen Gestalten bewohnten Insel sein Glück zu machen. Stattdessen stößt ihn das Schicksal in ein wildes Abenteuer: Er verliebt sich in die Japanerin Orito, die Tochter eines Samurai und Hebamme, die sich vom Inselarzt Dr. Marinus medizinisch ausbilden lässt. Doch eines Tages stirbt Oritos Vater, und sie verschwindet. Plötzlich geht das Gerücht, sie sei in die Sklaverei verkauft worden, um seine Schulden zu begleichen. Jacob geht dem nach und wird in Falschheit, Verrat und Mord verstrickt.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.11.2012
David Mitchell wird zur Zeit weltweit in die Wolken gelobt, erst für sein frisch verfilmtes Buch "Cloud Atlas", jetzt auch für das Neuere: "Die tausend Herbste des Jacob de Zoet". Nach der Lektüre fragt sich Christoph Bartmann, was die ganze Aufregung eigentlich soll. Ein wenig relativiert der Rezensent noch: als Romancier wisse Mitchell sicher, was er tue, und er bediene sich eines soliden, traditionellen Erzählhandwerks. Mehr Gutes lässt Bartmann dann kaum an Roman und Autor. Mitchell erzählt die Geschichte des niederländischen Handelsangestellten Jacob de Zoet, der um 1800 in japanischen Gewässern seinem Geschäft nachgeht, fasst der Rezensent zusammen. Der Autor bedient so ziemlich alles, was unterhält - Abenteuer, Exotik, Liebe - und bedient sich wiederum zu diesem Zweck buntester Farben und Reize, erklärt der Rezensent. Weder wundert Bartmann, dass de Zoet der einzig anständige Handeltreibende ist, noch, dass er sich prompt in eine junge Japanerin verliebt. Durch das konstante Präsens und die permanent adressierten Sinne meint der Rezensent den Autor sagen zu hören: "Dieser Roman lässt Dich, Leser, nah an sich heran". Das gewaltige Panorama, die ausschweifende Handlung, die suggerierte Nähe - Bartmann erkennt darin einen Retro-Realismus, der zumindest ihn langweilt. Wenn so die Postpostmoderne aussieht, muss man sich nicht darauf freuen, meint der Rezensent.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2012
Doktor Schiwago auf Fernost, postmodern verspielt, verspielter noch als "Der Name der Rose", so bezeichnet Katharina Teutsch dieses virtuos zwischen Historien- und Abenteuerroman mäandernde Buch von David Mitchell. Das Drehbuch könnte bereits in Arbeit sein, denkt man, wenn Teutsch die um 1800 in einer europäischen Enklave nahe Nagasaki spielende, mit epischem Atem entwickelte Geschichte wiedergibt. Hat sie sich einmal durch das anfängliche personelle Dickicht gearbeitet, bietet der Autor ihr detailreich entfaltete exotische Pracht in Kollision mit Ideen der Aufklärung in Person eines jungen Niederländers. Sinnlichkeit, Intrige, Teutsch fühlt sich bald wie bei Shakespeare, bald wie in Begleitung von Jack Sparrow, und es gefällt ihr ausnehmend gut.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.09.2012
Sichtlich angetan ist Rezensentin Christina Nord von David Mitchells neuem Roman "Die tausend Herbste des Jacob de Zoet". Das Werk um den Handelsangestellten Jacob de Zoet, der im Jahr 1799 in einer Sonderzone von Nagasaki im abgeschotteten Japan landet, sich zwischen korrupten und überheblichen Niederländern und nicht weniger überheblichen Japanern zurecht finden muss und sich in eine Japanerin verliebt, kommt ihr vor wie eine "prächtige historische Wunderkammer", voll von unerhörten Begebenheiten, Pointen, Anekdoten, Schauergeschichten und einer Seeschlacht. Vor allem lobt sie Mitchell als großartigen Erzähler. Wie er die Perspektiven wechselt, die Geschichte aus der Sichtweise zahlreicher Figuren erzählt, dabei immer wieder die Spannung erhöht, ist in Nords Augen höchst virtuos. Sofort fühlt sie sich als Leserin hineingezogen in diesen historischen Romans. Ihr einziger Kritikpunkt ist, dass ihr das Werk bisweilen fast ein wenig zu virtuos wirkt. Ein wenig mehr Widerstand, ein "Riss in der Virtuosität" hätten dem Roman ihres Erachtens nicht geschadet.

David Mitchell
David Mitchell, geboren 1969 im englischen Southport wuchs in Malvern, Worcestershire, auf. Er studierte Englische und Amerikanische Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaften an der Universität von Kent. Mitchell lebte ein Jahr ... mehr lesen
Von Lesern empfohlene Bücher
Lemony Snicket: Das erstaunliche Ende
Aus dem Amerikanischen von Sabine Roth. Mit Fotos / Illustrationen von Brett Helquist. Nach … mehr lesen
Bücher zum gleichen Themenkomplex
Otsuka, Julie: Wovon wir träumten. Roman


Marebuchverlag, Hamburg 2012, ISBN 3866481799, Gebunden, 160 Seiten, 18,00 EUR
Aus dem Amerikanischen von Katja Scholtz. "Auf dem Schiff waren die meisten von uns Jungfrauen." So beginnt die berührende Geschichte einer Gruppe junger Frauen, die Anfang des 20.Jahrhunderts als Picture Brides von Japan nach Kalifornien reisen, um japanische Einwanderer zu heiraten. Bis zu ihrer Ankunft kennen die Frauen ihre zukünftigen... mehr lesen
Bücher zu ähnlichen Themen
Kawakami, Hiromi: Bis nächstes Jahr im Frühling. Roman


Carl Hanser Verlag, München 2013, ISBN 3446241280, Gebunden, 224 Seiten, 19,99 EUR
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe und Kimiko Nakayama-Ziegler. Noyuri und Takuya sind seit sieben Jahren verheiratet, als Noyuri erfährt, dass ihr Mann ein Verhältnis hat. Bisher war sie von ihrer Ehe wenig begeistert. Doch jetzt, als Takuya ihr die Trennung vorschlägt, erkennt sie, wie sehr sie an ihm hängt. Auf einer gemeinsamen Reise wird... mehr lesen
Ichimura, Yuko: 3/11. Tagebuch nach Fukushima


Carlsen Verlag, Hamburg 2012, ISBN 3551791880, Gebunden, 172 Seiten, 12,90 EUR
Aus dem Japanischen von Tim Rittmann. "3/11" - also "Three Eleven", der 11. März 2011 - markiert in Japan ein Katastrophen-Datum sondergleichen: Das Tohoku-Erdbeben, das eine gigantische Tsunami-Welle und die Havarie des AKWs in Fukushima zur Folge hatte, und zehntausende Menschen das Leben kostete. Was macht eine solche Katastrophe... mehr lesen
Kluge, Alexander: Die Pranke der Natur (und wir Menschen). Das Erdbeben in Japan, das die Welt bewegte, und das Zeichen von Tschernobyl. 2 CDs


Antje Kunstmann Verlag, München 2012, ISBN 3888977622, CD, 19,95 EUR
Kurze Zeit, bevor das Erdbeben die Nordinsel von Japan um vier Meter versetzte, der Ausschlag war bis in die Schweizer Berge zu messen, hatte eine Forschergruppe an der Universität Sendai, die in derselben Präfektur wie das AKW Fukushima liegt, festgestellt, dass 1000 Jahre zuvor, nämlich im Jahre 869, bereits ein ähnlich schweres Beben, gefolgt... mehr lesen
Levi-Strauss, Claude: Die andere Seite des Mondes. Schriften über Japan


Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 3518585770, Gebunden, 175 Seiten, 24,95 EUR
Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Mit zehn Abbildungen. Was ist der Platz der japanischen Kultur in der Welt? Lassen sich Kulturen überhaupt miteinander vergleichen? Das sind zwei der Fragen, die den Japanreisenden Claude Lévi-Strauss umgetrieben haben. Seit seiner Kindheit verband ihn eine tiefe ästhetische Zuneigung zur japanischen Kunst... mehr lesen
Floros, Constantin: Nach Asmara!. Roman


Arche Verlag, Salzburg 2012, ISBN 3902497912, Gebunden, 150 Seiten, 18,00 EUR
Ans Ende der Welt reisen, um einen neuen Anfang zu machen? Nach Asmara fliegt Friedrich Kröhnkes unheroischer Held namens Frick. Auch wenn er in der seltsam europäischen Moderne von Eritreas Hauptstadt Erlebnisse sanfter Erleuchtung hat, so bleibt er am Ende doch der nervöse Melancholiker, der er immer war. Das Leben und die Lust schillern in Friedrich... mehr lesen










