Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.08.2001
Ein "Lobpreis des verlorenen Alltags, des bescheidenen Lebens im Nachkrieg" ist der dritte Prosaband des österreichischen Germanisten und Schriftstellers Martin Kubaczek, schreibt Karl-Markus Gauß. Der 1954 geborene Autor beschreibe seine Kindheit im ländlich-idyllischen Jedlsee, wobei er das Leben in den Fünfzigern entgegen aller heutigen Gepflogenheiten verkläre. Aus seiner langjährigen Japan-Erfahrung heraus, die in einen 1997 erschienenen Erstling (Somei) mündete, nähere sich der Autor nun einer anderen Erfahrung der Fremde: Jedlsee, heute eine Industrielandschaft, ist nur noch in der Erinnerung zu finden. Die Erzählung setze sich aus kurzen Texten ohne ersichtliche Chronologie zusammen. Obwohl der Autor die Figuren - Vater, Mutter, Geschwister, Spielkamerad - scharf zu konturieren verstehe, blieben sie doch in ferne Distanz gerückt. Und so frage der Erzähler im Buch auch: 'Warum bin ich in dem Ganzen so fremd geblieben ...', zitiert Gauß.
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