Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
In einem Gebirgsstädtchen am Rande der Karpaten erwartet man den Besuch des Erzbischofs. Anläßlich dieses Besuchs wollen die Behörden den alten vernachlässigten Friedhof planieren und neu anlegen. Doch zuvor müssen alle Gräber exhumiert werden. Auf Geheiß seines älteren Bruders, der in der Hauptstadt im Gefängnis sitzt, bricht ein junger Mann auf, um die Überreste ihres Vaters, der auf eben jenem Friedhof begraben liegt, in Empfang zu nehmen und neu zu bestatten. Er wird von den Behörden nach Strich und Faden ausgenutzt und von einer Kinderbande um seine letzen Mittel gebracht. Eine bedrückende und beklemmende Atmosphäre, wie sie nur im verlassensten Winkel Europas denkbar ist, zieht sich durch die Erzählung, bis - auf der letzten Seite - der Erzbischof dann doch noch eintrifft.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.02.2000
Mit angehaltenem Atem spricht Hans Jürgen Balmes über Bodors Erzählung: Sie wird durchweht vom Aroma und dem rätselhaft irisierenden Licht einer riesigen Müllhalde. Balmes lokalisiert den Autor zunächst als einen Ungarn aus Siebenbürgen. Seine fiktive Stadt liege irgendwo nicht weit von Czernowitz und Odessa - und wartet seit eh und je auf die Ankunft des Erzbischofs. Fasziniert berichtet Balmes, wie in der Erzählung die Helden schlafen, ohne je wieder zu erwachen, oder wie tote Herrscher ans Fenster gestellt werden um zu winken. Eine total ausweglose und absurde Hölle scheint das zu sein, die Bodor da schildert, und natürlich fühlt sich der Rezensent an Beckett erinnert. Gelangweilt hat er sich jedenfalls nicht. Er verspricht, dass Bodors "ganzer grotesker Barock... das Herz des Lesers unmittelbar angreift".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.10.1999
Gabriele Killert macht Mut. Wenn man bei der Lektüre von Bodors neuem Roman nicht mehr wissen sollte, wo man hingeraten ist, schreibt sie, sei man genau dort, wo Bodor einen haben wollte: "In der opaken Welt des Terrors". Auf die bereitet Killert dann sorgfältig, aber recht elegant und geistreich vor. Denn wenn es auch etwas mühsam zu lesen sei, so hält sie diese ebenso schwarze wie heitere Satire doch für ein "wahres Buch" über dieses Jahrhundert. Überdies ein schönes Buch und, wie sie ausdrücklich lobt, auch sehr gut übersetzt. Ihr Fazit: Man versteht nicht, aber beginnt zu ahnen, dass die Hölle nicht von Breughel oder Bosch ist, wie sie schreibt, sondern "ein Abgrund an Inhumanität, auf den man sich verständigt hat``.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.1999
"Hier setzt das Grauen mit Paukenschlägen ein", so Ernest Wichner, der sich offenbar gleichermassen angezogen wie abgestossen fühlt von Bodors makabrer Geschichte. Gleich zu Anfang brechen zwei schwachsinnige Schwestern aus einem "Lager" aus, verstecken sich unter Dreck auf einer Müllkippe, werden jedoch - für Blutgeld - gefunden und in einem Hühnerkäfig der Steinigung ausgesetzt. Die vielgelobter Stille und Zartheit von Bodors Roman "Schutzgebiet Sinistra" ist hier kaum zu finden, meint Wichner. Aber das wirkliche Grauen hat sich beim ihm offenbar nicht deshalb eingestellt, weil in dieser Geschichte anscheinend jeder lügt, betrügt und Bestialität fast normal zu sein scheint. Viel grausiger findet Wichner, dass das, was der Leser zunächst als "ästhetische Schocks" goutiert, offenbar den wirklichen Lebenserfahrungen des Autors ziemlich nahe kommt.
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