Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Aus dem Türkischen von Ingrid Iren. Man schreibt das Jahr 1591, Istanbul ist vom Schnee bedeckt. Ein Toter spricht zu uns aus der Tiefe eines Brunnens. Er kennt seinen Mörder, und er kennt auch die Ursache für den Mord: ein Komplott gegen das gesamte Osmanische Reich, seine Religion, seine Kultur, seine Tradition. Darin verwickelt sind die Miniaturenmaler, die beauftragt sind, für den Sultan zehn Buchblätter zu malen, ein Liebender und der Mörder, der den Leser bis zum Schluss zum Narren hält.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.12.2001
Der Schriftsteller Orhan Pamuk vereint für Hans Peter-Kunisch Islam und westliche Bildung sowohl in seiner Person als auch in seinen Werken. Die Malstile in diesem Roman, der in der Buchmalerstadt Herat spielt, stehen laut Kunisch stellvertretend für verschiedene Lebensstile, für westliche Individualität und konservativen Islam. Obwohl Pamuk den Roman nicht als der Tagespolitik verpflichteten Roman angelegt habe, lasse er sich wie eine "Parabel auf die aktuellen Geschehnisse" lesen, schreibt Kunisch und verweist dabei auf Ähnlichkeiten und Unterschiede zu den Werken des türkischen Schriftstellers Yasar Kemal. Den Stil Pamuks lobt der Kritiker für seinen häufigen Perspektivwechsel und seine "elegante", "pirouettenreiche" Verspieltheit. Begeistert ist Kunisch nicht nur von Pamuks postmoderner Erzählhaltung, sondern auch von seiner Offenheit für Politik: Pamuk setze sich auf differenzierte Art und Weise mit dem Verhältnis von Tradition und Moderne auseinander.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2001
"Ein wunderbar reiches Stück Weltliteratur", jubelt ein begeisterter Ernst Osterkamp über dies "verwirrend schöne" Buch. Ein Kriminalroman, der von der ersten Seite an auch ein Künstlerroman sei - und "ein Hohelied auf die osmanische Buchmalerei", Abgesang auf eine Kunst, die unter dem "aus dem Okzident kommenden künstlerischen Erneuerungsdruck" zum Untergang verurteilt gewesen sei. Es gehe also auch um den Konflikt zweier Kulturen. Und die Frage, ob Allah über Ost und West gleichermaßen herrscht. Dadurch gewinnt der Roman in Osterkamps Augen auch Züge einer politischen Allegorie, "die aktueller nicht sein könnte". Der Leser habe sich auf eine "gewaltige Lebenspartitur mit vielen Stimmen" einzustellen. "59 Auftritte", nicht weniger als einundzwanzig Erzähler habe das Werk. "Mörder und Opfer, Tote und Lebende, Maler und gemalte Figuren, Liebende, Tod und Teufel". Das Buch sei ein "Meisterwerk des polyperspektivischen Erzählens". Der Rezensent führt durch ein schillerndes historisches Panorama, das im Istanbul des Jahres 1591 angesiedelt ist und sich vom "ärmlichen Teehaus bis zum Palast des Padischah" erstreckt. Nebenbei sei das Buch auch noch eine wunderbare Liebesgeschichte, meint der Rezensent und lobt die Übersetzerin, die es in "angenehm lesbares Deutsch" gebracht habe.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2001
Hingerissen ist Monika Carbe von Orhan Pamuks bereits 1998 in Istanbul erstmals publizierten Roman, der zudem von Ingrid Iren "kongenial übersetzt " zu sein scheint und eine überaus spannende, kriminalistisch angehauchte Lektüre verspricht, obwohl sie in die strenge Welt eines Sultanspalastes und die bunte Welt der Buchillustratoren führt. Unschwer sei neben dem mörderischen Intrigenspiel im höfischen Buchmalermilieu die Doppelbödigkeit der Fabel zu erkennen, schreibt Carbe, die Parallelen zur Situation heute in der Türkei zulasse: es geht um den Streit zwischen Traditionalisten, die sich an der islamischen Kultur, und Neuerern, die sich an westlichen Werten orientieren, es geht, so Carbe, um das Verständnis von Individualität, das hier sehr komplex, historisch verkleidet und stark ironisiert als Kriminalgeschichte erzählt wird, die zugleich auch eine Liebes- und Kulturgeschichte ist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.09.2001
Bleibt die Tür zur EU für die Türkei auch vorerst noch verschlossen, schreibt der Rezensent, so ist mit diesem Roman immerhin "ihre Aufnahme in den Kosmos des europäischen Romans" vollzogen. Und das muss was heißen, hat Christoph Bartmann sich doch tüchtig fesseln lassen von diesem "verwickelten, opulenten und unheimlichen" Roman des "Wortmalers Orhan Pamuk." Es klingt schon recht nach Tausendundeiner Nacht, wenn Bartmann vom Zierrat spricht, von der Verschwendung, mit der hier Gleichnisse und Anekdoten zu einem "west-östlichen" Bilder-Traktat und Detektivroman verbandelt werden. Allerdings ist unserem Rezensenten auch die politische Aktualität des Ganzen nicht entgangen: Zugrunde liegt dem geschilderten "Krieg der Malerschulen" aus dem 16. Jahrhundert nämlich die doppelte Perspektive seines türkischen Autors: "mit einem Bein im Okzident und mit dem anderen im Orient."
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