Darf man den "Rassentotalitarismus" und den "Klassentotalitarimus" miteinander vergleichen? Der Vergleich ist dann nicht zulässig, wenn man seine Aufmerksamkeit allein auf die Ideologien richtet. Lenkt man sie auf die Opfer, drängt sich der Vergleich geradezu auf, trotz aller Unterschiede: Beide Ideologien entwerteten unverhohlen das jüdische Volk und das Judentum. In ihrer Sprache griffen die Ideologen auf Formulierungen zurück, die ihnen die jüdische Religion und Kultur vermittelt hatte: 'Das heilige Volk', von dem Hitler sprach, oder das kommunistische 'Paradies im Diesseits' dokumentieren, wie sehr sich die Demagogen des Vokabulars jener bedienten, die sie vernichteten. Dem bedrückenden Thema zum Trotz macht Alain Besancon auch Mut. Er ruft auf, sich an die Opfer zu erinnern und das öffentliche wie private Gedächtnis zu schärfen und zu kultivieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.10.2001
Ulrich Speck ist trotz der vielen Erkenntnisse, die ihm dieser Essay des französischen Soziologen und Osteuropaspezialisten bereitet hat, letztlich enttäuscht und sieht sogar im Laufe der Lektüre die "Vertrauensbeziehung" zwischen Autor und Leser "irreparabel beschädigt". Zunächst ist er von den Ausführungen Besancons zum Totalitarismus im 20. Jahrhundert sehr beeindruckt und preist besonders den ersten Teil, der eine "geraffte und alles in allem solide Zusammenfassung" der zerstörerischen totalitären Systeme Nationalsozialismus und Stalinismus bietet. Besondere "Stärken" sieht Speck dabei in den ideengeschichtlichen Überlegungen des Autors, wo er allerdings gleichzeitig auch "eklatante Schwächen" gefunden hat. Die vielen "dunkel-bedeutungsschwangeren" Andeutungen gehen ihm nun zunehmend auf die Nerven und im vorletzten Kapitel schließlich, in dem es um die Ursache der "Bösen" geht, packt ihn dann das nackte Unverständnis und Entsetzten, und er spricht dem Autor endgültig die "Diskursfähigkeit" ab.
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