Aus dem Polnischen von Izydor Berman. Mit einem Vorwort von Peter Härtling. Der Handlanger Piotr Niewiadomski (zu Deutsch etwa: Peter Unbekannt) aus dem Huzulenland im Osten Polens wird zu den österreichischen Waffen gerufen, aber er "taucht nicht in Schlachten unter, hört kein Trommelfeuer, schleppt keiene Verwundeten und Toten in den morastigen Graben. Für ihn beginnt der Krieg erst. Er wird eingekleidet, bekommt eine Nummer, wird namenlos, Teil des Regiments."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.08.2001
Für Thomas Grob ist an dieser wiederholten Neuauflage des bereits 1935 erschienenen Romans von Józef Wittlin "so ziemlich alles bemerkenswert". Erzählt wird darin vom Analphabeten Piotr Niewiadomski aus dem Volk der Huzulen in den Karpaten, der mit dem Wunsch, Bahnwärter zu werden, zum Kriegsdienst eingezogen wird und so in den Ersten Weltkrieg gerät. Der Roman besteht, so der Rezensent, überwiegend aus Schilderung seiner Figuren und ihrer Begegnungen während der Kriegsvorbereitungen, der Krieg selbst aber bleibt im Hintergrund. Der unbeholfenen Wahrnehmung des Protagonisten, in der Grob ein "Refugium der Vernunft" sieht, zeige sich erst die Weltzerstörung des Krieges als das, was sie sei. Er lobt dabei die Figurenpsychologie des Autors, seinen "illusionslosen Humor" und seine souveräne Erzählhaltung, der er stellenweise "geradezu apokalyptische Wucht" bescheinigt. Vor allem bemerkenswert ist dem Rezensenten die antizipatorische Kraft des Romans. Auf viele der späteren Katastrophen, der Zweite Weltkrieg wie auch die Judenvernichtung, seien in dem Roman bereits vorausgedeutet. Zentrale Erfahrungen des ganzen 20. Jahrhunderts, "Verlust von Kultur, von Individualität, von Anderssein", findet der Rezensent bei Wittlin gestaltet. Er zählt denn auch den Roman vollmundig zum "engen Kreis europäischer Jahrhundertromane".
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